Versicherung: Unfall im Ausland

Ein Unfall im Ausland! Noch vor wenigen Jahren war das für Autofahrer nah dran am Super-Gau. Inzwischen ist das Recht für Unfallgeschädigte grenzübergreifend komfortabel geworden, doch immer wieder halsen sich betroffene Autofahrer unnötig Ärger auf. Sie glauben, der kürzere Weg, die Regulierung des Schadens im Unfallland, wäre die beste Lösung. Praktiker raten zur Abwicklung von daheim.

150.000 Autofahrer aus Deutschland werden jedes Jahr im Ausland in einen Unfall verwickelt – schätzt der Berliner Zentralruf der Autoversicherer. "Immer wieder versuchen dann Betroffene, die unschuldig in den Unfall verwickelt wurden, alles direkt vor Ort zu erledigen", sagt Volker Lempp, ACE-Jurist aus Stuttgart. In der Regel würden sie dann einen ortsansässigen Anwalt mit der Durchsetzung ihrer Schadenersatzansprüche beauftragen. "Bei sehr schweren Unfällen kann das schon richtig sein", so Lempp. Grund: Weiterhin gilt das Schadenrecht des Unfallortes. Und das weicht in der Regel von deutschem Recht ab. Der örtliche Anwalt ist somit Spezialist. "Doch in der Praxis zeigt sich mittlerweile, dass dieser Weg in der Regel sehr mühselig ist", warnt Lempp. Vielfach müssen die Unfallopfer lange auf ihr Geld warten. Besser wäre es, voll das neue Recht, die sogenannte 4-KH-Richtlinie, auszuschöpfen. Hinter diesem Wortungetüm versteckt sich eine einfache Lösung: Wer im Ausland einen Unfallschaden hat, darf den Schaden ganz bequem nach dem Urlaub von zu Hause aus regeln.

"Dafür braucht man nur den Zentralruf der Autoversicherer anzurufen. Er nennt dem Betroffenen dann den zuständigen Schadenregulierer in Deutschland", erläutert Lempp. Nach Erfahrung des ACE-Juristen funktioniert die Schadenabwicklung über den Zentralruf mittlerweile fast so schnell, als sei der Unfall in Deutschland passiert. Aber es gibt noch zwei weitere Vorteile: So muss der für den ausländischen Versicherer in Deutschland tätige Schadenregulierer innerhalb von drei Monaten geleistet haben oder gut begründen, warum eine Entschädigung abgelehnt wird. Danach kann sich der betroffene Autofahrer an die Entschädigungsstelle der Verkehrsopferhilfe (Telefon 030/20 20 58 58) wenden. Sie wird dann von sich aus tätig und entschädigt das Unfallopfer. Die Statistik zeigt, dass dieser Schritt aber nur sehr selten notwendig wird. "In den letzten zwei Jahren waren es lediglich rund 3400 Autofahrer, die sich an uns gewandt haben", bestätigt die Verkehrsopferhilfe. Verglichen mit den 150.000 Autofahrern, die sich jährlich im Ausland Blechbeulen und Schlimmeres holen, eine verschwindend geringe Zahl. "Mittlerweile hat zudem der Europäische Gerichtshof klargestellt, dass man den ausländischen Versicherer auch vor einem heimischen Gericht verklagen kann", erläutert Lempp. Die Regulierung von Auslandsschäden über den Zentralruf oder notfalls über die Entschädigungsstelle der Verkehrsopferhilfe hat aber noch einen anderen Nutzen: "Im Ausland werden in ganz vielen Ländern die Anwaltskosten nicht oder nur teilweise ersetzt", warnt Gesine Reisert, Fachanwältin für Verkehrsrecht aus Berlin. Nur wer eine Verkehrsrechtsschutzversicherung abgeschlossen hat, braucht sich um diese Kosten keine Sorgen zu machen. Noch liegt aber der Anteil Haushalte mit Rechtsschutz bei lediglich rund 40 Prozent, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt hat.

Autofahrer müssen sich übrigens nach Unfallschäden im Ausland oft auf eine geringere Entschädigung einstellen. Denn eine Reihe in Deutschland üblicher Entschädigungsleistungen ist außerhalb der deutschen Grenzen unbekannt. Dazu gehören neben den Rechtsanwaltsgebühren die Kosten für Gutachter-, Mietwagen-, Finanzierungs- und sonstige unfallbedingte Nebenkosten wie Ausgaben für Taxi, Telefon oder Übernachtung. Auch Nutzungsausfall, Wertminderung, Urlaubsbeeinträchtigung oder die Heimfahrtkosten nach Totalschaden werden nicht überall getragen. Besonders wenig wird nach südeuropäischem Recht geleistet. Allein die Schmerzensgelder sind in diesen Ländern aufgrund einer anderen Rechtsentwicklung höher. Wer grundsätzlich Schadenersatz auf deutschem Niveau sichern will, sollte eine zusätzliche Auslands-Schadenschutz-Police abschließen. Der eigene Versicherer übernimmt dann in der Regel bei unverschuldeten Unfällen die Regulierung nach deutschem Recht und deutschen Standards. Der Schutz gilt außerhalb Deutschlands üblicherweise in allen Mitgliedsstaaten der EU sowie in Island, Kroatien, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Richtig wichtig kann das in Ländern werden, die noch keine ausreichende Pflichtversicherungssumme eingeführt haben. So gilt beim Auslandsschadenschutz in der Regel für Sachschäden die übliche deutsche Vertragssumme von 100 Millionen Euro, während pro Personenschaden bis zu zwölf Millionen Euro geleistet werden. Demgegenüber liegt laut GDV beispielsweise die gesetzliche Mindestversicherungssumme in Griechenland für beide Bereiche bei 500.000 Euro. Ist der Schaden, den der deutsche Autofahrer erleidet, höher als die Versicherungssumme des Schädigers, muss dieser mit seinem Privatvermögen haften. Da ist das Risiko natürlich groß, dass das Unfallopfer teilweise leer ausgeht. Zu geringe Summen für den Sachschaden gibt es noch in den EU-Staaten Bulgarien und Estland. Noch etwas problematischer ist die Situation in einigen Nicht-EU-Staaten. Wer nach Albanien, Bosnien-Herzegowina, Serbien oder die Türkei reist, sollte sein Fahrzeug sicherheitshalber mit einer kurzzeitigen Vollkaskopolice ausstatten und alle Insassen zusätzlich per Unfallversicherung schützen. Dabei müssen Urlauber darauf achten, dass die Policen für den asiatischen Teil der Türkei gelten – falls die Reise so weit geht.

Zwei Dinge sollten Autofahrer zudem immer beachten, wenn sie im Ausland in einen Unfall verwickelt werden. "Zum einen kann man nicht genug Fotos schießen", rät Experte Lempp. Zusätzlich sollten die persönlichen Daten von Zeugen gesichert werden. Außerdem sollten Unfallopfer – egal wie gestresst der Unfallgegner ist – niemals ein Dokument unterschreiben, das sie nicht lesen können. Tipp: Immer einen Europäischen Unfallbericht im Handschuhfach haben. Der hilft wie ein Leitfaden. Damit werden die wichtigsten Daten wie Kennzeichen, persönliche Daten der Unfallbeteiligten, sowie eine Darstellung und Skizze des Unfallhergangs nicht vergessen.          

Sicherheit beginnt zu Hause

Wichtig ist es, gut vorbereitet zu starten. Daher sollten Dokumente
wie Pass und Führerschein fotokopiert und zu Hause sicher verwahrt werden.
Ein Daheimgebliebener oder Nachbar sollte Zugriff auf diese wichtigen Daten haben, damit man im Ernstfall von zu Hause schnelle Hilfe bekommen kann.
Außerdem sollten die Notrufnummer des ACE und des Versicherers während des Urlaubs griffbereit sein. Auch ein Check des Versicherungsschutzes ist empfehlenswert. Die Autoversicherung gilt europaweit. Das dokumentiert die grüne Karte, die es bei jedem Versicherer kostenlos gibt. Notwendig ist die grüne Karte übrigens nicht mehr, da das amtliche Kennzeichen als ausreichender Versicherungsnachweis gilt. Das Dokument bleibt aber hilfreich. Wer mit dem Pkw ins außereuropäische Ausland reist, muss seinen Schutz erweitern. Vor dem Urlaubsstart sollte man prüfen, ob der Herd abgestellt, die Heizung runtergefahren und alle Fenster geschlossen sind. Andernfalls gibt es bei Brand oder im Einbruchsfall Ärger mit der Hausratversicherung.


Inlandunfall mit ausländischem Fahrzeug

Für Unfälle mit ausländischen Fahrzeugen in Deutschland ist das Deutsche
Büro Grüne Karte (DBGK) zuständig. Unfallopfer könnten den Schadenfall
beim DBGK anmelden und ihre Schadenersatzansprüche geltend machen.
Das DBGK überträgt die Schadenabwicklung einem Regulierer, also entweder einem deutschen Versicherer oder einem hier ansässigen Dienstleister.
Kontakt: Tel. 030 20 20 57 57.

ACE-Tipp

Sorgenfrei in den Urlaub – Für ACE-Mitglieder ist europaweiter Schutz inklusive. Egal ob Unfall oder Panne, der ACE-Euro-Notruf (0049 711 5 30 34 35 36) hilft und sorgt für Bergung des Fahrzeuges, Weiterreise oder direkten telefonischen Kontakt zu einem Vertrauensanwalt. Doppelte Sicherheit: Speichern Sie die Nummer – wie oben angegeben inklusive Deutschlandvorwahl – in allen Handys der Familie und tragen Sie die ACE-Clubkarte immer bei sich.

Club-Mitglieder genießen für die schönste Zeit des Jahres Vorteile: Fünf Prozent Rabatt gibt es für Mietwagen und drei Prozent Clubbonus für Pauschalreisen, Fluss- und Hochseereisen sowie Ferienwohnungen und -häuser. Buchen kann man online über www.ace-reisen.de oder man lässt sich persönlich kompetent beraten (Tel. 0711 5 30 36 78).

Die ACE-Reiserücktrittsversicherung bietet weltweiten Schutz – egal wohin Sie reisen. Club-Mitglieder erhalten Sonderkonditionen. Die Police kann noch in jedem Alter abgeschlossen werden. Es gibt kein Aufnahmehöchstalter. Zudem gilt der Schutz auch, wenn die Reise ohne Reisebüro – etwa online – gebucht wurde. Wer mehrfach im Jahr verreist, sollte eine Ganzjahrespolice wählen.

Kommentare
 
 
30.06.2013

Ich habe gute Hinweise gefunden, ich kann mich somit noch beser vorbereiten, danke

Heinrich Fritzsche
19.06.2013

Den europäischen Unfallbericht gibt es zum Download beim ACE: https://www.ace-online.de/leistungen-...

Redaktion ACE LENKRAD
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19.06.2013

Hallo, der Kommentar von Herrn Fertig-Bonacker trifft genau zu auf obigen Artikel. Warum werden s...

Gisela Kühne
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18.06.2013

Es wäre gut, wenn auch eine Telefonnummer des Zentralruf der Autoversicherer im Artikel genannt wäre...

René Fertig-Bonacker
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