Produkttest: Reifentest 205/55 R 16

Sommerreifentest 2015

Frühsommerliche 20 Grad bei bedecktem Himmel sind ideale Bedingungen um die aktuelle Sommerkollektion auf Herz und Nieren zu prüfen

Sommerreifentest 2015

Die Bewässerung des Handlingparcours übernimmt eine im Fahrbahnrand integrierte Anlage. Das Wasser wird selbstverständlich recycelt

Sommerreifentest 2015

Das Wasser im Aquaplaningbecken steht genau sieben Millimeter tief, was ziemlich genau der Profiltiefe eines neuen Sommerreifens entspricht

Sommerreifentest 2015

Das Trockenhandling bildet den Abschluss der Fahrversuche. Die Reifen werden dabei so stark strapaziert, das eine weitere Messung mit diesem Satz nicht mehr möglich ist

Sommerreifentest 2015

Nachdem alle Daten der Reifen festgehalten und die Ergebnisse der Messungen zusammengetragen sind, geht es an die Auswertung

Sommerreifentest 2015

Am Ende stehen die Sieger 2015 fest: Goodyear Efficient Grip Performance, Continental PremiumContact5, Dunlop Sport BluResponse und Pirelli Cinturato P7 blue schneiden mit "sehr empfehlenswert" ab

Viermal "sehr empfehlenswert" – dazu siebenmal "empfehlenswert", so lautete das Ergebnis des letztjährigen Sommerreifentests. Das war für die Tester des ACE und ihre Partner von der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) und dem österreichischen Partnerklub ARBÖ doch ein wenig überraschend. Allerdings handelte es sich bei dem Testfeld auch durchweg um bekannte Markenreifen in der anspruchsvollen Dimension 225/45 R 17. Diese Premiumpneus sind nicht gerade günstig, doch bei sportlich angehauchten Fahrzeugen wären Billigreifen völlig fehl am Platz. Demzufolge wird hier auch von Hersteller- und Kundenseite weniger gegeizt.

Das sollte im Namen der Sicherheit auch für die "Brot und Butter"-Größe 205/55 R 16 gelten, die bei den meisten Autos der Kompaktklasse Verwendung findet. Doch hier ist der Konkurrenzkampf spürbar härter, die Gewinnmargen kleiner. Vieles geht bei der Kaufentscheidung über den Preis, wird hier vielleicht vonseiten der Hersteller im Interesse eines günstigen Angebots gespart?

Die Antwort lautet nein, auch wenn sich das diesjährige Testfeld weniger homogen präsentiert. Die Reifen der großen Marken zeigen nach Auswertung aller Messergebnisse, dass sie jeden Cent wert sind. Allen voran Continental, Dunlop, Goodyear und Pirelli, die in den technischen Eigenschaften den Sieg unter sich ausmachen. 

Nahezu alle Hersteller im Testfeld sind auch als Erstausrüster bei verschiedenen Automarken tätig – wissen also sehr genau um die heutigen, stark gestiegenen Ansprüche.

Manche Firmen bedienen jedoch nur das Ersatzgeschäft. Wie die Marke Cooper. Diese stellt sich im Test mit dem ZEON CS6 mutig den "Platzhirschen". Die US-amerikanische Marke war lange Zeit und besonders in ihrem Heimatland eher für 4X4-Reifen bekannt, versucht nun aber mit einem umfangreichen Angebot auch auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Dazu müsste aber zunächst die Nasshaftung deutlich verbessert werden. In diesem Testfeld bekommt der CS6 technisch gesehen vorerst die rote Laterne umgehängt.

Nässe mag auch der Yokohama BlueEarth AE-50 nicht sonderlich gern, auf trockener Straße ist der japanische Reifen eher in seinem Element. Das nützt jedoch wenig, da die Sicherheitsreserven bei Nässe im ACE-Test höher bewertet werden. Das ohnehin schlechtere Haftungsvermögen auf Nässe darf gegenüber trockener Straße nicht zu weit abfallen. Sonst wird es schwierig für den Autofahrer, bei einsetzendem Regen das Tempo richtig einzuschätzen.

Schwer tut sich in dieser Hinsicht auch der Apollo Alnac 4G. Die Bremswege dürften insgesamt, sowohl auf trockener als auch auf nasser Fahrbahn, kürzer sein. Die Aquaplaningeigenschaften sind dagegen recht gut. Der indische Hersteller, zu dem auch das holländische Traditionsunternehmen Vredestein samt Entwicklungsmannschaft gehört, betreibt beträchtlichen Aufwand. Es ist im Grunde nur eine Frage der Zeit, wann auch diese Reifen zu den Erstausrüstern gehören. Womit wir auch schon in der Kategorie "empfehlenswert" angekommen sind.

Auf ähnlichem, sprich empfehlenswertem Niveau wie die indisch-holländische Entwicklung bewegt sich auch der Nexen N’blue HD Plus. Dieser Reifen kommt ursprünglich aus Südkorea, dort hat der Hersteller einen Marktanteil von 20 Prozent. Seit 2007 wird aber auch in China produziert, ganz neu ist ein Werk in Tschechien. Für die hiesigen Verhältnise müsste lediglich der Nassgriff ein wenig verbessert werden, auch die Lenkpräzison entspricht noch nicht ganz dem Niveau der Top-Marken.

Ebenfalls aus Südkorea stammt die Firma Kumho, die sich inzwischen gut etabliert hat und VW und Mercedes mit Reifen beliefert. Eine starke Leistung des ECSTA HS51 auf nasser Straße, besonders im Aquaplaning, aber etwas schwache Werte bei Trockenheit belegen grundsätzlich das Know-how des Unternehmens. Für einen Rang in der Top-Liga ist diese Auslegung aber zu einseitig.

Das ist auch bei Fulda der Fall. Der EcoControl HP zeigt eine solide Leistung bei Trockenheit, bei leichten Schwächen auf Nässe. Seinen Namen verdankt der Reifen übrigens dem Werk im hessischen Fulda, das inzwischen einer der sechs deutschen Standorte der Goodyear-Dunlop-Gruppe ist. Liegt es vielleicht daran, dass Fulda zwar zu den Erstausrüstern gehört, dies aber nur im Lkw- und Landwirtschaftssektor?

Eher nicht, denn die Technologie für sehr gute Pkw-Reifen ist im Konzern zweifellos vorhanden, wie die anderen beiden Testteilnehmer aus diesem Konzern beweisen: Sowohl der Dunlop Sport BluResponse als auch der Goodyear Efficient Grip Performance zeigen, wie es geht, und gehören zu den "sehr empfehlenswerten" Reifen.

Wobei der Goodyear auf Nässe den etwas stärkeren Eindruck hinterlässt und um einen Punkt den Gesamtsieg kassiert, der Dunlop dafür auf trockener Straße besonders gut haftet. Der Fulda ist dafür spürbar günstiger, was unter Berücksichtigung des Preises noch für einen Platz im Mittelfeld reicht. So können drei Marken aus einem Konzern gut nebeneinander existieren.

Ganz vorne wird es dagegen noch einmal richtig eng. Denn auf Augenhöhe mit dem  Dunlop quetscht sich der extrem ausgewogene Conti PremiumContact 5 mit ebenfalls 152 Punkten noch auf das Treppchen.

Und noch einer ist ganz vorne dabei: Pirelli hat nach ein paar Jahren im Mittelfeld endlich wieder den Anschluss geschafft. Der Pirelli Cinturato P7 blue liegt in der Summe der technischen Eigenschaften im Spitzenfeld und verbucht auf nasser Straße sogar die höchste Punktzahl im gesamten Test. Dabei kommt er doch aus dem sonnigen Italien! Erstaunlich ist auch, dass der Pirelli im Test mit dem geringsten Rollwiderstand glänzt. Genau zwischen diesen beiden Disziplinen lag bisher ein schwer zu überwindender Zielkonflikt. Der Wermutstropfen für die Italiener: Gutes darf ja etwas teurer sein, am Ende kostet der allzu happige Einstandspreis aber den Gesamtsieg.


Info-Grafik: Alle getesteten Reifen im Überblick

 

 

So haben wir getestet
Teststrecke:
Mireval (Frankreich).
Testfahrzeug: Peugeot 308.
Bremswegmessung bei Nässe: Verzögerung aus Fensterbremsung zwischen 80 und 1km/h, hochgerechnet auf Meter bis zum Stillstand.
Bremsweg bei Trockenheit: Verzögerung aus Fensterbremsung zwischen 100 und 1 km/h, hochgerechnet auf Meter bis zum Stillstand.
Aquaplaning längs: 7 Millimeter Wassertiefe, Wert bei mehr als 15 Prozent Schlupf.
Aquaplaning quer: 7 Millimeter Wassertiefe, erreichbare Geschwindigkeit bei maximaler Querbeschleunigung.
Kreisbahn: Durchschnittliche Rundenzeit auf einer bewässerten Kreisbahn mit einem Durchmesser von 90 Metern.
Nasshandlingkurs: Streckenlänge 1690 Meter, objektive Bewertung der Fahrzeit und subjektive Bewertung des Fahrverhaltens.
Trockenhandling: Streckenlänge 1280 Meter, objektive Bewertung der Fahrzeit und subjektive Bewertung des Fahrverhaltens.
Außengeräusch: Vorbeirollgeräusch bei 80 km/h in db(A) nach 2001/43/EC.
Rollwiderstand: Maschinenversuch bei einer Last von 5886 Newton, Luftdruck 2,1 bar.
Preisermittlung: Durchschnittliche Verkaufspreise, ermittelt vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) e.V., Stand Januar 2015.

Kommentare
 
 
18.02.2015

Ihre Testkriterien interessieren mich nur am Rande. Für mich ist der AbrollKOMFORT das wichtigste! I...

Johann Martens
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17.02.2015

Eine Aussage zur km-Laufleistung kann doch nicht aussagekräftig sein. Mehr als 60 Tausend km Lauflei...

Volker Sachse
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17.02.2015

Den Reifentest vom ACE sehe ich als Leitfaden und als Info über die verschiedenen Hersteller, also v...

M. Schmitz
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17.02.2015

Wenn schon n icht alle, dann bitte ganz lassen,was sollen wir mit einem unvollständigen test. Oder ...

stöckemann
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17.02.2015

Aufgrund der Vielzahl der angebotenen Reifenmarken und -typen können wir nicht alle Produkte testen,...

ACE LENKRAD Redaktion
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16.02.2015

Der Pirelli ist einfach viel zu teuer - man sieht klar, daß die Italiener Probleme haben, im Euro we...

bach
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14.02.2015

Was mir am Reifentest fehlt, ist eine Aussage über die Haltbarkeit, bzw. die mögliche Laufleistung e...

Oli G.
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14.02.2015

Ich will ab jetzt nur noch Ganzjahresreifen nutzen. Gibt es darüber keinen Test? Gerd Olthoff Floc...

Gerd Olthoff
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13.02.2015

Zum Kommentar von Herrn Schall (Micky Maus) Reifen, ich weiß nicht was das soll, denn seine 18"...

Manfred Schmitz
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13.02.2015

Warum werden immer nur diese "Micky Maus" - Reifen getestet? Ein Golf hat schon größere R...

Gerhard Schall
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13.02.2015

Guten Tag, das mit den fehlenden Michelin Reifen wäre auch meine Frage.   Gruß D.Störmer

Dirk Störmer
13.02.2015

Sehr geehrte Damen und Herren, im Winter- und Sommerreifentest ist die Firma Michelin nicht vertret...

Bernhard Roth
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