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Experten warnen: Motorrad fahren immer riskanter

09.07.2012 15:35
© ACE Auto Club Europa: Wer sicher auf dem Motorrad fahren will, muss seine Maschine gut beherrschen.

DVR fordert Unterfahrschutz in Kurven und Trainings im Realverkehr

Stuttgart (ACE) 10. Juli 2012 – Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und der ACE Auto Club Europa zeigen sich in Anbetracht des rasanten Anstiegs folgenschwerer Motorradunfälle alarmiert: Im Jahr 2011 verloren 708 Motorradfahrer ihr Leben im Straßenverkehr, das sind im Vergleich zum Vorjahr (635) 11,5 Prozent Getötete mehr. Den mit nahezu 50 Prozent stärksten Anstieg bei den tödlich verletzten Motorradbenutzern hat es bei den 25- bis 34-Jährigen gegeben, zitierte der ACE Angaben der jüngsten amtlichen Verkehrsunfallstatistik.

Der DVR fordert, solche Unfälle künftig besser zu verhüten und Unfallfolgen deutlich zu begrenzen. „Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Motorrad zu verunglücken, ist europaweit 18-mal höher als mit einem Pkw“, stellte DVR-Präsident Walter Eichendorf in einem Gastbeitrag für die Clubzeitschrift ACE LENKRAD (7/2012) fest. Eichendorf zeigte sich davon überzeugt, dass bereits mit geringem Aufwand viel bewirkt werden könne, um die Straßen für Motorradfahrer sicherer zu machen. Als ein Beispiel dafür nannte der DVR-Präsident die Möglichkeit, im Bereich prekärer Streckenabschnitte die herkömmlichen Schutzplanken mit einem Unterfahrschutz zu versehen. Diese einmalige Investition etwa in einer Kurve kostet laut Eichendorf etwa 5000 Euro und würde einen deutlichen Sicherheitsgewinn mit sich bringen.

Der DVR verfolgt nach Angaben seines Präsidenten ein neues ergänzendes Konzept für Motorrad-Sicherheitstrainings. Diese finden nicht mehr nur auf abgesperrtem Gelände, sondern auch im Realverkehr statt.

Eichendorf rief Motorradfahrer auf, sie sollten die Angebote für solche qualifizierten Sicherheitstrainings (Video) aufgreifen, „damit in Zukunft auch für die Gruppe der Biker die Vision Zero gilt: Keiner kommt um, alle kommen an“. Der ACE gehört nach eigenen Angaben zu den führenden Umsetzern der DVR-Programme für mehr Motorradsicherheit.

Die meisten folgenschweren Motorradunfälle passieren nach Angaben des Clubs in der Freizeit, auf Landstraßen, bei gutem Wetter, auf trockener Fahrbahn, bei hoher Geschwindigkeit und ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Von jeweils 100°000 Motorradnutzern kamen 2010 statistisch gesehen 16,9 bei Verkehrsunfällen ums Leben, 2011 waren es 18,5.

Der ACE verwies außerdem auf eine von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erst kürzlich veröffentlichten Prognose, wonach die Zahl aller getöteten Menschen im Straßenverkehr bis 2020 auf etwa die Hälfte sinken wird: von rund 5100 (2006) auf etwa 2500 (2020). Den mit 34 Prozent geringsten Rückgang aber weisen der BASt-Prognose zufolge die Nutzer von motorisierten Zweirädern auf. Damit wächst deren Bedeutung bei der Zahl der schwer Verunglückten auf einen Anteil von 19 Prozent im Jahr 2020.


Eichendorfs Gastbeitrag im vollen Wortlaut

 

 

Der ACE Auto Club Europa ist Mitglied im Verbund Europäischer Automobilclubs (EAC), www.eac-web.eu

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Kommentare
 
 
10.07.2012

immer wieder die Geschwindigkeit als allererster Punkt in der Unfallstatistik; da gibt es doch nur eines: Hersteller müssen endlich gesetzlich verpflichtet werden, alle Bikes auf max. 120 km/h zu drosseln!

Sachse
10.07.2012

Die Aussage das Motorradfahrer 18 mal häufiger Verunglücken als PKW Fahrer ist schlichtweg falsch!

Richtig ist dagegen ist, dass die Wahrscheinlichkeit schwer verletzt oder getötet zu werden bei einem Unfall mit Motorrad 15-18 mal höher ist, als mit einem PKW.

Richtig ist dagegen auch, dass sich alle Aktivitäten für mehr Sicherheit auf den Straßen auf die Gruppe von Verkehrteilnehmern konzentriert haben, bei denen ist mit Abstand die meisten Toten gibt. Das sind die PKW Fahrer. Die meisten dieser Aktivitäten erfolgten ohne Berücksichtigung (z.B. E-Call) oder gar zum Nachteil von Motorradfahrern (Gestaltung von Straßen).

 

Eine der mit Abstand häufigsten Ursachen für schwere oder tötliche Unfälle sind unaufmerksame Autofahrer die beim Abbiegen Motorradfahrer übersehen!

Olaf
10.07.2012

Wenn ich mich richtig erinnere, werden Motorradunfälle nicht nach verschiedenen Kriterien unterteilt. Es wird nicht unterschieden, ob mit oder ohne PKW-Beteiligung, ob gar der PKW-Fahrer einen Unfall verschuldet hat. Ich selbst fahre beides, meine Jahresfahrleistungen betragen mit dem Auto ca. 40000km und mit dem Motorrad ca 15000km.

Bis jetzt kann ich sagen, daß beide Verkehrsteilnehmergruppen fähig sind, andere Motorradfahrer zu nötigen, gefährden oder gar zu verletzen.

Vielleicht ist nur etwas mehr Rücksicht notwendig.

Gibt es eine Statistik, welche die Unfälle nach Geschwindigkeit klassifiziert?

"Der DVR-Präsident ..... prekärer Streckenabschnitte.... Schutzplanken mit.... Unterfahrschutz zu versehen." So ein Quatsch - ein Biker kann unter normalen Schutzplanken unten durch rutschen - mit einem Unterfahrschutz knallt er gegen eine unnachgiebige "Mauer". UND DAS SOLL LEBEN RETTEN. Lieber DVR-Präsident - lernen Sie Motorradfahren, dann sehen Sie die Welt mit anderen Augen!

Warum werden immer noch Kreisverkehre installiert, obwohl nachgewiesen wurde, daß die Verkehrssicherheit nicht gesteigert werden konnte? Damit die Zweiradindustrie Reparaturaufträge erhält von Bikern, die auf Benzin- und Dieselflecken gestützt sind?

...

Sind Sie an einer sachlichen Unfallberichterstattung interessiert, dann besuchen Sie diese Seite

www.zweirad-online.de/unfallakte/

 

Gruß Peter

Peter
19.07.2012

Die Anbringung eines Unterfahrschutzes an Leitplanken sollte schon längst ein selbstverständlicher Standard sein, der den Kommunen und Landkreisen zwingend als Pflicht auferlegt hätte werden müssen. Bei einem Preis von ca. 30 Euro pro lfd. Meter, so auch auf der Internetseite des Deutschen Verkehrssicherheitsrates zu lesen (siehe Link unten), sind diese Mehrkosten durchaus tragbar. Der Unterfahrschutz wurde in Studien und Versuchen längst schon auf seine erfolgreiche Wirkungsweise erprobt. Dies ist in Fachkreisen lange schon bekannt. Warum all die Jahre nur geredet und nicht schon längst gehandelt wird erschließt sich mir als leidenschaftlicher Motorradfahrer leider nicht. Ich, wie auch viele andere Motorradfahrer/-innen würde mir wünschen, dass der ACE und auch der andere in Deutschland namhafte Automobilclub zum Thema Unterfahrschutz die zuständigen Behören mehr unter Druck setzen würde. Über dieses Thema wird leider viel zu viel geredet, anstatt aktiv zu handeln. Ein positives Beispiel hierzu ist die Initiative MehrSi (www.MehrSi.org)!

 

Lieber Sachse,

ich bin ganz Ihrer Meinung. 120 Km/h für alle Zweiradfahrer und 350 Km/h für alle PKW's! Ich kann es irgendwie nicht so richtig einschätzen, ob Ihr Beitrag nur eine Ironie ist.

 

Lieber Peter,

vielleicht sollten Sie sich bezüglich Ihrer Aussage etwas besser informieren. Hier ein kleiner Tipp zum recherchieren:

www.dvr.de/presse/infodienst/921_40.htm

www.mehrsi.org

 

Beste Grüße

Alex
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