Gabriel warnt Autohersteller vor Abenteuer

12.06.2009 00:00
Sigmar Gabriel
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD)

Das ACE-Interview mit Sigmar Gabriel 

ACE-Online: Ab dem Jahr 2011 sollen konventionelle Klimaanlagen mit dem Kältemittel R134a in der EU bei neuen Fahrzeugtypen verboten sein. Wird es bei diesem Zeitplan bleiben?

Gabriel: Ich unterstütze die Haltung der Europäischen Kommission, die eine Veränderung des Zeitplans ablehnt und jüngst nochmals eine rechtliche Klarstellung der Pflichten der Autoindustrie veröffentlicht hat.

ACE-Online: Wie stehen Sie dazu, dass statt neuer und bereits zur Verfügung stehender Technologien als Ersatzmittel das brennbare und toxische Kältemittel 1234yf eingesetzt werden soll?

Gabriel: 1234yf ist ein völlig neuer Stoff, der noch nicht umfassend nach der europäischen Chemikalienverordnung (REACh) geprüft ist. Deswegen favorisiert das BMU nach wie vor den Ersatz von R134a durch CO2 (R744). Im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durchgeführte Messungen haben gezeigt, dass CO2 zu einer weit besseren Energieeffizienz führt.

ACE-Online: Als Umwelt schonende Alternative bieten sich Klimaanlagen an, die auf CO2-Basis (R744) arbeiten und deren Entwicklung vom Umweltbundesamt forciert wurde. Werden Sie darauf bestehen, dass der Verband der Automobilindustrie (VDA) sein 2007 gegebenes Versprechen einlöst, "das besonders umweltfreundliche natürliche Kältemittel R744 zukünftig in Fahrzeugklimaanlagen einzusetzen"?

Gabriel: Der VDA muss selber wissen, was er für seine Glaubwürdigkeit tut oder lässt. Fakt ist: Mit CO2 steht eine umweltfreundliche Alternative zu R134a zur Verfügung, und sie ist in der Praxis erprobt. Wenn die deutsche Autoindustrie auf ein ganz anderes Kältemittel setzt, das von den zuständigen Instanzen noch gar nicht auf seine ökologischen und gesundheitlichen Risiken geprüft ist, dann lässt sie sich auf ein hohes wirtschaftliches und technisches Abenteuer ein. Dafür kann sie jedenfalls nicht erwarten, dass die EU ihren Zeitplan ändert. Ab 2011 beginnt das schrittweise Verbot von R134a.

ACE-Online: Europaweit gibt es kontroverse Meinungen darüber, ob von den 2011 in Kraft tretenden Bestimmungen nur neu entwickelte Fahrzeugtypen erfasst werden oder auch Modelle, die im Rahmen der Modellpflege verändert werden. Das könnte als Schlupfloch missbraucht werden, wird befürchtet. Wie ist Ihre Position dazu?

Gabriel: Diese Debatte ist sehr befremdlich. Die EG-Richtlinie verbietet ab dem 01. Januar 2011 das bisherige Kältemittel R 134a bei allen neuen Fahrzeugtypen und ab dem 01. Januar 2017 bei allen neuen Fahrzeugen. Und ich erwarte von der Autoindustrie, dass sie die Frage, was ein neuer Typ ist und was nicht, nicht plötzlich zu Lasten unserer Umwelt auslegt, sondern so wie bisher. Aber für Typzulassungsfragen ist mein Haus nicht zuständig.

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