Meinung: Eigen-Zertifizierung ersetzt keine unabhängigen Tests

Die steigende Zahl der Anrufe beim ACE Info-Service, bei denen sich Mitglieder nach dem nächsten Reifentest erkundigen, ist nur ein Indiz dafür: Langsam aber sicher hat sich die Erkenntnis, dass Reifen keine geringe, sondern eine sehr maßgebliche Bedeutung für die Sicherheit und die Umweltverträglichkeit von Autos haben, durchgesetzt.

Die bei unserem aktuellen Test von zwölf Sommerpneus (Auf Profilsuche) ermittelten Messwerte haben dies eindrucksvoll belegt: Die Verbrauchsdifferenz zwischen dem Reifen mit dem niedrigsten und dem höchsten Rollwiderstand lag bei sechs Prozent, in der Praxis sind dies bei einem Benziner mit 8,0 l/100 km rund 0,5 l/100 km oder zwölf Gramm CO2 pro Kilometer. Und beim Nassbremsen aus 80 km/h betrug an der "Stoppstelle" des Testsiegers die Restgeschwindigkeit des schlechtesten Reifens in dieser Disziplin noch 50 km/h!

Auch die Europäischen Union möchte dazu beitragen, das "Reifenbewusstsein" der Autofahrer zu schärfen: Ab 2012 ist ein Label vorgeschrieben, auf dem wichtige Reifeneigenschaften gekennzeichnet werden müssen – ähnlich wie man dies von Kühlschränken und Waschmaschinen kennt. Premiere feiert das EU-Siegel beim ACE-Reifentest: Wir haben die zwölf Pneus "gelabelt" und präsentieren erstmals die offiziellen Bewertungen. Der Vergleich mit unseren Testergebnissen wirft Fragen auf: Die Hersteller zertifizieren ihre Reifen für das EU-Label selbst, berücksichtigt werden nur Rollwiderstand, Nässehaftung und Abrollgeräusch. Nutzen die Reifenentwickler dies als Freibrief, wichtige Reifen-Eigenschaften wie das Aquaplaning-Verhalten künftig zu vernachlässigen? Vor diesem Hintergrund sind ausführliche und unabhängige Reifentests künftig besonders wichtig! 

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