Fahrbericht: Honda Civic 1.4 GT

Schicker Sprit-Sparer

01.03.2010 12:00

2009 bekam der Civic eine Modellpflege spendiert, das neue Sondermodell GT sieht sogar noch einen Zacken besser aus. Doch der sportliche Look und die Spritspar-Philosophie passen nicht recht zusammen.


Honda Civic 1.4 GT

Mit seinem futuristischen Design ist der Honda Civic manch biederem Zeitgenossen meilenweit voraus

Honda Civic 1.4 GT

Das Sondermodell GT zeichnet sich unter anderem durch den Frontgrill im Wabendesign aus

Honda Civic 1.4 GT

Der Vierzylinder 1.4 i-VTEC, bekannt aus dem Jazz, verfügt über eine intelligente Ventilsteuerung

Honda Civic 1.4 GT

Das Cockpit ist schön gestaltet, der Blick muss aber zwischen vielen Displays hin- und herspringen

Honda Civic 1.4 GT

Exklusiv für den GT: Die Sitzbezüge in Stoff-Leder-Kombination

Honda Civic 1.4 GT

Im Fond ist ausreichend Platz vorhanden. Nur am Kopf wird es durch die niedrige Dachlinie eng

Honda Civic 1.4 GT

Das Kofferraumvolumen ist mit 456 Litern üppig. Klasse: Das Sitzkonzept mit hochklappbarer Sitzfläche.

Honda Civic 1.4 GT

Die Optik überzeugt auch von hinten. Die Übersicht leidet aber unter dem Spoiler im Heckfenster

Die achte Civic-Generation fiel schon bei ihrer Markteinführung 2006 durch außergewöhnliches Design auf. Im vergangenen Jahr wurde der Kompakte dann nochmals aufgehübscht. Neu kamen außerdem  eine Schaltanzeige sowie ein serienmäßiges Reifendruck-Warnsystem hinzu. Seit September bietet der japanische Hersteller nun das 5-türige Sondermodell GT für die Ausstattungsvariante "Sport" an. ACE LENKRAD hat den Honda Civic GT mit spritsparendem 1,4-l-Benziner getestet.


Karosserie und Innenraum
Der Civic war und ist ein absoluter Hingucker. Sportlich-dynamisch wirkt sein Äußeres mit der stromlinienförmig verlaufenen Silhouette, der nach hinten gezogenen Frontlinie und dem aufragenden Heck. Die schlitzartig angeordneten Scheinwerfer und der kleine Heckspoiler tun ein Übriges, um dem Civic ein schnittiges Design zu verpassen. Bei der Modellpflege wurde die durchgehende Scheinwerferfront durch kleine Lufteinlässe unterbrochen, der GT kommt mit Frontgrill im Wabendesign daher. Stoßfänger, Radeinfassungen und Seitenschweller sind hier komplett in Wagenfarbe lackiert. Im GT-Paket sind außerdem abgedunkelte Leichtmetallfelgen sowie Türgriffe und Tankdeckel im Chrom-Design enthalten.

So sehr die Optik auch zusagt: Die Übersicht leidet, wie bei ähnlich flotten Modellen anderer Hersteller, etwas unter den Kunstgriffen der Designer. In engen Kehren ist die A-Säule genau da, wo sie nicht sein sollte: Im Blickfeld des Fahrers und verdeckt so den Gegenverkehr. Die Sicht nach hinten wird durch die breiten C-Säulen und den Spoiler, der die Heckscheibe teilt, erschwert. Der große Wendekreis macht das Rangieren in Parkhäusern ebenfalls etwas mühsam. Immerhin hilft die Einparkhilfe (ab Ausstattungsvariante "Sport" Serie) beim Rückwärtsparken.

Im Innenraum setzt sich das extravagante Design des Hondas fort. Überall finden sich geschwungene Linien und Formen. Die Materialien sind qualitativ hochwertig. Die gemaserte Kunststoffoberfläche sowie die Applikationen in anthrazitfarbener Aluminiumoptik gefallen besonders. Passend zur wohlklingenden Farbpalette (das Sondermodell ist ausschließlich in den Farben Milano Red, Alabaster Silver Metallic, Chrystal Black Pearl oder Deep Sapphire Blue Pearl erhältlich) sind die schicken Sitzbezüge in Stoff-Leder-Kombination, die exklusiv zur Ausstattung des GT gehören.

Das Platzangebot im Civic ist unterschiedlich zu bewerten: Mit der Kopffreiheit ist es, bedingt durch die niedrige Dachlinie, nicht weit her. Aber ansonsten bietet der Kompakte auch im Fond ausreichend Platz. Für größere Ausflüge ist ebenfalls genügend Stauraum vorhanden. Zwei Becherhalter vorn und zwei in der hinteren Armlehne, ein tiefes Handschuhfach, ein Box in der Mittelkonsole, Flaschenhalter in den Türen vorn und hinten – da geht ordentlich was rein.

Richtig klasse ist aber das Sitzkonzept im Fond, das aus dem Jazz übernommen wurde. Die Lehne der Rückbank lässt sich im Verhältnis 60:40 umlegen und in eine ebene Fläche verwandeln. Wahlweise können die Sitzflächen auch nach oben geklappt werden, so dass im Fußraum zusätzlich Gepäck untergebracht werden kann. Üppig ist ebenfalls der Kofferraum, der mit 456 Litern rund 100 Liter mehr fasst, als beispielsweise der VW Golf (350 Liter). Auch ein Unterbodenfach hat der Civic zu bieten, dafür muss man leider auf ein Ersatzrad verzichten.


Sicherheit und Bedienung
Futuristisch mutet das Cockpit des Civic mit seinen vielen verschiedenen Displays an. Auf den ersten Blick ist der Fahrer fast so überfordert, wie wenn er das erste Mal in einer Pilotenkanzel säße. In der Mitte prankt der Drehzahlmesser mit integriertem Bordcomputer, flankiert von Temperatur- und Tankanzeige. Alles in bunt leuchtenden Farben. Rechts in der Mittelkonsole das Display für Klima- und Stereoanlage. Auf einer nach hinten versetzten Ebene, knapp unter der Windschutzscheibe, befindet sich die digitale Geschwindigkeitsanzeige mit Schalthilfe für spritsparendes Fahren – das Wort Übersichtlichkeit scheinen die Entwickler von Vorneherein aus ihrem Wortschatz gestrichen zu haben. Wer auch noch das mobile Navigationsgerät (601 Euro) ordert, der muss schon über ausgeprägte Multitasking-Fähigkeiten verfügen.

Doch auch wenn der Blick immer wieder zwischen den verschiedenen Displays hin- und herspringen muss: Hat man sich erst einmal eingewöhnt, ist die Bedienung eigentlich ganz einfach. Denn Knöpfe finden sich im Gegenzug in den Armaturen erfrischend wenige. Die meisten Funktionen lassen sich über das Multifunktions-Lenkrad (ab "Comfort") steuern.

In punkto Sicherheit ist der Civic gut aufgestellt. Beim EuroNCAP-Crashtest gab es mit fünf Sternen die volle Punktzahl. Schon die Basisversion ist mit insgesamt acht Airbags (Fahrer und Beifahrer, Kopfairbags vorn und hinten sowie Seitenairbags vorn) ausgestattet. Isofix-Halterungen, Dreipunkt-Gurte und Bremsassistent sind ebenfalls vom Start weg an Bord. Seit 2009 ist der Civic zudem serienmäßig mit dem Druckluft-Warnsystem DWS ausgerüstet. Ab der "Comfort"-Variante gibt es vorn aktive Kopfstützen dazu und ab "Sport" sind Nebelscheinwerfer Serie. Damit das gute Stück nicht abhandenkommt bringt der Civic ebenfalls ab der "sport"-Ausstattung eine Alarmanlage mit.


Antrieb und Fahrwerk
Für den GT stehen zwei Benziner mit 1,4 beziehungsweise 1,8 Liter Hubraum zur Auswahl, die dank intelligenter Ventilsteuerung (i-VTEC) besonders spritsparend sein sollen. Den 2,2-l- Diesel gibt es für das Sondermodell des Civic nicht. 

Der getestete 1.4 i-VTEC (100 PS/135 g CO2/km) bietet zwar ausreichend Leistung, besonders sportlich ist er aber nicht unterwegs – besonders wenn man auf die eigentlich sehr nützliche Schalthilfe mit Eco-Anzeige hört. Diese zeigt anhand einer Leuchtdioden-Skala, ob man sich noch im grünen, spritsparenden Bereich befindet. Das ist grundsätzlich eine prima Idee und erzieht zu vernünftiger Fahrweise. Das Problem dabei: Schaltet man, wie empfohlen, schon früh hoch, geht dem Motor schnell die Puste aus und es fehlt ihm an Durchzugskraft. Tut man dies nicht, schnellt der Drehzahlzeiger rapide nach oben, ohne dabei entsprechend Vortrieb zu leisten, wie es von einem Fahrzeug in "Sport"-Ausführung zu erwarten wäre. Auf der Autobahn läuft der Vierzylinder ab Tempo 120 ohnehin selbst im obersten Gang extrem hochtourig und wird dabei auch ein wenig laut. Wer passend zum dynamischen Auftritt des GT etwas mehr Power unterm Hintern will, sollte lieber auf den 140 PS starken 1,8-l-Benziner (6,4 l/100 km) zurückgreifen.

Lenkung und Fahrwerk des Civic sind durchaus sportlich ausgelegt: Der Kompakte liegt hervorragend auf der Straße, die sehr direkte Lenkung folgt aufs Wort und reagiert auf kleinste Steuerbewegungen. Die Federung ist straff, ohne dabei gleich jede Bodenwelle auf den Fahrer zu übertragen.


Umwelt und Kosten
Der 1,4-l-Vierzylinder schluckt laut Hersteller im EG-Mix lediglich 5,9 Liter Super auf 100 Kilometer und stößt somit nur 135 g CO2/km aus. Mit sieben Litern lag unser Testverbrauch etwas darüber. Für einen Benziner ein passabler Wert, aber dafür, dass Honda die i-VTEC-Motoren als besonders spritsparend anpreist, könnte die Ökobilanz besser ausfallen.

Billig ist der Honda Civic GT ebenfalls nicht. Das Sondermodell schlägt mit stolzen 21.690 Euro zu Buche. Zum Vergleich: In der  Basisversion ist der Civic mit dem 1.4 i-VTEC-Motor schon ab 16.790 Euro zu haben. Die "Sport"-Variante, auf der der GT aufbaut, kostet 20.690 Euro und bietet dafür unter anderem eine Einparkhilfe, Nebelscheinwerfer, Klimaanlage, CD-Radio, Regensensor, sowie das praktische Multifunktions-Lenkrad. Ob sich weitere 1000 Euro Aufpreis für die lediglich optischen Gimmicks des GT lohnen, ist Ansichtssache.   


Fazit
Der Honda Civic macht optisch und qualitativ einiges her. Mit futuristischem Design und schickem Interieur ist er äußerlich manch neuerem, biederen Konkurrenten immer noch Meilen voraus – das GT-Paket setzt dem nur noch das Sahnehäubchen auf. Der Spagat zwischen sportlichem Auftritt und spritsparender Technik gelingt allerdings nicht wirklich.

Plus: Extravagantes Design, Innenraum qualitativ hochwertig, cleveres Sitzkonzept, ausgeklügelte Schalthilfe

Minus: durchzugsschwacher Benziner, eingeschränkte Rundumsicht, relativ hoher Aufpreis


Technische Daten

Motor
  Honda Civic 1.4 GT
Hubraum cm³ 1339
Zylinder/Schadstoffklasse   4/Euro 5
Leistung kW (PS) 73 (100)
bei Motordrehzahl min-1 6000
Max. Drehmoment Nm 127
bei Drehzahl min-1 4800
Kohlendioxid-Ausstoß g/km 135
Fahrleistung
  Honda Civic 1.4 GT
Max. Geschwindigkeit km/h 177
0 bis 100 km/h sek 13,0
Karosserie / Innenraum
  Honda Civic 1.4 GT
Karosserie   5-türig
Kofferraumvolumen l 456
Fahrzeuglänge mm 4255
Fahrzeugbreite mm 1765
Fahrzeughöhe mm 1460
Verbrauch
  Honda Civic 1.4 GT
Verbrauch EG-Mix l/100 km 5,9 S
ACE-Testverbrauch l/100 km 7,0 S
Preise und Kosten
  Honda Civic 1.4 GT
Preis ab Werk Euro 21.690

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