Dauertest: Mercedes C-Klasse T-Modell

Multitalent

01.02.2010 12:00

Elegant und sportlich, geräumig und wertstabil: Auf 45.000 Kilometern überzeugte uns ein C-Klasse-Kombi mit vielfältigen Qualitäten. Die ACE LENKRAD-Leser lobten vor allem Komfort, Zuverlässigkeit und Verarbeitung.


Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Über 45.000 Kilometer haben wir mit dem eleganten Mittelklasse-Kombi zurückgelegt

Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Dank seines Langstrecken-Komforts war der Mercedes-Kombi ein beliebter Reisebegleiter

Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Lob für die Übersichtlichkeit, Tadel von den Lenkrad-Lesern für die Anmutung des Cockpits

Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Das Multimedia-System Comand APS bietet klare Grafiken und eine erstklassige Navigation

Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Die weißen Ledersitze unseres Dauertestwagens ließen sich problemlos reinigen

Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Sinnvolles Extra: Ein Fixkit (Aufpreis 250 Euro) erleichtert das Sichern des Ladeguts

Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Der 485 Liter große Kofferraum lässt sich durch Umlegen der Fondbanklehnen vergrößern

Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Auf den Handlingkurs überzeugt der Kombi mit Handlichkeit und hohen Sicherheitsreserven

Dauertest Mercedes C 200 K T-Modell

Die Semperoper in Dresden war ein markanter Wegpunkt während des einjährigen Dauertests

Für die meisten Pkw-Hersteller von Vo­lumenmodellen wird die Luft in diesem Preissegment bereits recht dünn – für Mercedes als Premiumanbieter ist die Baureihe mit dem Werkscode "W204" je­doch trotz Grundpreisen ab rund 35.000 Euro ein ganz normales Mittelklasse-Modell: ein "Brot-und-Butter-Auto", dessen (Miss-)Er­folg maßgeblichen Einfluss auf Konzern-Ergebnis und Arbeitsplatz-Sicherung hat. Abhängig sind die Verkaufszahlen allerdings vor allem von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung: Mit mehr als 50 Prozent Fir­menkunden ist die C-Klasse hierzulande ei­ner der beliebtesten Dienstwagen. Und genau diese Rolle übernahm ein C 200 T auch bei ACE LENKRAD: In einem Jahre fuhren wir mit einem "Palladiumsilber" lackierten Kombi mit 183 PS starkem 2,0-l-Benzinmotor äußerst entspannte und sehr sichere 45.000 Dauertest-Kilometer.

Vor allem aufgrund seines herausragenden Langstrecken-Komforts war "der Daimler" – wie Mercedes-Modelle im "Ländle" noch immer gerne genannt werden – ein äußerst gefragter (Dienst-)Reise-Begleiter: Lauf­ruhe, Federung und Sitzkomfort sind bes­tens – auch mehrere Stunden Fahrt legt man mühelos und stressfrei zurück. Mit aufblasbaren Wangen und Flächen trugen die vorderen Multikontursitze (Aufpreis 464 Euro) viel zum ermüdungsfreien Fahren bei, darüber hinaus erlaubten sie eine exakte Einstel­lung auf die jeweiligen Statur. Ebenso erfreulich: Die weißen Ledersitze unseres Testwagens, die nach etwa 10.000 Kilome­tern erste Verfärbungen aufwiesen, ließen sich mit einem Reinigungstuch problemlos sauber halten.

Aber nicht nur Dienstreisen mit kleinem Gepäck, auch größere Transport-Aufgaben meisterte der schwäbische Kombi zur vollen Zufriedenheit seiner Fahrgäste: Selbst bei Fahrten mit vier erwachsenen Insassen ging es im Fond nie beengt zu. Dass die Hin­terbänkler im Winter nicht frieren bzw. im Sommer nicht allzu sehr schwitzen, dafür sorgen separate Luftausströmer im Fond. Aller­dings nur in der Mitte – zusätzliche Aus­strömer in den Holmen der B-Säule wür­den den Klimakomfort der Fondpassa­giere weiter verbessern.

Ob Anhängelast (bis 1800 kg), Dachlast (stattliche 100 kg) oder Stauvolumen – bei allen Transport-Disziplinen muss der C-Klas­se-Kombi den Vergleich mit der Kon­kurrenz keinesfalls zu scheuen. Die relativ steil stehende Heckscheibe schafft Platz: 485 bis 1500 Liter Stauvolumen sind in dieser Kombi-Klasse vorbildlich, beim Umle­gen der Fondlehnen entsteht eine nahezu ebene Ladefläche. Immer wieder praktisch im Alltag: Serienmäßig ist unter dem Kof­ferraum (sauber in Styropor eingepasst) eine Kunststoff-Faltbox deponiert – die ständige Frage "sollen wir zum Einkauf noch ne Kiste mitnehmen" erübrigt sich!

Geradezu beeindruckend ist, wie souverän die C-Klasse auf voller Beladung (je nach Motorvariante 480 bis 540 Kilogramm) reagiert: Überhaupt nicht, der Fahrkomfort bleibt erstklassig. Kein hartes Ansprechen des Feder/Dämpfer-Systems, keine Verän­derung des sicheren Fahrverhaltens in Kurven oder der präzisen Lenkung.

Genau an diesem Punkt spielt der Schwabe die Vorteile seines Antriebskonzepts aus! Ab­gesehen vom C 350 CDI 4MATIC – die All­radtechnik ist nur in Kombination mit diesem leistungsstarken Dieselmotor (231 PS, ab 48.998 Euro) erhältlich – ist die C-Klasse eines der wenigen Heckantriebs-Modelle im Mittelklasse-Segment. Nun mögen mo­derne Fronttriebler inzwischen auch ein ho­hes Maß an Lenkpräzision und -komfort er­reicht haben – trotzdem wurde bei jedem Fahrzeugwechsel während des Dauertests deutlich, dass die Hecktriebler bei dieser Disziplin noch immer die Maßstäbe setzen: Die Lenkung ist völlig frei von Antriebs­ein­flüssen, bei keinem Fahrmanöver zuckt oder rupft es am Lenkrad – eine saubere Kur­venlinie ergibt sich quasi von selbst, Fahr­sicherheit und Fahrkomfort profitieren!

Entscheidenden Einfluss auf den Komfort hat allerdings auch die Wahl des Getriebes – besonders bei Mercedes! Unser 2,0-l-Ben­ziner war mit einer mechanischen Sechs­gang-Handschaltung bestückt, die mit ei­nem unharmonischen Zusammenspiel von hakeliger Schaltung und seltsam packender Kupplung keineswegs überzeugte – die Fünfgang-Automatik, die beim Dauertest-Start im November 2008 für den C 200 Kompressor noch zur Verfügung stand, wäre die bessere Wahl gewesen. Zwischen­zeitlich wurde das Modell- und Motoren­programm jedoch neu aufgestellt und dabei um zahlreiche deutlich sparsamere Varian­ten ergänzt. Der 183 PS starke Benziner unseres "Dauerläufers" steht zwar noch in der Preisliste, er ist jedoch nur noch in Kombination mit der Handschaltung erhältlich, in Euro4 eingestuft und nicht mit dem Sparpaket Blue-Efficiency kombinierbar. Trotzdem sei die Chronistenpflicht eines Dauertest-Berichts erfüllt: Der Vierzylinder erfreute mit sehr leisem, vibrationsarmem Motorlauf und erwies sich bei bewusst wirtschaftlich zurückgelegten Langstrecken als sparsam – Werte um 7,5 l/100 km waren möglich. Im Kurzstreckenbetrieb oder bei schnelleren Autobahnfahrten stieg der Verbrauch jedoch deutlich an – als Test­schnitt errechneten sich keineswegs zeitgemäße 9,9 l/100 km.

Deutlich sparsamer sind die Diesel, vor allem das 136 PS starke Basismodell C 200 CDI (Limousine ab 33.706 Euro, Kombi ab 35.551 Euro) sowie der meistverkaufte Mo­tor der Baureihe, der 170 PS starke, laufruhige und durchzugskräftige C 220 CDI. Bei den Benzinern versprechen die CGI-Mo­toren (das Kürzel steht für Stratified Charged Gasoline Injection, zu Deutsch Benzin-Direkteinspritzung) deutlich geringere Verbrauchswerte. Hinzu kommt: In­zwischen sind fast alle Motorvarianten der C-Klasse mit dem Blue-Efficiency-Paket erhältlich – und damit motortechnisch sowie aerodynamisch (cw-Wert beim T-Modell 0,28 statt 0,31) optimiert.

Bei der Ausstattung wird die C-Klasse dem Premiumanspruch des Hauses gerecht: Vom Metallic-Lack (892 Euro) und (bei den kleinen Dieselmotoren) der Automatik (2225 Euro) einmal abgesehen, ist alles, was sinnvoll und wichtig ist, serienmäßig an Bord. Freilich lockt die Aufpreisliste nicht nur mit Assistenzsystemen, die die Sicherheit er­höhen, sondern auf mit zahlreichen Kom­fortfeatures, die das Fahren in einem solch noblen Auto erst richtig angenehm machen: plus 10.000 Euro allein für Extras sind bei der (Wunsch-)Zusammenstellungen einer C-Klasse schnell beisammen. Damit ist dann die 40.000-Euro-Grenze selbst bei den Basismotoren locker überschritten – und spä­testens bei diesem Aspekt muss das In­terieur erwähnt werden: Etwas weniger Kunststoff, etwas mehr Aufwand für eine hochwertigere Optik wäre in diesem Preis­segment wünschenswert. Immerhin: Die Rundinstrumente sind bestens ablesbar, die Bedienung erschließt sich weitgehend von selbst – wenngleich etwas Verständnis für die Menüführung eines modernen Multi-me­dia-Bordcomputers die Bedienung des (durchaus empfehlenswerten) Comand APS-Systems mit 7-Zoll-Farbdisplay sicherlich entscheidend erleichtert.

Fazit
Elegant und geräumig, komfortabel und sportlich – dass die C-Klasse ein Multi­talent ist, hat sie bei unserem Dauertest ebenso eindrucksvoll unter Beweis gestellt wie ihre Zuverlässigkeit. Die Mercedes-ty­pi­sche Wertstabilität rundet das Gesamtbild positiv ab. Ein teures, aber auch ein tolles Auto – zu dieser Einschätzung kamen auch die ACE-Mitglieder, die sich an unserer Leserbefragung (Die Mercedes C-Klasse im Leserurteil) beteiligt haben.

 

Die Mercedes C-Klasse im Leserurteil

In fast 90 Pro­zent der Leser-Zuschriften erntete die C-Klasse viel, zum Teil überschwängliches Lob. mehr lesen

 

Das sagt Mercedes zu ...

... zum hohen Verbrauch und den weiteren Kritikpunkten der ACE-LENKRAD-Leser an der C-Klasse. mehr lesen


Technische Daten

Motor
  Mercedes C 200 K T-Modell
Hubraum cm³ 1796
Zylinder/Schadstoffklasse   4/Euro 4
Leistung kW (PS) 135 (183)
bei Motordrehzahl min-1 5500
Max. Drehmoment Nm 250
bei Drehzahl min-1 2800-5000
Kohlendioxid-Ausstoß g/km 184
Fahrleistung
  Mercedes C 200 K T-Modell
Max. Geschwindigkeit km/h 228
0 bis 100 km/h sek 8,8
Karosserie / Innenraum
  Mercedes C 200 K T-Modell
Karosserie   5-türig
Kofferraumvolumen l 485-1500
Reifendimension   205/55 R 16
Fahrzeuglänge mm 4596
Fahrzeugbreite mm 1770
Fahrzeughöhe mm 1459
Radstand mm 2760
Spurweite vorne mm 1541
Spurweite hinten mm 1544
Leergewicht kg 1540
Zuladung kg 1544
Anhängerlast ung. kg 750
Anhängerlast gebr. kg 1800
Dachlast kg 100
Verbrauch
  Mercedes C 200 K T-Modell
Verbrauch EG-Mix l/100 km 7,8 S
Tankinhalt l 66
Reichweite km 846
ACE-Testverbr. Minimal l/100 km 7,1 S
ACE-Testverbr. Maximal l/100 km 12,2 S
ACE-Testverbr. Schnitt l/100 km 9,9 S
ACE-Verbr. Referenzstrecke l/100 km 8,2 S
Preise und Kosten
  Mercedes C 200 K T-Modell
Kfz-Steuer Euro/Jahr 164
Vers.-Klasse KH   18
Vers.-Klasse TK   21
Vers.-Klasse VK   19
Haftpflichtvers. Euro/Jahr 1279
Vollkaskovers. Euro/Jahr 1147
Variable Kosten* Cent/km 27,7
Feste Kosten** Euro/Jahr 10.277
Feste Kosten** Cent/km 68,5
Gesamtkosten Euro/Jahr 14.430
Gesamtkosten*** Cent/km 96,2
Basispreis Euro 35.670
Testwagenpreis Euro 52.431
Schätzpreis nach 50.000 km Euro 28.500
Kosten bei 15.000 km/Jahr, 60 Monate Nutzungsdauer, berechnet von DEKRA.
* für Kraftstoff, Reifen, Reperatur, Wartung und Pflege.
** für Verzinsung, Werteverlust, Kfz-Steuer, Versicherung und Unterstellungskosten.
*** Variable plus feste Kosten.

Schätzpreis: Der Schätzpreis bezieht sich auf den von uns gefahrenen Testwagen (Laufzeit 14 Monate, Laufleistung 44.624 Kilometer).

 

Vergleichstest: Mercedes C 200 vs. BMW 318d vs. Audi A4. mehr lesen



Kommentare
 
 
18.02.2010

Im Heft 2/2010, S.9, weisen Sie auf einen ausführlichen C-Klasse-Vergleich mit Audi A4 u. BMW 3er auf Ihrer Webseite hin. Ich kann ihn nicht finden, lande immer wieder beim C-Klasse-Test !?

Ihr Fahraddachhalter-Test ist gut, ich habe ihn mit großem Interesse gelesen. Aber einige weitere Hinweise für uns Otto-Normalverbraucher hätten noch kommen müssen:

-max. Höchstgeschwindigkeit, Spritverbrauch

-bei Regenfahrt können wichtige Fahrradlager Wasser aufnehmen

-nach einigen Kilometern mit den Fahrrädern auf dem Dach besteht immer die Gefahr, daß man nicht mehr an die hohe Last auf dem Fahrzeugdach denkt, so z. B. beobachteten Tochter und Schwiegersohn einen Audi A6, der in eine Tiefgarage fuhr...mit schlimmsten Folgen für Fahrräder, Träger, Autodach und Heckscheibe, so z. B.fuhren Freunde am Urlaubsziel zuerst zur bekannten Gaststätte und ignorierten die Höhenbegrenzung zum Parkplatz, Schaden s.o.

Wer kann, sollte deshalb Fahrräder im Fahrzeug unterbringen. Das ist mit etwas Aufwand durchaus möglich. Wir praktizieren dies seit vielen Jahren, zuerst im Opel Vectra (5tür.), dann im Passat Variant u. nun in der C-Klasse(W203)T .

Manfred Gnoth
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