Fahrbericht: Dacia Duster dCi

Klasse für sich

01.10.2010 08:20

Auch wenn sie oft als Spritfresser beschimpft werden – das Segment der SUV boomt. Dacia hat eine Billigvariante im Angebot, die den gut doppelt so teuren Kuga, Tiguan, Koleos und Co Konkurrenz machen soll.


Dacia Duster

Der Dacia Duster zeigt Ecken und Kanten

Dacia Duster

Der Innenraum und das Cockpit sind puristisch gehalten

Dacia Duster

Die Sitze sind jedoch etwas zu weich. Er bietet aber ein großes Platzangebot

Dacia Duster

Top: das große Kofferraumvolumen

Dacia Duster

Als vor fünf Jahren das erste Dacia-Modell, der sehr bieder designte Logan, auf den Markt kam, haben wohl nur ausgewiesene Optimisten an einen Erfolg geglaubt. Denn konzipiert war das Fahrzeug eigentlich für die Schwellenländer. Doch heute sind die Dacias nicht mehr aus dem Straßenbild wegzudenken, ihre Fangemeinde wächst täglich. Seit Frühjahr 2010 also auch ein SUV – eine Fahrzeuggattung, über die sich trefflich streiten lässt. Für die einen sind es aussterbende Dinosaurier, die viel zu viel Sprit verbrauchen und einfach nicht mehr in die heutige Zeit passen. Für die anderen sind es Fahrzeuge, wie sie in einer alternden Gesellschaft benötigt werden. Senioren schätzen den bequemen hohen Einstieg und die erhöhte Sitzposition mit der guten Rundumsicht. Auf der einen Seite konkurriert der Dacia Duster mit städtetauglichen Geländewagen vom Schlage eines Ford Kuga, VW Tiguan, Hyundai ix 35 oder auch Renault Koleos. Andererseits verbietet sich ein solcher Vergleich, da der Duster deutlich reduzierter daherkommt und maximal die Hälfte kostet. Doch wie gut ist der Dacia Duster im Alltagsbetrieb? ACE LENKRAD hat den SUV aus Rumänien mit dem 86 PS-Dieselmotor getestet.

Im Gegensatz zu anderen Dacia-Modellen wirkt der Duster frisch und modern. Er zeigt Ecken und Kanten, wirkt breitschultrig, aber ohne dabei allzu bullig zu sein. Dieser so gute erste Eindruck setzt sich im Innenraum nur eingeschränkt fort. Hier dominiert Hartplastik, das sich zudem als etwas kratzanfällig erweist. Doch andererseits wirkt alles gut und ordentlich verarbeitet. Das Cockpit ist wunderbar übersichtlich, schon nach kurzer Zeit kann der Fahrer alle Tasten, Knöpfe, Hebel und Schalter blind bedienen. Allzu viele sind es auch nicht, auch die Innenausstattung des Duster ist auf das Wesentliche reduziert. Und das bedeutet Radio, Heizung und Klimaanlage, Warnblinkanlage und Türverriegelung – was braucht der Autofahrer noch? Zum Beispiel eine elektronische Verstellmöglichkeit der Seitenspiegel. Hier muss beim Duster noch Hand angelegt werden. Und wer erst während der Fahrt feststellt, dass der Spiegel auf der Beifahrerseite verstellt ist, ist ohne helfende Hand zum anhalten und aussteigen gezwungen.

Auch sind die Einstellmöglichkeiten rund um den Arbeitsplatz des Fahrers vor allem bei der Grundausstattung "Duster" sehr beschränkt. Höheneinstellbarer Sicherheitsgurt? Höhenverstellbare Sitze? Verstellbares Lenkrad? Alles Fehlanzeige. Doch was bei anderen Fahrzeugen für Ärger sorgen würde, wird bei Dacia ohne zu Murren hingenommen – der Einstiegspreis von 11.900 Euro ist ein echtes Killerargument.

Der Duster punktet auch mit seiner großen Klappe und dem dahinterliegenden Kofferraum. Ein Ladevolumen von 475 bis 1636 Litern bei umgeklappter Rückbank sind absolute Toppwerte, mit denen kaum ein Konkurrent mithalten kann. Lediglich die hohe Ladekante bereitet kleineren Menschen beim Beladen Probleme.

Dass der Duster ein Auto aus dem unteren Preissegment ist, wird vor allem auch an den Sitzen deutlich. Die Auflage ist zu kurz, den Sitzen mangelt es an Seitenhalt und die Rückenlehne ist recht dünn gepolstert. Dazu ist das Gestühl noch einen Tick zu weich – langstreckentauglich ist der Dacia nur für Hartgesottene. Ein weiteres Argument gegen längere Strecken mit dem SUV aus Rumänien ist der Geräuschpegel, der bei Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h auftritt und Unterhaltungen fast unmöglich macht. Denn der Duster ist mit gerade mal 1255 Kilogramm ein echtes Fliegengewicht. Fahrzeuge vergleichbarer Größe bringen locker 400 Kilogramm mehr auf die Waage. So wurde am Material gespart, die Geräuschdämmung ist entsprechend schlecht, was bei schnelleren Fahrten zu einem ziemlich lauten Dröhnen im Innenraum führt.

Für den Duster bietet Dacia einen Benzinmotor mit 105 PS, sowie zwei Dieselaggregate mit 86 und 107 PS (bzw. 110 PS im Duster 4x4) an. Auch wenn Dacia draufsteht, so steckt in dem Rumänen doch französische Technik unter der Motorhaube. Der von uns getestete 86-PS Diesel gibt sich etwas rau, passt aber recht gut zum Duster und schluckte im Testbetrieb rund sieben Liter Diesel. Das sind zwar zwei Liter mehr, als im EG-Mix angegeben, trotzdem können Dacia-Fahrer damit gut leben und auch verglichen mit anderen SUV schneidet der Duster in dieser Disziplin gar nicht so schlecht ab. Die Dacia-Modelle sind, auch wenn sie sich in Mitteleuropa recht gut verkaufen, doch in erster Linie für Schwellenländer gemacht, wo die Straßen nicht immer und überall in optimalem Zustand sind. So überzeugt auch der Duster immer dann voll und ganz, wenn die Straßen etwas holpriger werden. Kleinere – und auch etwas größere - Schlaglöcher nimmt er ohne dass die Insassen mehr als nur ein leichtes Ruckeln spüren. Wer in richtigem Gelände unterwegs ist, bekommt den SUV für einen Aufpreis von 1800 Euro (bis auf den 86 PS Diesel) Allradantrieb.

Apropos Preis: Für Dacia-Modelle ist das immer noch das schlagendste Argument. Den Duster gibt es bereits ab 11.900 Euro – bei anderen Herstellern fangen da gerade mal Kleinwagen an. Doch ist diese Ausstattungsvariante "Duster" sehr puristisch, der Griff zu "Ambiance" für 800 Euro mehr ist mit Sicherheit die bessere Wahl. Immerhin sind dann auch Seitenairbags, Deckenleuchten, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung mit dabei. Serienmäßig haben alle Duster-Modelle ABS mit Bremsassistent und Frontairbags mit deaktivierbarem Beifahrerairbag. Zum ersten Mal ist bei Dacia ESP erhältlich, allerdings nur für den großen Diesel und seltsamerweise ausschließlich in Verbindung mit einem Lederlenkrad. Der Aufpreis beträgt 300 Euro. Euro NCAP hat den Duster bisher noch nicht gecrasht, Dacia rechnet aber – wie bei den anderen Modellen – mit drei Sternen. 


Fazit
Viel Auto zum kleinen Preis. Damit ist der Dacia Duster eigentlich konkurrenzlos und bildet beinahe schon eine Klasse für sich. Auf jeden Fall ist er eine preisgünstige Alternative für alle, die mit ihrem SUV nicht allzu häufig Langstreckenfahrten unternehmen.


Technische Daten

Motor
  Dacia Duster dCi
Hubraum cm³ 1461
Zylinder/Schadstoffklasse   4/Euro 4
Leistung kW (PS) 63 (86)
bei Motordrehzahl min-1 3750
Max. Drehmoment Nm 200
bei Drehzahl min-1 1900
Kohlendioxid-Ausstoß g/km 135
Fahrleistung
  Dacia Duster dCi
Max. Geschwindigkeit km/h 156
0 bis 100 km/h sek 13,9
Karosserie / Innenraum
  Dacia Duster dCi
Karosserie   5-türig
Kofferraumvolumen l 475-1363
Reifendimension   215/65 R16
Fahrzeuglänge mm 4315
Fahrzeugbreite mm 2000
Fahrzeughöhe mm 1625
Radstand mm 2673
Spurweite vorne mm 1560
Spurweite hinten mm 1567
Leergewicht kg 1255
Zuladung kg 475
Anhängerlast ung. kg 625
Anhängerlast gebr. kg 1200
Dachlast kg 80
Stützlast kg 50
Verbrauch
  Dacia Duster dCi
Verbrauch EG-Mix l/100 km 5,1 D
ACE-Testverbrauch l/100 km 7,0 D
Tankinhalt l 50
Reichweite   980
Preise und Kosten
  Dacia Duster dCi
Preis ab Werk Euro 13.900
Kfz-Steuer Euro/Jahr 173
Vers.-Klasse KH   22
Vers.-Klasse TK   18
Vers.-Klasse VK   20
Haftpflichtvers. Euro/Jahr 1728
Vollkaskovers. Euro/Jahr 1288
Variable Kosten* Cent/km 17,5
Feste Kosten** Euro/Jahr 6363
Feste Kosten** Cent/km 42,4
Gesamtkosten Euro/Jahr 8983,5
Gesamtkosten*** Cent/km 59,9
Kosten bei 15.000 km/Jahr, 60 Monate Nutzungsdauer, berechnet von DEKRA.
* für Kraftstoff, Reifen, Reparatur, Wartung und Pflege.
** für Verzinsung, Werteverlust, Kfz-Steuer, Versicherung und Unterstellungskosten.
*** Variable plus feste Kosten.

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