Sicherheit: Begleitetes Fahren mit 17

Versicherer belohnen die Frühstarter

01.01.2010 12:00

Junge Fahrer können sich freuen. Die Auto­versicherer geben ihnen einen hohen Nachlass, wenn sie mit 17 Jahren den Führerschein erwerben und dann "begleitet" das Auto­fahren erlernen. Denn diese Fahranfänger machen weniger Unfälle, das zeigen aktuelle Studien.


Ein "erfahrener" Copilot gibt den jungen Fahranfängern Sicherheit

Der ACE engagierte sich von Anfang an für das Modellprojekt, das im Jahr 2004 in Niedersachsen startete: das begleitete Fahren (BF 17). Teilnehmer konnten bereits mit 17 ihre Führerschein­prüfung absolvieren, durften dann allerdings bis zum 18. Geburtstag nur in Beglei­tung eines Beifahrers (der selbst routinierter Fahrer sein muss) am Steuer Platz nehmen. Der Autoclub erkannte frühzeitig das Potenzial, das in dieser innerfamiliären Ver­kehrserziehung steckt, um die Unfallraten von Fahranfängern zu senken. Und deswegen warb er nicht nur für dieses Konzept, sondern suchte von Anfang an den Dialog zu Skeptikern und Gegnern des Mo­dellversuchs, um wichtige Überzeugungsarbeit zu leisten (siehe Artikel Mit Erfahrung besser).

Inzwischen ist klar: Der "begleitete Führer­schein mit 17" ist ein voller Erfolg. Das be­stätigt die Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) auf Anfrage von ACE LENKRAD. So ist die Unfallbeteiligung der "Frühstarter" um 30 Prozent geringer und im Vergleich zu jungen Fahrern, die ganz normal mit 18 ihren Führerschein machen, fallen die "begleiteten Fahrer" bei der Poli­zei viel weniger unangenehm auf. Ihre De­likt­beteiligung ist um 20 Prozent geringer, wie Studien des Bundesverkehrsminis­te­riums und des Verkehrsministeriums in Nie­dersachsen ergaben. "Dieser Trend hält an", sagt Georg Willms-Lenz, zuständiger Projektleiter bei der BAST. Das gehe aus aktuellen – bisher noch nicht veröffentlichten – Er­hebun­gen für das Bundesverkehrsminis­te­rium hervor.

Mit ähnlichen Ergebnissen aus seinen Da­ten zum Unfallgeschehen kann Deutsch­lands zweitgrößter Autoversicherer, die HUK-Coburg, aufwarten: "Wir schätzen, dass die jungen Fahrer, die begleitet ihren Führerschein gemacht haben, uns rund zehn Prozent weniger kosten, weil sie weniger und nicht so teure Unfälle machen", sagt Pressesprecher Alois Schnitzer. Erste Daten für alle Kraftfahrzeug-Versicherer bereitet derzeit der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor. Dem Trend zufolge dürften die Nachlässe, die die Versicherer schon heute für die jungen Fahrer geben, auf statistisch sicheren Füßen stehen. Schon jetzt reagieren einzelne Anbieter in ihrer Prämiengestaltung darauf.

"Wir werden noch 2010 für alle, die am begleiteten Fahren teilgenommen haben und selbst ein Fahrzeug versichern, eine Rabattregelung einführen", sagt HUK-Sprecher Schnitzer. Einen ähnlichen Bonus kündigt auch Marktführer Allianz an. An­dere Versicherer haben solche Regelungen hingegen schon längst. Laut HUK-Coburg war die Nachfrage hier aber bisher sehr verhalten, denn viele junge Fahrer sind zunächst erst einmal bei ihren Eltern mitversichert.
Daher ist hier eine andere Rabattrege­lung viel wichtiger. Sie wird mittlerweile von den meisten Versicherern angeboten. "Wir erheben keinen Zu­schlag für die Erweiterung des Fahrerkrei­ses um einen 17-jährigen begleiteten Fahrer", erläutert Kristina Tewes vom Ergo-Versicherungs-Konzern. Auch wenn diese jungen Fahrer volljährig werden und das Auto der Eltern weiter benutzen, entstehen bei der Ergo und einer Reihe anderer Kraftfahrt-Versicherer keine Zusatzkosten.

Das macht sich deutlich bemerkbar, wie eine Musterrechnung für einen in Düs­seldorf versicherten VW Passat 2.0 TDI (140 PS) durch die Nafi-Unter­nehmensbe­ratung aus Höxter zeigt. Für das Kind, das künftig das Auto der Eltern mit benutzt und ganz normal seinen Führer­schein erwirbt, verlangt die Allianz-Versi­cherung im Op­ti­mal-Tarif einen Junge-Fahrer-Zuschlag von sage und schreibe 796 Euro pro Jahr. Damit verteuert sich die Ver­sicherung der Eltern von 443 auf 1239 Euro. Ist das Kind hingegen BF-17-Fahrer, entfällt der Zu­schlag bei der Allianz in vollem Umfang. Andere Versicherer reduzieren den Zu­schlag deutlich (siehe Info-Grafik).

Ganz wichtig: Eltern und Führerscheinneu­linge müssen den Versicherer immer auf die Teilnahme am begleiteten Fahren hinweisen. "Wir haben festgestellt, dass die Nach­lässe nicht automatisch im Tarif verankert sind", sagt Ivana Höltring von der Unternehmensberatung Nafi aus Höxter. Auch die HUK-Coburg verweist darauf, dass sie junge selbstversicherte Fahrer im nächsten Jahr kulanterweise auf den günstigen FF17-Tarif umstellt, wenn diese nachfragen.
Die Rabatte der Versicherer dürften die Nach­frage nach einem begleiteten Füh­rerschein mit 17 zusätzlich forcieren. Im­merhin entschieden sich 2007 bundesweit schon 269.000 Anfänger für den früheren Einstieg. 2008 waren es sogar schon rund 360.000 junge Fahrer. Ein sattes Plus von fast über 90.000. Damit entscheidet sich schon fast 37 Prozent aller Anfänger für den  Führerschein mit 17. Einen kleinen Weh­mutstropfen gibt es dennoch. Der frühe Füh­rerschein wird überproportional von Kin­dern aus der Mittelschicht absolviert. "Da­mit unterscheidet er sich aber soziodemografisch kaum von dem Führerschein mit 18", sagt BAST-Experte Willms-Lenz. Früh würden in aller Regel diejenigen Führer­scheine machen, die von zu Hause aus finanziell unterstützt würden.

Somit wächst hier möglicherweise eine neue Problemgruppe heran: die jungen Fahrer, die ohne Begleitung erst mit 20 oder noch später in den Verkehr einsteigen. Noch gelten junge Fahrer allgemein als am stärks­ten gefährdet im Straßenverkehr. Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren haben laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat im Ver­gleich zu allen Altersgruppen immer noch ein doppelt so hohes Risiko, tödlich zu verunglücken.

Info-Grafik: Begleitetes Fahren senkt Versicherungstarife



Kommentare
 
 
09.09.2010

guck mal

Rolf Gerd DAsecke
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