Ratgeber: Verkehr im Winter

Verschneite Wege

01.12.2011 12:37

Wie hart der Winter wird, lässt sich im Vorfeld kaum sagen. Sicher ist, dass er kommt – im schlimmsten Fall über Nacht. Autofahrer sollten sich rechtzeitig auf die veränderten Bedingungen einstellen.


Der Kühler wurde mit Frostschutz versehen, auch der Inhalt der Scheibenwaschanlage ist für Temperaturen bis minus 25 Grad gerüstet. Eiskratzer und Handfeger liegen schon seit Wochen im Wagen. Verkündet der Wetterbericht den bevorstehenden Wintereinbruch, sollte man sich allein darauf jedoch nicht verlassen. Zwar besteht in den wenigsten Regionen Deutschlands die Gefahr, dass Fahrzeuge nach anhaltendem Schneefall ausgegraben werden müssen. Eine Schneehaube aber muss entfernt werden – ein Handfeger mit langem Stiel leistet hierbei gute Dienste. Nicht nur Scheiben und Scheinwerfer müssen schneefrei sein – auch das Wagendach erfordert Einsatz. Neben der Gefährdung anderer durch losbrechende "Dachlawinen" besteht die Gefahr, dass die weiße Pracht beim Bremsen auf die Windschutzscheibe rutscht. Und wer will sich schon in einem plötzlichen Blindflug wiederfinden?

Über Jahrzehnte gehörten vereiste Türschlösser zu den gefürchteten Begleiterscheinungen kalter Frostnächte. Gefriert Feuchtigkeit im Schloss, lässt sich der Schließzylinder nicht mehr bewegen. Der per Feuerzeug angewärmte Schlüssel richtet in aller Regel nicht viel aus – besser, der Enteiser steckt in der Manteltasche statt im Handschuhfach. Als rabiate, aber auch wirkungsvolle Maßnahme gilt, zum Auftauen heißes Wasser über das Schloss zu schütten. Mit zunehmender Verbreitung von funkgesteuerten Schließanlagen hat die vereiste Autotür jedoch ihren Schrecken verloren. Werkstätten berichten von einer stark abnehmenden Tendenz von Problemfällen.

Funktionieren kann die Technik jedoch nur, wenn die Batterie stark genug ist. In der Hitliste der Pannen, wegen denen der ACE zu Hilfe gerufen wird, stehen marode Batterien mit knapp einem Drittel an erster Stelle. Falsche Sparsamkeit rächt sich meist zu ungelegener Zeit. Deutet der mühsamer werdende Startvorgang am Morgen auf eine Schwäche des Stromreservoirs hin, ist ein Austausch, zumindest ein vorsorglicher Check in der Werkstatt, vonnöten. Im Optimalfall bringt es der Akku auf eine Lebensdauer von sechs bis acht Jahren. Ladehemmungen bei der Funktion des Schlüssels deuten zudem darauf hin, dass auch die im Fahrzeugschlüssel befindliche Batterie einer Erneuerung bedarf. Wen es dennoch erwischt, der kann sich vorerst mit dem Ersatzschlüssel behelfen.

Kälte kriecht durch alle Ritzen. In Verbindung mit Feuchtigkeit verklebt sie bei Minustemperaturen schnell die Gummidichtungen der Türen. Abhilfe schafft die Behandlung der Gummis mit Glycerin, Si­li­konspray oder Vaseline. So sorgt man zugleich frühzeitigem Verschleiß vor.

Eiskratzen gehört zu den unbeliebtesten Frühsportarten im Winter. Von Schnee und Eis müssen aber alle Scheiben befreit sein – gefordert wird der freie Rundumblick. Allein der Sehschlitz in der Frontscheibe reicht nicht aus und ist gefährlich. Entsprechende, isolierende Matten, die zwischen A-Säule und Türen eingeklemmt werden, stellen eine wirkungsvollere Prophylaxe als Karton dar. Die Scheibenwischer sollten hochgeklappt sein, damit die Gummilippen über Nacht nicht anfrieren können.

Sind die Scheiben gefroren, lässt sich die Sicht mittels Eiskratzer oder Enteiserspray wieder herstellen. Schwieriger ist die Lösung für von innen vereiste Scheiben. Der Eisschaber hat auf der Innenseite von Autofens- tern nichts zu suchen – wegen der Krümmung besteht die Gefahr von Kratzern im Glas. In der Not hilft der Einsatz von flexiblem Kunststoff, wie zum Beispiel einer Kundenkarte. Verlaufen Antenne oder Heizdrähte durch die Scheibe, sollten diese Bereiche unbedingt ausgespart bleiben. Von Defrosterspray ist im Innenraum eher abzuraten, da dies durch seinen Alkoholgehalt dem Fahrer die Sinne vernebeln kann. Ebenso sollte Abstand von einer punktuellen Erwärmung des Glases durch Heizstrahler oder Teelichter genommen werden – das Glas könnte reißen. Aus gleichem Grund ausgeschlossen ist das Übergießen der Scheibe mit heißem Wasser. Als praktisch erwiesen hat sich der Einsatz von ein bis zwei Wärmflaschen, die gut 20 Minuten vor der geplanten Anfahrt auf die vordere Ablage gelegt werden. Kondenswasser sollte aber, ebenso wie bei beschlagenen Scheiben, mit einem Tuch aufgewischt werden.

Grundvoraussetzung für ein Beschlagen oder Vereisen der Scheiben ist eine zu hohe Feuchtigkeit im Wagen. Fußmatten gelten als Wasserspeicher – vor allem, wenn auf ihnen während der letzten Fahrt Nässe und Schnee abgetropft sind. Oft hilft es, nach dem Abstellen des Wagens die Fenster für ein paar Minuten zu öffnen, um die erwärmte feuchte Luft im Innenraum gegen trockene Luft von außen auszutauschen. Tipp: Luftentfeuchter aus dem Baumarkt haben schon in vielen Fällen das Problem behoben. Allerdings sollten die oben offenen Behälter sowohl gut befestigt sein als auch engmaschig auf ihren Pegelstand kontrolliert werden. Gegen vereiste Scheiben hilft auch Heizung und Klimaanlage auf warm drehen und das Gebläse auf die Windschutzscheibe richten. Ein Aufwand, der entfällt, wenn in eine Standheizung investiert wird.

Zu den komfortablen Segnungen vieler Automodelle gehören beheizbare Autositze. Diese schalten sich ab einer bestimmten Temperatur über einen integrierten Thermofühler  ein, sind jedoch auf das Volumen der Originalsitze abgestimmt. Gut isolierende Fellauflagen mögen auf unbeheizten Sitzen für ein wohliges Wärmegefühl sorgen – auf beheizten Sitzen behindern sie nur die Funktion. Gleiches gilt übrigens auch für alle anderen Sitzauflagen.

Herrschen draußen winterliche Verhältnisse, ist jeder Verkehrsteilnehmer froh, wenn die Straße bereits geräumt ist. Doch sind die Räumdienste nicht nur am frühen Morgen unterwegs, sondern bis in die späte Nacht hinein. Nur mit gelbem Blinklicht ausgestattet haben Räum- und Streufahrzeuge zwar keinen Vorrang gegenüber dem übrigen Verkehr – keinesfalls sollte man den Kollegen vom Straßendienst jedoch ihre Arbeit erschweren. Ein Überholen ist nicht verboten, kann aber bei Schneefall auf sichtbar ungeräumter Strecke nicht empfohlen werden. Niemandem ist damit gedient, wenn der Streuwagen in einem Stau steckt, der durch ins Schleudern geratene  Minutenschinder verursacht wurde.

Staus, vor allem bei plötzlichem Wintereinbruch, lassen sich nicht immer vermeiden. Ob quer stehende Lastwagen an Steigungsstrecken oder Schneewehen – jeder erinnert sich an die Bilder der vergangenen Winter, die stecken gebliebene Autofahrer auf Autobahnen zeigten. Fraglich ist, ob jede Strecke bei jedem Wetter gefahren werden muss. Selbst wenn die Deutsche Bahn erfahrungsgemäß eine nur unzuverlässige Alternative darstellt. Wer nicht auf den Wa­gen verzichten kann, sollte sich zumindest auf die Tour durch Eis und Schnee vorbereiten. Auf Langstrecken, zum Beispiel in den Winterurlaub, aber auch bei Fahrten durch ländliche oder bergige Regionen, sollten Decken nicht fehlen. Der Bedarf sollte sich an der Anzahl aller Passagiere orientieren.

Vor Antritt der Fahrt eine Thermoskanne mit heißem Tee im Fahrzeug zu deponieren, bedeutet keinen große Aufwand, kann aber wärmespendender Trost im Fall des Falles sein. Und wer ein paar Müsliriegel oder Ähnliches gegen den kleinen Hunger zwischendurch mit dabeihat, steht viel gelassener im Stau. Der DVR empfiehlt die Mitnahme von robusten Handschuhen, einer leistungsfähigen Taschenlampe und eines Besens oder Handfegers. Bei entsprechendem Wetter sollten sich zudem Schneeketten, als Anfahrhilfe nutzbare Matten und eventuell ein Klappspaten im Kofferraum befinden. Gold wert ist zudem, sein aufgeladenes Mobiltelefon in der Tasche zu haben.

Altgediente Fahrer von Dieselautos kennen noch das Problem versulzenden Kraftstoffs, der den Filter verstopft. Eine Schwierigkeit, die heute kaum noch auftritt. In Deutschland angebotener Dieselkraftstoff muss entsprechend der DIN EN 590 in der Zeit zwischen dem 16. November und Ende Februar bis minus 20 Grad frostsicher sein. Selbst in den Übergangszeiten ab 1. Oktober bis 14. April muss eine Frostsicherheit von bis zu minus zehn Grad gewährleistet werden. Der Griff zu teuren Winterdieselsorten – gleich unter welcher Bezeichnung sie firmieren – ist also nicht nötig. Wurde der Reservekanister jedoch letztmals im Sommer aufgefüllt, sollte man für einen Austausch sorgen.

Müssen wirklich Winterreifen aufgezogen werden? Die Erfahrungen der letzten Winter sprechen dafür, auch wenn der Gesetzgeber nicht der gültigen Empfehlung "von Oktober bis Ostern" gefolgt ist. Vorgeschrieben sind M+S-Reifen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch sowie Eis- und Reifglätte. Bedenken sollte man, dass auch auf vermeintlich trockenen Straßen in Talsenken, auf Brücken und in Unterführungen die Strecke glatt sein kann. Erst recht in der Stadt, wenn beim ersten Schnee die Bremsbereiche vor Kreuzungen zu spiegelglatten Schlitterbahnen werden. Mit deutlich verlängerten Bremswegen muss gerechnet werden.

Winterreifen bieten bei niedrigen Temperaturen Reserven, an die Sommerreifen nicht heranreichen. Die Profiltiefe sollte mehr als vier Millimeter betragen. Falsche Reifenwahl bei winterlichen Verhältnissen wird mit einem Bußgeld in Höhe von 40 Euro geahndet. Wer deshalb liegen bleibt und den Verkehr behindert, zahlt das Doppelte. Abzuwarten, wie sich das Wetter entwickelt, kann teuer zu stehen kommen. Noch immer gibt es ungute Erinnerungen an windige Reifenhändler, die im vergangenen Winter die Preise verdreifachten.


Verschneite Schilder

Bis zur Unkenntlichkeit zugeschneite Verkehrsschilder behalten ihre Gültigkeit. Der Sichtbarkeitsgrundsatz, nach dem das Nichtbefolgen einer Vorschrift nicht bestraft werden kann, wenn diese nicht erkennbar ist, gilt nur mittelbar. Ein dreieckiges Schild mit der Spitze nach unten bedeutet immer "Vorfahrt gewähren", eine achteckige Tafel ist stets ein Stoppschild. Im Zweifelsfall sollte vor dem Parken das verschneite Zeichen am Straßenrand vom Schnee befreit werden, um sicherzugehen, dass es sich nicht um ein Verbotszeichen handelt.


Artikel zum Thema Batterien im Winter: Kontaktpflege



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