Verkehrspolitik: Bürgerinitiative
Straßenkampf
Straßenkampf auf Rügen
Der ACE-Kreis Rügen setzt sich mit seinem Vorsitzenden Werner Kühnlenz für den Bau der B 96 ein
Straßenkampf auf Rügen
Die neue B 96 endet auf einer Wiese. Noch ist unklar, ob sie jemals fertig gebaut wird
Werner Kühnlenz ärgert sich. Jedes Mal, wenn er über die neue Brücke zwischen Stralsund und Rügen fährt, ärgert er sich aufs Neue. Der ACE-Kreis Rügen hat sich mit seinem Vorsitzenden Kühnlenz von Anfang an für den Bau der 100 Millionen Euro teuren Brücke eingesetzt. Doch momentan ist der positive Effekt, den sich die Rügener von dem Bau versprachen, allenfalls in Ansätzen zu spüren. Denn eigentlich sollte dank der modernen Brücke der Verkehr deutlich schneller fließen, die täglichen Staus sollten der Vergangenheit angehören. Das eine Nadelöhr – der alte Rügendamm – wurde durch die Brücke und die Anbindung an die Autobahn A 20 geschlossen. Heute rollt der Verkehr und muss nicht sechsmal am Tag – wenn die Brücke hochgezogen wird, um ein Schiff passieren zu lassen – stillstehen.
Doch unmittelbar nachdem die Autos die Ostseeinsel erreichen, beziehungsweise kurz bevor sie sie verlassen, staut sich weiterhin Auto an Auto. Den schlimmsten Stau, so erzählt Werner Kühnlenz, mussten die Rügener an Pfingsten erdulden, als sich die Blechkarawane am Abreisetag 32 Kilometer Richtung Stralsund wälzte. Urlauber wie Einheimische waren genervt.
Jeder Rügenbesucher sieht den Grund für die täglichen Staus, sobald er auf die Insel fährt. Die neue Straße endet unmittelbar nach der Brücke auf einem Feld, der gesamte Verkehr wird durch eine größere Baustelle auf die alte B 96 geleitet. Wann und ob weitergebaut wird, ist ungewiss. Und genau diese Ungewissheit ist es, die Werner Kühnlenz und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative so in Rage bringt. Denn eigentlich war der Bau einer Umgehungsstraße bis Bergen, der größten Stadt der Insel, geplant. Doch nach der Eröffnung der neuen Rügenbrücke im Oktober 2007 konnte nicht wie geplant weitergebaut werden. Eine Umweltschutzorganisation erhebt immer wieder neue Einsprüche. Diese werden aufwendig geprüft, eventuell müssen neue Entwürfe angefertigt werden. Durch diese Verzögerungen haben sich die avisierten Kosten für die neue Straße bereits verdoppelt. Neue Auflagen von der EU müssen berücksichtigt werden, außerdem steigen die Materialkosten.
Aus Sicht von Werner Kühnlenz ist der Weiterbau für die Lebensqualität der Menschen absolut notwendig. Denn nicht wenige Rügener müssen zum Arbeiten aufs Festland fahren, sie stehen zweimal täglich im Stau. Außerdem, so erklärt der ACE-Kreisvorsitzende, lebe die Insel schließlich vom Tourismus und "wer als Urlauber einmal 30 Kilometer im Stau stand, der überlegt sich doch gut, ob er wiederkommt". Ein weiterer, wichtiger Punkt ist für ihn die Anbindung des Sassnitzer Hafens. Hier legen die Fähren aus Schweden, Litauen und Russland an, der Rügener Hafen ist ein Tor in den Norden und wichtiger Warenumschlagsplatz. Für die Anwohner an der B96 ist dadurch an eine ungestörte Nachtruhe nicht zu denken, ständig donnern Lkw über die Bundesstraße, die kleinen Ortschaften mit ihren engen Straßen sind einfach nicht für die 30- bis 40-Tonner eingerichtet.
Momentan läuft das Planfeststellungsverfahren. Kommen keine Klagen, kann Ende des Jahres mit dem Bau begonnen werden. Doch darauf wagt Werner Kühnlenz kaum zu hoffen. Er und der gesamte ACE-Kreis Rügen werden weiterhin für den Neubau der B96 kämpfen.






Es wird wirklich Zeit dass die Anbindung gebaut wird. Viele unserer Freunde und Bekannten nehmen von einer Reise nach Rügen seit einigen Jahren Abstand, um nicht mehr ewig im Stau stehen zu müssen. Ob NABU sich hier wirklich überlegt, was sie den Bewohnern der Inseln zumutet, wage ich langsam zu bezweifeln. Offensichtlich geht es nur ums Prinzip. Ich hoffe und wünsche den Rüganern, dass der Bau bald starten kann.