Verkehrspolitik: Pendler
Anstoss zum Umstieg
Vor allem in den Großstädten der Republik, sei es jetzt Berlin, München, Köln oder Hamburg, reihen sich kilometerlang Auto an Auto. Dabei gäbe es für viele dieser Menschen, die meist auch alleine im Auto sitzen, eine Alternative: den öffentlichen Personennahverkehr.
Der ACE-Kreis Hamburg hat sich jetzt gemeinsam mit der S-Bahn Hamburg sowie dem Hamburger Verkehrsverbund dieses Problems angenommen und die Pendlerkampagne "Plietsch unterwegs" gestartet. (Für alle Nicht-Norddeutschen: Plietsch bedeutet so viel wie aufgeweckt oder gescheit). Im Vorfeld hat der ACE-Kreis Hamburg dazu einiges recherchiert. Wie viel Zeit lässt sich denn nun wirklich sparen, wenn, statt im verstopften Elbtunnel zu stehen, ein Autofahrer stattdessen einen Park&Ride-Platz ansteuert und mit der S-Bahn in die Innenstadt fährt? Die Zahlen schwarz auf weiß zu sehen, dürfte auch den größten Skeptiker überzeugen: Wer vom P&R Neugraben morgens zwischen sechs und neun mit dem Auto zum Hauptbahnhof fährt, benötigt im Schnitt 60 Minuten, mit der S-Bahn sind es lediglich 25. Eine Zeitersparnis von 35 Minuten ist nicht zu verachten, zudem ist dieser P&R auch nur zu 45,96 Prozent ausgelastet.
Auch bei vielen anderen P&R-Plätzen der Hansestadt zeigt sich ein ähnliches Bild. Massig freie Parkplätze und eine Zeitersparnis von immer noch zwischen zehn und 20 Minuten.
Die Pendlerkampagne, für deren Start der Vorsitzende des Hamburger ACE-Kreises, Christian Carstensen, und Kay Uwe Arnecke von der S-Bahn Hamburg ein überdimensionales Pendel in Bewegung setzten, soll indes nur ein Anfang sein, um die Autofahrer zum Umstieg auf Bus und Bahn zu motivieren.
Die ACE-Ehrenamtlichen um Christian Carstensen haben ein Sechs-Punkte-Programm ausgearbeitet, wie P&R modern und kundenfreundlich ausgestaltet werden kann, um so mehr Autofahrer zum Umstieg motivieren zu können. Dazu gehört die Schaffung einer einheitlichen P&R-Struktur, die Erleichterung des Zugangs zu den Anlagen, eine kundenfreundlichere Gestaltung der Plätze sowie eine Erhöhung des Angebots, da einige der Plätze bereits zu hundert Prozent belegt sind und der Bedarf für mehr Parkmöglichkeiten durchaus gegeben ist.
Außerdem solle die finanzielle Basis verbessert werden. Momentan sind sämtliche P&R-Plätze kostenlos, für einen weiteren Ausbau, wie ihn der ACE fordert, stehen allerdings keine Mittel zur Verfügung. Daher schlägt der ACE Parkgebühren zwischen 50 Cent und 1,50 Euro vor. Mit diesen Einnahmen könnten dann nicht nur weitere Plätze gebaut, sondern die vorhandenen könnten attraktiver gestaltet werden.
Damit wäre auch der sechste Punkt des Forderungskataloges finanzierbar, die rechtzeitige Schaffung der Infrastruktur für E-Mobilität. Denn, so Carstensen, "Elektroautos sind besonders für den großstädtischen Verkehr geeignet. Mit Ladestationen an P&R-Plätzen kann das bestehende Angebot zukunftsweisend ergänzt werden."






