Fahrbericht: Kia Picanto 1.0
Wendiger Stadtflitzer
Sechs Zentimeter mehr. Das klingt erstmal nach nicht sonderlich viel. Doch im Fall des Kia Picanto bedeutet dieser Längenzuwachs knapp vier Zentimeter mehr Beinfreiheit für Fahrer und Beifahrer, sowie einen um über 70 Liter vergrößerten Kofferraum. Und das ist für einen Kleinwagen eine ganze Menge. So lässt es sich nicht nur entspannt reisen, auch das Urlaubsgepäck – wenn nicht gerade eine vierköpfige Familie in die großen Ferien fährt – wird ohne Probleme verstaut.
Das Design hat sich in der zweiten Picanto-Generation von Grund auf geändert. Punktete der Vorgänger noch mit seinem niedlichen und freundlichen Aussehen, so setzen die Kia-Designer bei der Neuauflage ganz auf sportliche Dynamik. Der kleine Koreaner ist erwachsen geworden. Blickfang sind die markanten Rückleuchten, sowie die großen Scheinwerfer, die mit dem integrierten serienmäßigen Tagfahrlicht den selbstbewussten Auftritt unterstreichen. Das ist nicht der einzige gravierende Unterschied – auch die verwendeten Materialen erinnern kaum noch an die erste Generation. Der Innenraum wirkt hochwertig, die Verarbeitung macht einen sehr guten Eindruck. Nach billiger Hartplastik sucht man hier vergebens.
Lediglich einen Kritikpunkt gibt es bei den Sitzen. Zwar sind sie straff gepolstert und – für einen Kleinwagen – mit sehr gutem Seitenhalt versehen, doch ist die Auflage ein paar Zentimeter zu kurz geraten. Große Menschen werden sich daher auf Langstrecken schnell etwas unwohl fühlen.
Betont sportlich-dynamisches Design ist auch immer ein Versprechen, der Kia Picanto löst das zu großen Teilen ein. Der von uns gefahrene Dreizylinder-Motor mit 69 PS ist recht spritzig, vor allem für den Stadtverkehr ist er prädestiniert. Der flotte Ampelstart ist genau sein Ding, Wendigkeit und Agilität zeichnen den Picanto aus. Vielleicht ist das Fahrwerk aber für manche einen Tick zu sportlich ausgelegt, denn bei schlechten mit Schlaglöchern übersäten Straßen, rumpelt es doch etwas heftiger. Durch den recht kurzen Radstand von knapp 2,40 Metern ist der Picanto zudem recht seitenwindanfällig.
Den Verbrauch gibt Kia mit 4,2 Litern Super je hundert Kilometer an. Ein absolut guter Wert! In der Realität sah es jedoch leider so aus, dass am Ende unserer Testfahrten ein Durchschnittsverbrauch von 7,8 Litern Super auf hundert Kilometer zu Buche stand. Diese Diskrepanz lässt sich allerdings ganz einfach erklären. Der Picanto ist ein Stadtauto, dafür ist er konzipiert und auch optimiert. Wer also verstärkt dort unterwegs ist und etwas auf seine Fahrweise achtet, der wird einen Durchschnittsverbrauch zwischen fünf und sechs Litern haben. Wer allerdings hin und wieder längere Strecken fährt, auf der Landstraße oder gar der Autobahn unterwegs ist und dort auch mal 140 fährt – der wird mit einem Expresszuschlag bestraft und der fällt richtig happig aus!
Zu haben ist der kleine Koreaner als Dreitürer ab 8990 Euro, der Fünftürer kostet ab 9390 Euro. Die Serienausstattung ist in der Grundausstattung "Attract“ eher mager, Knieairbags für den Fahrer und aktive Kopfstützen gibt es beispielsweise nur in der besten Ausstattungsvariante "Spirit“ (ab 11.990 für den Dreitürer). Schade, dass ESP auch nur in dieser Ausstattung Serie ist, für die mittlere Variante "Vision" ist das elektronische Stabilitätsprogramm gegen 450 Euro Aufpreis inklusive Traktionskontrolle und Berganfahrhilfe erhältlich.
Wünschenswert wäre auch ein serienmäßiges Start-Stopp-System. Denn gerade Autos, die wie der Kia Picanto in erster Linie für den Stadtverkehr gedacht sind, profitieren von dieser Spritspartechnik. Allerdings gibt es dieses System nur für die Ausstattung "Vision" im Komfort-Paket mit Klimaautomatik, Sitzheizung, Dämmerungssensor und Nebelscheinwerfer für 760 Euro. Top: Der Picanto wird auch als LPG-Variante angeboten, der Aufpreis gegenüber einem reinen Benziner liegt bei 1300 Euro.
Fazit
Im Vergleich zur ersten Generation ist der Picanto wirklich erwachsen geworden. So empfiehlt sich der kleine Koreaner als Alltagsbegleiter, solange Langstrecken die Ausnahme bleiben. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top.
Plus: Rundumsicht, Preis, gute Sitze, serienmäßiges Tagfahrlicht
Minus: ESP und Start-Stopp nicht für alle Modelle, Verbrauch außerorts
Technische Daten
| Kia Picanto 1.0 | ||
| Hubraum | cm³ | 998 |
| Zylinder/Schadstoffklasse | 3/Euro 5 | |
| Leistung | kW (PS) | 51 (69) |
| bei Motordrehzahl | min-1 | 6200 |
| Max. Drehmoment | Nm | 95 |
| bei Drehzahl | min-1 | 3500 |
| Kohlendioxid-Ausstoß | g/km | 99 |
| Kia Picanto 1.0 | ||
| Max. Geschwindigkeit | km/h | 153 |
| 0 bis 100 km/h | sek | 14,4 |
| Kia Picanto 1.0 | ||
| Karosserie | 5-türig | |
| Kofferraumvolumen | l | 200-870 |
| Reifendimension | 155/70 R13 | |
| Fahrzeuglänge | mm | 3595 |
| Fahrzeugbreite | mm | 1595 |
| Fahrzeughöhe | mm | 1480 |
| Radstand | mm | 2385 |
| Spurweite vorne | mm | 1421 |
| Spurweite hinten | mm | 1424 |
| Leergewicht | kg | 920 |
| Zuladung | kg | 420 |
| Anhängerlast ung. | kg | 400 |
| Anhängerlast gebr. | kg | 700 |
| Stützlast | kg | 28 |
| Kia Picanto 1.0 | ||
| Verbrauch EG-Mix | l/100 km | 4,2 S |
| ACE-Testverbrauch | l/100 km | 7,4 S |
| Tankinhalt | l | 35 |
| Reichweite | km | 833 |
| Kia Picanto 1.0 | ||
| Preis ab Werk | Euro | 9390 |





