Fahrbericht: Lada Priora 2172 LPG
Vorzeige-Russe
Lada Priora 2172 GPlus (LPG)
Im Vergleich zu anderen Lada-Modellen ist die Optik des Priora ein Fortschritt
Lada Priora 2172 GPlus (LPG)
Im Innenraum regiert das Plastik. Die Instrumente sind aber übersichtlich angeordnet
Lada Priora 2172 GPlus (LPG)
Die Sitze in schwarz-blauem Retro-Look sind weich gepolstert, wie das heimische Sofa
Lada Priora 2172 GPlus (LPG)
Das Umlegen ist allerdings umständlich und eine ebene Fläche erhält man nicht
Lada Priora 2172 GPlus (LPG)
Tolle Sache: Gas im Tank. Die Anzeige versteckt sich ganz unten in der Mittelkonsole
Lada Priora 2172 GPlus (LPG)
Adapter nicht vergessen! Zur Not haben die Tankstellen aber meist ein Sortiment parat
Seit rund einem Jahr steht der Lada Priora als Stufen- und Fließheckversion bei deutschen Händlern zum Verkauf. Der Kombi soll im April dieses Jahres folgen. Als erstes Modell des russischen Herstellers bringt der Kompakte serienmäßig ABS mit. Und auch optisch bedeutet der Vorzeige-Russe für Lada einen großen Schritt nach vorn. ACE LENKRAD hat den Priora in der deutlich schickeren Fließheckvariante und mit Autogasanlage (LPG) getestet.
Karosserie und Innenraum
"Der sieht ja eigentlich gar nicht so schlecht aus", lautet eines der Komplimente, das der Priora dem Autokenner beim ersten Anblick entlockt. Auch wenn der Priora vielleicht nicht unbedingt für einen Schönheitswettbewerb prädestiniert ist, vor allem die Frontpartie mit den abgerundeten Scheinwerfern und der Chromspange im Kühlergrill wirkt wesentlich moderner als bei den wenig eleganten Schwestermodellen. Ansonsten ist das Design der Fließheck-Limousine grundsolide und erinnert – gerade in der Heckansicht – ein wenig an den Ford Escort oder frühere Astra-Modelle. Sicher: Innovativ ist anders, unangenehm auffallen wird man mit dem Priora aber keineswegs.
Im Innern sieht es da leider schon etwas anders aus. Bon jour Tristesse: Die grau in grau gehaltenen Plastik-Armaturen passen vielleicht farblich zum russischen Winter, stimmen aber nicht gerade fröhlich. Und auch die Sitzbezüge in schwarz-blauem Retromuster reißen da nicht viel heraus. Die Sitze selbst sind so weich gepolstert, wie der heimische Diwan – Rückenprobleme sind da fast schon vorprogrammiert.
Das Platzangebot im Priora ist nicht gigantisch, aber für normal gewachsene Passagiere ausreichend – nur auf den vorderen Plätzen fühlt man sich doch etwas beengt. Ablageflächen sind dagegen Mangelware. Die Box in der Mittelkonsole fasst kaum mehr als eine Geldbörse und in die Fächer in den vorderen Türen passt keine noch so kleine Getränke-Flasche. Dafür verfügt der Lada über ein Brillenfach im Dachhimmel und merkwürdigerweise in allen vier Türen über je ein winziges Fach. Ob dieses von den russischen Ingenieuren zum Deponieren von Süßigkeiten auf Langstreckenfahrten oder als Münzablage für Vielparker gedacht war, bleibt wohl ein Rätsel.
Die Rückbank lässt sich im Verhältnis 60:40 umklappen, so dass auch längere Gegenstände transportiert werden können. Zum Umlegen müssen zunächst die Kopfstützen entfernt und die Sitzfläche hochgeklappt werden. Die Handhabung ist jedoch ein wenig umständlich und man muss schon mehrfach ziehen und rütteln, bis es richtig funktioniert. Eine wirklich ebene Fläche erhält man am Ende trotzdem nicht.
Da sich in der Reserveradmulde der Gastank befindet, und sonst kein weiteres Fach vorhanden ist, müssen Reifenkit, Wagenheber et cetera wohl oder übel lose im Kofferraum mitgeführt werden. Dieser ist mit einem Volumen von 307 Litern zwar nicht gerade üppig, bei umgelegter Rückbank fasst der Priora aber immerhin bis zu 1208 Liter.
Sicherheit und Bedienung
Die Ausstattung im Priora ist, selbst im vollausgerüsteten Testwagen, ziemlich überschaubar – entsprechend einfach ist auch die Bedienung. Da wären nur die manuelle Klimaanlage (1200 Euro), das CD-Radio (460 Euro) und der serienmäßige Bordcomputer in der Instrumententafel zu nennen: Alles übersichtlich angeordnet und da, wo es hingehört. Einzig die Leuchtdioden-Anzeige für den Gastank ganz unten in der Mittelkonsole ist äußerst ungünstig angebracht und schwer einsehbar. Sicherheitstechnisch erfüllt der Lada die Minimalanforderungen: Airbags für Fahrer- und Beifahrer, Dreipunkt-Sicherheitsgurte und ABS serienmäßig. Nebelscheinwerfer gibt es optional für 250 Euro, ESP sucht man allerdings – auch gegen Aufpreis – vergebens.
Antrieb und Fahrwerk
Ein etwas rauer 1,6-l-Benziner (96 PS) treibt den Priora an. Damit ist der Lada zwar nicht gerade spritzig unterwegs, drückt man das Gas aber ordentlich durch, stellt der Motor mit kurzer Verzögerung ordentlich Leistung bereit. Hat man den Russen erst mal in Schwung gebracht und hält ihn entsprechend bei Laune, schwimmt er auch auf der Autobahn passabel im Verkehr mit.
Schwimmen ist leider auch das richtige Stichwort für die Lenkung des Kompaktmodells, die ziemlich indirekt ausfällt. Wie ein Steuermann auf hoher See muss man das Ruder stets fest im Griff haben, um nicht ins Schlingern zu geraten. Aber sobald man sich daran gewöhnt hat, ein bisschen fester zuzupacken, erweist sich der Lada ansonsten als äußerst gutmütig.
Nur auf glatter Straße und in engen, schnell gefahrenen Kurven schiebt der Lada gern ein wenig Richtung Fahrbahnrand. Da der Priora nicht über ESP verfügt, empfiehlt es sich generell, das Blut des Russen nicht zu sehr in Wallung zu versetzen und es etwas langsamer angehen zu lassen.
Umwelt und Kosten
Der günstige Preis war immer das schlagende Kaufargument für einen Lada. Bis vor kurzem gab es nur wenige Hersteller, die Autos unter 10.000 Euro anboten. Allen voran drängte die rumänische Renault-Tochter Dacia in diesen Markt. Doch seit der Abwrackprämie ist die Zahl der Konkurrenten deutlich gestiegen.
Der Priora ist ab 9750 Euro als Stufenheckversion zu haben, die Fließheckvariante kostet 240 Euro mehr. Hinzu kommen 2350 Euro für die Autogasanlage. Der Einstiegspreis für den Priora GPlus beläuft sich also auf 12.340 Euro. Damit relativiert sich der günstige Einstiegspreis – zumal andere Hersteller in der Basisausstattung für gleiches Geld mehr zu bieten haben.
Ob sich der Aufpreis für die Gasanlage rechnet, hängt letztendlich vom individuellen Verbrauch und der Fahrleistung ab. Immerhin kostet der Liter LPG derzeit nur 63 Cent, also rund die Hälfte des Benzinpreises. Kalkuliert man den um etwa 15 bis 20 Prozent höheren Verbrauch im Gasbetrieb mit ein, liegen die Kosten immer noch bei etwa 60 bis 70 Prozent des Spritpreises. Im reinen LPG-Testbetrieb von ACE LENKRAD verbrauchte der Priora 8,3 Liter Flüssiggas. Der Verbrauch im Benzinbetrieb liegt laut Hersteller bei 7,9 Liter Super.
Für die Umwelt lohnt sich die Anlage aber in jedem Fall, denn bei der Verbrennung von Autogas entsteht so gut wie kein Schwefeldioxid, Ruß und andere luftverunreinigende Partikel treten praktisch nicht auf. Und auch der CO2-Ausstoß (Benzinbetrieb: 134 g/km) verringert sich bei Flüssiggas um rund 15 Prozent.
Fazit
Der Priora ist ein grundsolides Auto für wenig Rubel. Auch wenn Optik und Ausstattung nicht ganz "State of the Art" sind, gewöhnt man sich doch schnell an den eigentümlichen Charme des Russen. Nur in Punkto Sicherheit sollte Lada noch nachlegen. ESP gehört heutzutage serienmäßig in jedes Fahrzeug. Die Gasanlage ist dagegen eine tolle Sache – nicht ohne Grund springen immer mehr Hersteller auf diesen Zug auf.
Plus: günstiger Einstiegspreis, umweltschonende Gasanlage, einfache Bedienung, Motor mit ordentlicher Leistung
Minus: schwammige Lenkung, kein ESP, billige Plastiklandschaft im Innenraum, Gasanzeige schwer einsehbar
Technische Daten
| Lada Priora 2172 LPG | ||
| Hubraum | cm³ | 1596 |
| Zylinder/Schadstoffklasse | 4/Euro 4 | |
| Leistung | kW (PS) | 71 (96) |
| bei Motordrehzahl | min-1 | 5600 |
| Max. Drehmoment | Nm | 145 |
| bei Drehzahl | min-1 | 4000 |
| Kohlendioxid-Ausstoß | g/km | 134 (Benzinbetrieb) |
| Lada Priora 2172 LPG | ||
| Max. Geschwindigkeit | km/h | 183 |
| 0 bis 100 km/h | sek | 11,5 |
| Lada Priora 2172 LPG | ||
| Karosserie | 5-türig | |
| Kofferraumvolumen | l | 307-1208 |
| Fahrzeuglänge | mm | 4210 |
| Fahrzeugbreite | mm | 1680 |
| Fahrzeughöhe | mm | 1420 |
| Lada Priora 2172 LPG | ||
| Verbrauch EG-Mix | l/100 km | 7,9 S |
| ACE-Testverbrauch | l/100 km | 8,3 LPG |
| Lada Priora 2172 LPG | ||
| Preis ab Werk | Euro | 12.340 |





