Vorstellung: Elektroautos

Unter Strom

01.05.2011 09:03

In weniger als zehn Jahren sollen rund eine Million Stromer in Deutschland unterwegs sein, so lautet zumindest das Ziel der Bundesregierung.


Ohne die entsprechenden Kaufanreize, wie es sie zum Beispiel in Frankreich gibt, dürfte dieses Vorhaben jedoch recht schwer umzusetzen sein. Denn die ersten Elektro-Autos kosten viel und bieten nicht das gewohnte Nutzungspotenzial konventioneller Kraftfahrzeuge. Andererseits sind sehr viele Berufstätige maximal 20 bis 30 Kilometer am Tag unterwegs, um vom Wohnort an den Arbeitsplatz und wieder zurück zu gelangen: das perfekte Anforderungsprofil für die aktuellen Stromer. Sie bringen ihre Passagiere nahezu lautlos von A nach B und über Nacht bzw. während der Arbeit bleibt genug Zeit für die stundenlangen Ladeprozeduren.

Wir stellen Ihnen nicht nur zehn interessante E-Vertreter vor, sondern berichten auch von Ausfahrten mit dem originellen Twizy (siehe Für die Sommer-Sause) von Renault und dem Chevrolet Volt (siehe Ein Volt für alle Fälle) und dem i-MiEV von Mitsubishi (siehe Lokal emmisionsfrei), der das E-Rennen gewonnen hat.

Audi E-Tron

Gesellenstück
Seit Audi vor zwei Jahren in Frankfurt den Ur-"E-tron" zeigte, wurden unter diesem Namen verschiedene Studien mit Hybrid- oder Elektroantrieb vorgestellt. Ende 2012 soll der e-tron nun in einer Manufaktur in Neckarsulm als Kleinserie produziert werden. Der optisch an den R8 angelehnte Hochleistungssportwagen wird ausschließlich von vier Elektromotoren (insgesamt 313 PS) angetrieben und bringt 200 km/h Spitze. Die Kraft kann einzeln auf die Räder verteilt werden, der e-tron ist also ein Allradler. Die Lithium-Ionen-Akkus (42,4 kWh) liefern Energie für 250 Kilometer. Mit Starkstrom sind sie in 2,5 Stunden wieder voll.

Citysax

Umgerüstet
Das Elektromobil Citysax basiert auf dem Chevrolet Matiz. Von einer Dresdner Firma erhält das Basismodell einen Drehstromantrieb (max. 35 PS), der mit Lithium-Eisenphosphat-Batterien (13 kWh) gespeist wird. Die Höchstgeschwindigkeit des Citysax beträgt 130 km/h, die Reichweite bei Tempo 50 rund 120 Kilometer. Die Batterie wird an einer waschmaschinentauglichen 230-V-Steckdose aufgeladen (Dauer ca. acht Stunden). Gegen Aufpreis gibt es auch ein Starkladegerät (3463 Euro), mit dem die Ladung nur zwei bis drei Stunden dauert. Die Garantie für die umgebauten Teile übernimmt der Umrüster. Preis: 39.499 Euro.   

Luis 4 U Green

Kooperiert
Das Mini-SUV Luis 4 U geht aus einem Joint Venture des schleswig-holsteinischen Autozulieferers Luis Motors und eines chinesischen Partners hervor. Dieser liefert Karosserie und Fahrwerk, die Deutschen die Antriebstechnik. In der Basisversion ist der Luis mit einem 37-PS-Elektromotor ausgestattet, der von einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie (25 kWh) gespeist wird. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt – je nach Softwareversion – bis zu 120 km/h. Bei 230 Volt braucht der Akku zum Laden sechs bis acht Stunden, an der Schnellladestation 20 Minuten. Die Reichweite beträgt rund 200 Kilometer. Ab 39.900 Euro.

Mercedes SLS AMG E-Cell

Vorzeigeobjekt
Was möglich ist mit einem Elektroauto, will Mercedes mit seinem quietschgelben Super-Sportwagen vorführen. Die Elektrovariante aus Affalterbach leistet mit 533 PS (880 Newtonmeter) fast genauso viel wie der SLS AMG mit herkömmlichem 6,3-l-V8-Benziner. Die vier Radnaben-Motoren bringen den E-Sportler mit permanentem Allradantrieb in nur vier Sekunden auf 100 km/h. Die Reichweite der 324 Lithium-Ionen-Polymerzellen (48 kWh) soll 150 Kilometer betragen – bei sparsamer Fahrweise wohlgemerkt. Der SLS AMG E-Cell war zunächst nur als Ausblick auf eine mögliche Kleinserie gedacht, soll aber ab 2013 tatsächlich zu kaufen sein.

Mini E

Vorgängermodell
Auf Basis des Mini wurde 2008 auf der Los Angeles Auto Show  die Elektro-Variante Mini E präsentiert. Das mit einem 204 PS starken Motor angetriebene E-Mobil ist mit einer Lithium-Ionen-Batterie (35 kWh) ausgestattet und hat eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern. Wie das kürzlich vorgestellte Konzeptauto BMW Active E dient es zur Erprobung des Elektroantriebs. Seit 2009 wurden in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland Feldversuche mit insgesamt 600 E-Minis durchgeführt. Aktuell läuft in Berlin die zweite Versuchsreihe, in der 70 Minis an ausgewählte Privatpersonen und Flottenkunden vergeben werden. In früheren Tests wurde bei den Nutzern eine spezielle Ladestation in der Garage installiert. Diesmal suchte man gezielt Laternenparker aus, die ohne eigenen Stellplatz auf öffentliche Ladestationen angewiesen sind. Die Erkenntnisse aus den Feldversuchen fließen in die Entwicklung eines Serienmodells ein, das BMW ab 2013 als Megacity Vehicle unter der jüngst gegründeten Submarke "i" produzieren will. Der Mini E wird also möglicherweise nur ein Lückenbüßer bleiben.

Nissan Leaf

Groß in Serie
Als Prototyp stellte Nissan den Leaf erstmals 2009 vor. Seit Dezember 2010 ist das erste in Großserie produzierte Elektroauto schon in Japan und den USA auf der Straße. Bis Ende des Jahres soll der Leaf auch hierzulande zu kaufen sein. Im Gegensatz zu anderen Modellen wurde der Leaf von Anfang an für den E-Antrieb konzipiert. Die Energie für den 109 PS starken Elektromotor liefern 48 flache Lithium-Ionen-Batterien, die im Unterboden verbaut sind. Sie wurden in Zusammenarbeit mit dem japanischen Elektronikkonzern NEC ent- wickelt und können die doppelte Menge an Energie speichern (24 kWh) wie frühere Akku-Generationen. Die Reichweite beträgt bis zu 175 Kilometer. Dann muss das kompakte Familienauto für sieben bis acht Stunden an die Steckdose. Öffentliche Schnellladestationen mit Starkstrom füllen die Batterie in 30 Minuten zu 80 Prozent auf. Das Navigationssystem berechnet die Route zur nächsten Station. Unterhalb von 30 km/h erzeugt ein Soundsystem künstliche Fahrgeräusche, um Fußgänger zu warnen. Der offizielle Preis für Deutschland steht noch nicht fest, dürfte jedoch um 35.000 Euro liegen.

Opel Ampera

Mit Unterstützung
Genau genommen ist der ebenfalls 2009 erstmals präsentierte Ampera ein umgekehrter Hybrid. Das 150 PS starke Fahrzeug ist primär für den elektrischen Antrieb ausgelegt. Geht die Batterie zur Neige, schaltet sich ein Verbrennungsmotor zu, der über einen Generator Strom für den Akku erzeugt. Im reinen E-Betrieb hält die Lithium-Ionen-Batterie (16 kWh) durchschnittlich etwa 60 Kilometer. Dank der Unterstützung durch den Benzinmotor soll sich die Reichweite auf bis zu 500 Kilometer verlängern. Durch regeneratives Bremsen wird zusätzlich Energie gewonnen. Das Aufladen erfolgt über eine 230-Volt-Steckdose und dauert vier Stunden. Der Ampera kann in verschiedenen Modi gefahren werden, darunter ein Bergmodus, bei dem der Benziner schon früher zugeschaltet wird, und ein Sportmodus. Sportlich ist auch die Beschleunigung des E-Flitzers: Nur neun Sekunden braucht er von null auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt allerdings nur 161 km/h. Der Opel Ampera kommt bis Ende des Jahres zum europaweiten Einheitspreis auf den Markt und ist bereits bestellbar: ab 42.900 Euro.

Tazzari Zero

Importiert
Seit zwei Jahren wird der Tazzari Zero bereits im italienischen Imola gebaut. In Deutschland vertreibt die Smiles AG den City-Floh, der dank einer Aluminiumrahmenstruktur nur 542 Kilo wiegt. Sein Drehstrom-Asynchronmotor (20 PS) beschleunigt den Tazzari auf 100 km/h Spitze. Die Lithium-Ionen-Batterien (12,3 kWh) für den Hecktriebler sind unter den Sitzen und im vorderen Teil des Fahrzeugs verteilt. Reichweite: 140 Kilometer. Die Ladezeit beträgt mit dem 220-V-Standardladegerät neun Stunden. Schnellladegeräte sind optional erhältlich. Der Grundpreis für den Tazzari Zero liegt bei 24.499 Euro.   

Tesla Roadster

Pionierleistung
Eine kleine Sensation war 2008 die Einführung des Tesla Roadsters. Die kalifornischen Entwickler bauten ganz einfach 7000 Lithium-Ionen-Zellen (56 kWh), wie sie auch in handelsüblichen Laptop-Akkus verwendet werden, in ihren zweisitzigen Sportwagen. Der erste E-Sportler leistet 288 PS, fährt rund 200 km/h schnell und beschleunigt in vier Sekunden auf Tempo 100. Mit vollen Batterien kommt der Tesla Roadster bis zu 350 Kilometer weit. Trotz des Achtungserfolges soll aber spätestens nach 2500 gebauten Einheiten Schluss sein. Mit dem Model S bringt Tesla 2012 eine Oberklasse-Limousine mit Elektroantrieb auf den Markt.

VW Golf Blue-E-Motion

Nachfolgegeneration
In den Neunzigern experimentierte Volkswagen bereits mit dem Elektroantrieb. Zwischen 1993 und 1996 wurde eine Kleinserie von 120 CityStromern auf Basis des Golf III gebaut – als Energielieferant dienten damals 16 Blei-Gel-Batterieblöcke unter dem Kofferraumboden. Der Elektromotor der aktuellen Studie (maximal 115 PS und 270 Newtonmeter) wird dagegen von 30 Lithium-Ionen-Batterien angetrieben (26,5 kWh), die für eine Strecke von 160 Kilometern ausreichen. Der Golf  blue-e-motion beschleunigt in 11,8 Sekunden von null auf hundert, ist aber auf 135 km/h begrenzt. Zusätzliche Energie erhält die Batterie durch die sogenannte Rekuperation beim Bremsen. Wie stark der Golf dabei zur Energiegewinnung gebremst wird, lässt sich in vier Stufen einstellen. Außerdem stehen drei Fahrprofile zur Auswahl: Im Comfort-Modus bringt der Golf die volle Leistung, im Normal-Modus nur 88 PS. Im Range-Modus ist die Leistung auf 68 PS begrenzt. Die Höchstgeschwindigkeit in dieser Einstellung beträgt nur 105 km/h. Dafür erzielt man so die größte Reichweite. Der Golf blue-e-motion soll Ende 2013 in Serie gehen.

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- Fahrbericht Mitsubishi i-MiEV, Lokal emmisionsfrei



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