Fahrbericht: Chevrolet Orlando

Straßenkreuzer für Familien

01.12.2011 12:01

Neben seiner auffällig stämmigen Optik bietet der Chevrolet Orlando auch einen höchst variablen Innenraum mit viel Platz. Doch das Beste ist sein attraktiver Preis.



Chevrolet Orlando

Hinter der bulligen Front des Orlando versteckt sich die Fahrzeugarchitektur des neuen Opel Zafira Tourer

Chevrolet Orlando

Der Chevrolet aus Korea zeigt vor allem im Cockpit seine enge technische Verwandtschaft zu Opel-Modellen

Chevrolet Orlando

Zum Entern der serienmäßigen Sitze sechs und sieben in der dritten Reihe ist Gelenkigkeit notwendig

Chevrolet Orlando

Während der Laderaum des Orlando fünfsitzig 466 Liter beträgt, schluckt er als Zweisitzer bis zu 1594 Liter

Chevrolet Orlando

Zwar klingt der 2,0-l-Diesel recht kernig, leistet dafür aber auch 163 PS und stemmt bis zu 360 Newtonmeter

Chevrolet Orlando

Hinter dem Radio - beziehungsweise Navigationsbedienteil verbirgt sich eine mit Samt ausgekleidete Ablage

Chevrolet Orlando

Der Innenraum des Chevrolet wartet mit vielen, praktischen Ablagen auf, wie hier im Kofferraumboden

Hinter der mächtigen Front des Chevrolet Orlando ist bereits die Architektur des Konzern-Bruders aus Rüsselsheim verbaut. Doch während sich sein deutscher Kollege bis jetzt mit dem Marktstart Zeit lässt, geht die Großraumlimousine mit dem großen Chevrolet-Logo schon seit März dieses Jahres auf Käuferfang. Und das mit viel Erfolg. Wen wundert’s?


Karosserie und Innenraum
Mit 4,65 Meter Außenlänge überragt der Orlando Konkurrenten, wie den Ford Grand C-Max um mehr als zehn und den Touran von VW sogar um 25 Zentimeter. Dementsprechend großzügig fällt auch der erste Raumeindruck aus. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Sitzreihe ist das Platzangebot mehr als ausreichend. Hier fällt auch nicht so sehr die, durch die annähernden SUV-Proportionen bedingte, flache Dachpartie auf, wie auf den beiden Einzelsitzen der dritten Reihe. Doch selbst mit 1,80 Meter Körpergröße findet man, die notwendige Gelenkigkeit für das Entern der Notsitze vorausgesetzt, auch ganz hinten im Orlando ausreichend Platz. Bedingung für ein Mindestmaß an Beinfreiheit ist jedoch, dass die – in der Neigung verstellbaren – Rückenlehnen der zweiten Sitzreihe in nahezu aufrechte Position gebracht werden. Überhaupt bieten die Sitze eine angenehm straffe Polsterung und genügend Seitenhalt. Die Variabilität der Formation aus den serienmäßig sieben Sitzen ist durchschnittlich. Andere Vertreter des Segments zeigen vor allem in der zweiten Reihe mehr Kombinationsfreude.  


Sicherheit und Bedienung
Im Cockpit fallen die diversen Gleichteile aus dem GM-/Opel-Konzern ins Auge. Doch während der neue Zafira Tourer und der Astra mit hochwertigen Oberflächen überzeugen, wird im Amerikaner mit koreanischen Wurzeln der Ansatz des Rotstifts deutlich. Die Materialien schmeicheln zwar weniger der Haut und den Augen, sind aber routiniert verarbeitet. Die Ablesbarkeit des blau illuminierten Kombiinstruments geht in Ordnung, wobei der Kontrast bei ungünstigen Lichtbedingungen zu niedrig ausfällt. Positiv fallen die unzähligen Ablagemöglichkeiten auf. Ein Staufach befindet sich hinter dem Radiobedienteil, das im Ganzen nach oben geklappt werden kann. Hier wartet eine mit samt ausgekleidete und mit den Anschlussmöglichkeiten (USB und Aux) Box auf externe Musikgeräte. Ebenso wie das Multifunktionslenkrad gehört auch eine recht ordentliche Sicherheitsausstattung zum Serienumfang. Allerdings finden sich keine innovativen Elemente sowohl auf der aktiven als auch auf der passiven Seite. Sechs Airbags, ESP und ABS mit Bremsassistent das ist solide aber nichts Neues. Dennoch befindet sich die passive Sicherheit auf hohem Niveau, wie das Erreichen der Höchstwertung von fünf Sternen beim Euro NCAP bestätigt.  


Antrieb und Fahrwerk
Ganz auf der sicheren Seite befindet sich auch die Fahrwerksauslegung. Der Kompromiss aus hohem Komfort und guter Straßenlage begeister, vor allem unter Anbetracht der des hohen Leergewichts. Trotz seiner knapp 1700 Kilo lässt sich der Orlando, mit seiner rein hydraulisch unterstützten Lenkung, zielgenau auch um enge Kurvenradien dirigieren. Der Federungskomfort auf Langstrecken gehört im Kompakt-Segment definitiv zur Spitzgruppe. So viel dem Chevy das eigene Gewicht beim Bügeln von Straßenunebenheiten auch nutzt, so sehr zügelt es das Temperament des 2.0-l-Diesels. Das 163 PS und 360 Newtonmeter leistende Aggregat hat zwar keine große Mühe mit dem Orlando, doch so rasant, wie im leichteren Cruze geht es im siebensitzigen Van naturgemäß nicht zu. Gekoppelt ist der Selbstzünder an ein manuelles Sechsganggetriebe, das sich durch präzise wenn auch recht lange Schaltwege auszeichnet.  


Umwelt und Kosten
Leider leiden nicht nur die Fahrleistungen unter dem hohen Gewicht, sondern ebenfalls der Verbrauch. Jedenfalls hat der moderne Common-Rail-Diesel im Testschnitt 8,1 Liter auf 100 Kilometer verbraucht und auch bei gezügelten Landstraßen-Touren kamen wir nicht unter die 7-l-Marke. Damit ist der Unterschied zum EG-Mix-Wert von glatten sechs Litern deutlich zu hoch. Abgesehen von der miserablen Aerodynamik, die diese Karosserieform mit sich bringt, ist auch die Abstinenz von Spritspar-Maßnahmen, wie Start-Stopp-Automatik oder Bremsenergie-Rückgewinnung zu beklagen. Alles andere als Klagen verdient sich dagegen die attraktive Preisgestaltung des Orlando. In Verbindung mit dem 163-PS-Diesel kostet die Großraumlimousine erschwingliche 23.290 Euro (130-PS-Diesel: ab 22.390 Euro). Dabei sind beim getesteten LT+ bereits Nebelscheinwerfer, eine Klimaautomatik, ein CD-Radio mit sechs Lautsprechern und die hintere Einparkhilfe serienmäßig verbaut.  


Fazit
Mit viel Ausstattung und günstigen Preisen empfiehlt sich der Chevrolet Orlando für nicht nur für Familien. Dank seines guten Langstrecken-Komforts dürfte er auch Vielfahrer mit raumgreifenden Transportaufgaben überzeugen, denn die deutschen Konkurrenten sind ausstattungsbereinigt um einige Tausender teurer.  

Plus: sehr gutes Platzangebot, agil, kräftiger Diesel, preiswert, variabel

Minus: Windgeräusche, relativ lauter Motor, nach vorn unübersichtlich


Technische Daten

Motor
  Chevrolet Orlando 2.0 LT+
Hubraum cm³ 1598
Zylinder/Schadstoffklasse   4/Euro 5
Leistung kW (PS) 120 (163)
bei Motordrehzahl min-1 3800
Max. Drehmoment Nm 360
bei Drehzahl min-1 2000
Kohlendioxid-Ausstoß g/km 159
Fahrleistung
  Chevrolet Orlando 2.0 LT+
Max. Geschwindigkeit km/h 195
0 bis 100 km/h sek 10,0
Karosserie / Innenraum
  Chevrolet Orlando 2.0 LT+
Karosserie   5-türig
Kofferraumvolumen l 101-1594
Fahrzeuglänge mm 4652
Fahrzeugbreite mm 1836
Fahrzeughöhe mm 1633
Verbrauch
  Chevrolet Orlando 2.0 LT+
Verbrauch EG-Mix l/100 km 6,0 D
ACE-Testverbrauch l/100 km 8,1 D
Preise und Kosten
  Chevrolet Orlando 2.0 LT+
Preis ab Werk Euro 23.290

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