Fahrbericht: Fiat 500 C 1.4 16V
Sommerhit
Fiat 500 C 1.4 16V
... der ersten Version aus dem Jahr 1957. Damals war Blech so teuer, dass man sich für ein Stoffdach entschied
Fiat 500 C 1.4 16V
Der Blick zum Himmel ist frei – die Dachsäulen trüben das Vergnügen nicht. Und genügend Platz für vier Personen bietet der kleine Italiener auch
Das Wetter passt. Seit Wochen liegt Deutschland unter einem Dauerhoch. Temperaturen um 35 Grad machen den Juli und August zu einem der heißesten Sommer der letzten Jahrzehnte. Cabrio-Wetter! Zeit für den Fiat 500 C – die offene Version des italienischen Verkaufsschlagers. Zugegeben, der Kleine ist kein vollwertiges Cabrio, das den kompletten Innenraum freilegt – der Fiat 500 C ist vielmehr eine Cabriolimousine, bei der im geöffneten Zustand die B- und C-Säule stehen bleiben.
Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1957, als der Nuova 500 mit dem großen Faltdach die Herzen vieler Italiener eroberte und die Massen in unserem Nachbarland motorisierte. Damals war die Version mit Stoffdach eher eine Verlegenheitslösung, da Blech recht teuer war, das Auto aber preiswert sein musste. Der Beliebtheit hat es nicht geschadet – im Gegenteil. Die Neuauflage, die bereits ab 13.800 Euro beim Händler steht, macht es dem Piccolo von damals nach. Er spricht auch die Herzen an. Im Test der 500 C 1.4 16 V mit 100 PS (ab 15.800 Euro).
Karosserie und Innenraum
Die Zeiten ändern sich. Während beim Ur-Modell mit Zweizylinder-Heckmotor (13,5 PS) das Faltdach noch mühsam aufgeschoben und auf der Motorhaube festgezurrt werden musste, reicht beim 500 C ein simpler Knopfdruck und das mehrlagige Stoffverdeck gibt innerhalb von 16 Sekunden den Himmel frei – und zwar in zwei Stufen: Im ersten Schritt fährt das robuste Softtop bis zur Heckscheibe; im zweiten wird die komplette Konstruktion samt Scheibe bis zur Heckklappe abgesenkt. Der Zugang zum 182 Liter großen Ladeabteil ist deswegen aber nicht versperrt; der schmale Deckel lässt sich dank einer speziellen Kinematik – die gesamte Konstruktion wird leicht angehoben – problemlos öffnen und der Kofferraum beladen. Sprudelkisten und Taschen schluckt der höhlenartige Gepäckraum, der sich durch Umklappen der Lehnen problemlos erweitern lässt, anstandslos. Dabei muss man sich nicht einmal groß verrenken.
Auch das Platzangebot erfordert keine turnerischen Fähigkeiten. Vorn thronen die Passagiere auf den gut konturierten, aber knapp geschnittenen Sitzen etwas hoch, aber das Raumgefühl ist dennoch gut. Es zwickt nichts und Beklemmungen kommen nicht auf –nicht einmal im Fond. Für ein Stadtauto sind Bein- , Ellenbogen- und Kopffreiheit tolerierbar. Außer man gehört zur Kategorie Sitzreise.
Ist das Dach aber erst einmal offen, interessiert das die Passagiere kaum noch. Jetzt ist der Fünfhundert in seinem Element. Dann heißt es: Sommer, Sonne, Sonnenschein. Der Wind pfeift frisch durch die Sitzreihen. Wem das Getöse zu wild wird, betätigt einfach wieder den magischen Knopf – das funktioniert bis 60 km/h und macht immer noch reichlich Eindruck auf Passanten.
Zudem begeistert der 500 C mit einem nostalgisch angehauchten Interieur, das sich mit frechen Farben, viel Schick und guter Qualität in Szene setzt. Vor allem das Cockpit begeistert mit seiner pfiffigen Anmutung und einer guten Haptik. Die Qualität ist absolut stimmig. Die Karosserie ist grundsolide, selbst bei offenem Dach zappelt der Italiener nicht. Das zeugt von einer verwindungssteifen Konstruktion.
Sicherheit und Bedienung
Und solide sollte die Karosserie auch im Ernstfall sein. Beim EuroNCAP-Crashtest konnte die geschlossene Variante bereits ihr Können unter Beweis stellen. Im Fiat 500 sitzen die Passagiere sicher. Sechs Airbags und ein Knieairbag für den Fahrer sind an Bord. Darüber hinaus verfügt der Italiener über Pedale, die bei einem Unfall zerbrechen. Ein effektiver Schutz für die Füße. Und nicht nur in diesem Punkt überzeugt das schlüssige Sicherheitskonzept. Features wie ESP und Bremsassistent stehen nicht in der Aufpreisliste, sondern gehören beim 500 C 1.4 16 V ab Werk zur Grundausstattung. Und an Isofix-Verankerungen haben die Macher ebenfalls gedacht. Das verdient ebenso Lob wie das Vorhandensein von einem Tagfahrlicht und der Warnblinkfunktion bei abrupten Bremsmanövern.
Kritik verdient hingegen die Rundumsicht. Im offenen Zustand ist der Blick über die Schultern durch das Dach verbaut. Darüber hinaus schränken die hinteren Dachpfosten die Sicht leicht ein. Der Fahrer kann das Geschehen hinter dem Auto dann nur noch erahnen. Nach vorn ist der Zwerg dagegen gut zu überblicken. Parken und Rangieren stellt auch dank der Parksensoren hinten keine ernsthafte Herausforderung dar. Ebenso die Bedienung. Das Ganze wirkt aufgeräumt und hat seine Logik. Lediglich die Zentralanzeige im Rundinstrument ist durch ihre verspielte Grafik schlecht zu erfassen.
Antrieb und Fahrwerk
Das Fahrwerk mit McPherson-Vorderachse und Verbundlenker-Konstruktion hinten ist in seiner Auslegung sehr verbindlich: Die Abstimmung ist straff ohne unvernünftige Härte ins Spiel zu bringen. Schlaglöcher verkraftet der 500 C erstaunlich gut. Nur kurze, schnell aufeinander folgende Wellen regen den Aufbau zu Schwingungen an. Der Komfort geht aber in Ordnung. Wie auch das Fahrverhalten. Die Lenkung agiert im Sportmodus ausreichend direkt und der Italiener folgt auch willig den Richtungsänderungen. In schnellen Passagen reagiert der Fronttriebler mit leichtem, leicht zu korrigierendem Untersteuern. Ein insgesamt gutmütiges Auto, das auch Spaß macht.
Bei der Motorisierung stellt sich aber die Gretchenfrage: Sind 100 PS für ein Stadtauto überhaupt notwendig? Eigentlich nicht, da reichen auch die 69 PS des kleinen 1,2-Liter-Aggegregats – und man spart auch noch 2.000 Euro (ESP kostet allerdings beim 1.2 8V 350 Euro Aufpreis). Setzt man den 500 C allerdings häufiger Überland oder auf Autobahnen ein, macht das größere und deutlich temperamentvollere Aggregat durchaus Sinn. Der Sechszehnventiler ist ein munterer Typ, der im mittleren Drehzahlbereich freudig zu Werke geht und sogar richtig frech wird, wenn die Drehzahlnadel zwischen 4500 und 5000/min pendelt. Dass der Vierzylinder dabei eine kernige Tonart anschlägt, stört nur, wenn der Fahrer ständig die Leistung abruft und die Gänge des gut gestuften und leicht zu schaltenden Sechsganggetriebes ausdreht.
Umwelt und Kosten
Das wiederum geht dann auf den Verbrauch, der trotz Start-Stopp-System mit 7,6 Litern zu hoch ausfällt. Werte unter sieben Litern sind mit Zurückhaltung aber durchaus erreichbar. Völlig angemessen ist dagegen der Grundpreis. 15.800 Euro verlangt Fiat für die Version 1.4 16 V Pop unter anderem mit Radio/CD, Parksensoren und elektrischen Außenspiegeln. Packt der Kunde noch einmal 2000 Euro (Ausstattung Lounge) drauf, erhält er zusätzlich eine manuelle Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, 15-Zoll-Leichtmetallfelgen, ein HiFi-System (100 Watt) und viel Chrom.
Der Clou: Der 500 C bietet reichlich Spielraum für eine Individualisierung. Ob Streifen, Zierleisten oder Embleme – dem persönlichen Geschmack sind kaum Grenzen gesetzt. Selbst das Schlüssel-Cover ist in zahlreichen Farbvarianten bestellbar. Und teuer ist dieser Spaß auch nicht. Zwischen 50 und 100 Euro kosten die einzelnen Applikationen. Die aufwendigeren Design-Sets schlagen mit 150 bis 250 Euro zu Buche.
Fazit
Der Fiat 500 C ist kein reinrassiges Cabrio, aber ein gut gemachter und solide verarbeiteter Cabrio-Verschnitt, der richtig Freude macht. Und der Preis stimmt auch: 15.800 Euro sind angemessen und eine Versuchung allemal wert.
Plus: ordentliche Platzverhältnisse, gute Verarbeitung, problemloses Fahrverhalten, kräftiger Motor, umfangreiche Ausstattung
Minus: eingeschränkte Übersicht nach hinten, leichtes Stuckerneigung der Federung, etwas zu hoher Verbrauch
Technische Daten
| Fiat 500 C 1.4 16V | ||
| Hubraum | cm³ | 1368 |
| Zylinder/Schadstoffklasse | 4/Euro 5 | |
| Leistung | kW (PS) | 73,5 (100) |
| bei Motordrehzahl | min-1 | 6000 |
| Max. Drehmoment | Nm | 131 |
| bei Drehzahl | min-1 | 4250 |
| Kohlendioxid-Ausstoß | g/km | 140 |
| Fiat 500 C 1.4 16V | ||
| Max. Geschwindigkeit | km/h | 182 |
| 0 bis 100 km/h | sek | 11,0 |
| Fiat 500 C 1.4 16V | ||
| Karosserie | 2-türig | |
| Kofferraumvolumen | l | 182-520 |
| Fahrzeuglänge | mm | 3546 |
| Fahrzeugbreite | mm | 1627 |
| Fahrzeughöhe | mm | 1488 |
| Fiat 500 C 1.4 16V | ||
| Verbrauch EG-Mix | l/100 km | 6,1 S |
| ACE-Testverbrauch | l/100 km | 7,6 S |
| Fiat 500 C 1.4 16V | ||
| Preis ab Werk | Euro | 15.800 |





