Produkt-Test: Fahrrad-Dachträger
Schrecklage
Der Transport von Fahrrädern wirft in der Regel schon im Vorfeld der Biketour Fragen auf: Welche Art von System kaufen? Und welcher Träger ist wirklich gut und sicher? Drei Transportarten haben sich im Laufe der Zeit etabliert: die Variante für die Heckklappe, Träger für die Anhängerkupplung (siehe Die Rad-Geber) und die klassischen Fahrradhalter auf dem Dach. Letztere traten diesmal zum Test an. Sechs namhafte Produkte hat ACE LENKRAD zusammen mit der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) ausgesucht und in drei Disziplinen (Handhabung/ Montage, Fahrtest und Crashtest) auf Herz und Nieren geprüft – darunter ein Originalträger von Mercedes, der aber, da er ausschließlich für die Modelle des Autobauers gedacht ist, außer Konkurrenz antrat.
Video: Radträger im Test
Allen gemeinsam: Die Halterung im Test war auf einen Relingträger mit Nutstein-Schienen ausgelegt. Es gibt darüber hinaus noch die sogenannten Klemmsysteme. Eine Umrüstung ist in den meisten Fällen möglich und auch werkseitig vorgesehen. So auch bei d.frey. Von Haus aus ist der Träger auf eine Klemmhalterung ausgelegt. Der Umbau gestaltet sich allerdings unnötig schwer, weil die Grundplatte mühsam zerlegt und wieder zusammengeschraubt werden muss. Das birgt nach Meinung des Testteams zudem Gefahren. Wer beim Schrauben Fehler macht, sorgt dafür, dass die Platte an Stabilität verliert. Nicht das einzige Manko: Die Montageanleitung ist lustlos aufgebaut, schlecht verständlich – und die Angaben sind alles andere als präzise. Noch erschreckender ist die Anleitung von Fabbri. Sie verdient nicht einmal diese Bezeichnung. Auch der Zusammenbau ist beim "BICI 2000 ALU" nicht optimal gelöst. Der Kunde muss beispielsweise die Kralle, die den Rohrrahmen des Fahrrads später hält, selbst zusammenfügen. Unsere Forderung: Sicherheitsrelevante Teile sollten nie vom Geschick des Einzelnen abhängen. Wie es besser geht, zeigen die übrigen Testteilnehmer. Montage und Anleitung geben keine Probleme auf. Lob verdient Thule für seine durchdache Bedienungsanleitung.
Das Beladen von Dachträgern ist prinzipbedingt mühevoller als bei den Varianten für Heckklappe oder Kupplung. Eine clevere Lösung hat sich dazu Mercedes einfallen lassen: Beim "New Alustyle" können die Räder bereits am Boden montiert werden. Da das System nur 2,5 Kilo wiegt, lässt es sich meist ohne Hilfe mitsamt Rad auf das Dach heben und kinderleicht auf dem Grundträger festschrauben. Bei den übrigen Kandidaten geht das nicht ganz so leicht, aber echte Schwierigkeiten im Handling machte keiner. Auch in Sachen Qualität zeigten die Fahrradhalter – bis auf die Blechkonstruktion von Fabbri – kaum Schwächen. Material und Ausfertigung hinterließen generell einen guten Eindruck. Der Diebstahlschutz ebenfalls. Schlösser gehören zur Grundausstattung, wobei Atera und Thule obendrein den Träger extra sichern – und nicht nur die Kralle für die Räder. Die Ausnahme im Test: Mercedes. Die Stuttgarter lassen sich den Diebstahlschutz extra honorieren.
Und wie sicher sind die Räder auf dem Dach? Bei den Fahrprüfungen schwächelten drei Kandidaten. Vor allem schnelles Ausweichen vertragen offensichtlich nicht alle Systeme. Bei Atera brach der untere Anlenkpunkt des Stützrohrs, bei d.frey verbog sich die Grundplatte, bei Fabbri gab die ganze Konstruktion in sich nach. In allen drei Fällen blieben die Räder trotz Schieflage auf dem Dach.
Der absolute Härtetest für die Fahrradhalter ist aber der Crash mit 30 km/h. Wichtigstes Kriterium: Die Räder dürfen auch bei einer solchen Extrembelastung nicht vom Auto fliegen. Diese Anforderung erfüllten alle Testteilnehmer. Allerdings mit Unterschieden im Detail. Fest standen die Räder auf dem Mercedes-Träger und bei d.frey. Die Träger verformten sich trotz der hohen Belastungen wunschgemäß. Bei Thule löste sich dagegen die Grundplatte aus der Halterung am Träger. Bei Atera riss ein Riemen, mit dem der Reifen in seiner Position ge-halten wird, und die Kralle war so extrem verbogen, dass man das Rad anschließend nur mit Gewalt lösen konnte. Bei Mont Blanc rutschte der Radholm aus der Kralle. Am härtesten traf es das Produkt von Fabbri: Der Kopf des Stützrohrs mitsamt Kralle war gebrochen.
Fazit
Das Gros der Träger hinterlässt einen guten Eindruck. Vor allem beim Crash gibt es aber noch deutliches Verbesserungspotenzial. Wirklich überzeugen konnten in diesem wichtigen Kapitel nur zwei.
ACE-Tipp
In Extremsituationen treten hohe Belastungen auf. Deswegen sollte man, wenn es zu einem Auffahrunfall oder einem abrupten Ausweichen gekommen ist, die Träger auf Schäden untersuchen – auch wenn auf Anhieb nichts sichtbar ist. Lassen sich die Krallen nur noch schwer öffnen oder klemmt der Fahrradhalter bei der Demontage, dann ist die Konstruktion unter Umständen in Mitleidenschaft gezogen worden. Da hilft nur noch eines: austauschen!
So haben wir getestet
Die sechs Radträger für das Dach mussten sich in drei Disziplinen bewähren: Handhabung und Montage, Fahr- und Crashtest. Beim ersten Punkt achtet das Testteam beispielsweise auf die Logik der Anleitung. Unter anderem auf folgende Kriterien: grafischer Aufbau, Verständlichkeit, Ausführlichkeit und das Vorhandensein von Sicherheitshinweisen. Auch der Zusammenbau selbst wird unter die Lupe genommen. Dabei steht die Einfachheit im Vordergrund. Grundsätzlich gilt: Zusammenbau sowie die Montage des Trägers auf dem Dach und das Beladen mit den Rädern müssen auch Ungeübte ohne Schwierigkeiten und ohne Gefahr von Fehlern umsetzen können. Bei den Fahrtests wiederum werden Gefahrensituationen simuliert. Dazu zählen die Vollbremsung aus 100 km/h, das scharfe Bremsen in einer Kurve bei 100 km/h und das als "Elchtest" bekannt gewordene definierte Ausweichen in einer Pylonengasse. Die Mindestanforderung: Bei allen Tests, die jeweils mehrfach absolviert werden, müssen die Räder auf dem Dach bleiben. Kommt es zu Schäden an den Trägern, gibt es Punktabzug. Den absoluten Härtefall stellt der Crashtest dar. Hierbei wird ein Frontalaufprall mit 30 km/h nachgestellt – also eine typische Stadtszene. Fällt das Rad vom Dach, ist der Kandidat durchgefallen. Ergebnis: null Punkte. Bleiben die Räder oben, wird geprüft, wie schwer die Träger und die Verbindung zum Grundträger beschädigt wurden. Und letztlich geht auch der Preis (Träger für ein Rad) in die Wertung ein.
Info-Grafik: Alle getesteten Fahrrad-Dachträger im Überblick
Die Testsieger des Tests können Sie auch noch nach 10 Jahren erfolgreich, d.h. mit gleichen Ergebnissen testen. Anders dagegen beim unitec Fahrradträger mit horizontaler Fahrradlage. Auch ist es fraglich ob dieser wirklich so "bandscheibenfreundlich" ist. Auch ist die Befestigung u. Einstellung der Räder auf den unitec Träger nicht halb so einfach wie bei den Testsiegern.
Und verlieren Sie bloß keine Schraube vom Träger o.a., dann wird es aufregend was die Ersatzteilbeschaffung betrifft.
Testen Sie selbst! alles einfach aus...!







Großartig, dass Sie die Fahrradträger testen, wenn man den Kauf vorbereitet.
Mein Vorschlag testen Sie doch auch einmal einen Träger von unitec - Räder liegend auf dem Dach transportieren.
Mit einer Bandscheibenfreundlichen Hebeeinrichtung.
Freundliche Grüße
Horst Jürgen