Produkt-Test: Fahrrad-Dachträger

Schrecklage

01.02.2010 12:00

Sechs Markenträger mussten bei Fahr- und Crashtests von ACE und GTÜ ihre Qualitäten unter Beweis stellen.  Es blieben zwar alle Räder auf dem Dach – doch für die Hersteller gibt es noch viel Verbesserungspotential. Jetzt mit Video.


Produkttest Fahrrad-Dachträger

Erster Härtetest für die sechs Markenträger: Definiertes Ausweichmanöver in der Pylonengasse

Produkttest Fahrrad-Dachträger

Härtefall Nummer zwei: Beim Crashtest wurde ein Frontalaufprall mit 30 km/h nachgestellt

Produkttest Fahrrad-Dachträger

Verbogene Krallen, gerissene Riemen, gelöste Grundplatten: Es gibt noch Verbesserungspotential!

Der Transport von Fahr­rädern wirft in der Re­gel schon im Vorfeld der Biketour Fragen auf: Welche Art von System kaufen? Und welcher Träger ist wirklich gut und sicher? Drei Transportarten haben sich im Laufe der Zeit etabliert: die Va­riante für die Heck­­klappe, Trä­ger für die An­hängerkupplung (siehe Die Rad-Geber) und die klassischen Fahrradhal­ter auf dem Dach. Letztere traten diesmal zum Test an. Sechs namhafte Produkte hat ACE LENKRAD zusammen mit der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) ausgesucht und in drei Disziplinen (Handhabung/ Montage, Fahr­test und Crash­test) auf Herz und Nieren ge­prüft – darunter ein Origi­nal­träger von Mer­cedes, der aber, da er ausschließlich für die Mo­delle des Autobauers ge­dacht ist, au­ßer Konkurrenz antrat.

Video: Radträger im Test

Allen gemeinsam: Die Halte­rung im Test war auf einen Re­lingträger mit Nutstein-Schie­nen ausgelegt. Es gibt darüber hinaus noch die sogenannten Klemmsysteme. Eine Umrüs­tung ist in den meisten Fällen möglich und auch werkseitig vor­gesehen. So auch bei d.frey. Von Haus aus ist der Träger auf eine Klemmhalterung ausgelegt. Der Umbau gestaltet sich allerdings unnötig schwer, weil die Grundplatte mühsam zerlegt und wieder zusammengeschraubt werden muss. Das birgt nach Meinung des Testteams zudem Gefahren. Wer beim Schrauben Fehler macht, sorgt dafür, dass die Platte an Stabi­lität verliert. Nicht das einzige Manko: Die Montageanleitung ist lustlos aufgebaut, schlecht verständlich – und die Angaben sind alles andere als präzise. Noch erschreckender ist die Anleitung von Fabbri. Sie verdient nicht einmal diese Be­zeichnung. Auch der Zusam­men­bau ist beim "BICI 2000 ALU" nicht optimal gelöst. Der Kunde muss beispielsweise die Kralle, die den Rohrrahmen des Fahrrads später hält, selbst zu­sammenfügen. Unsere Forde­rung: Sicherheitsrelevante Teile sollten nie vom Geschick des Einzelnen abhängen. Wie es besser geht, zeigen die übrigen Testteilnehmer. Montage und Anleitung geben keine Pro­bleme auf. Lob verdient Thule für seine durchdache Bedie­nungsanleitung.

Das Beladen von Dachträgern ist prinzipbedingt mühevoller als bei den Varianten für Heck­klappe oder Kupplung. Eine clevere Lösung hat sich dazu Mercedes einfallen lassen: Beim "New Alustyle" können die Räder bereits am Boden montiert werden. Da das System nur 2,5 Kilo wiegt, lässt es sich meist ohne Hilfe mitsamt Rad auf das Dach he­ben und kinderleicht auf dem Grundträger festschrauben. Bei den übrigen Kandi­daten geht das nicht ganz so leicht, aber echte Schwierig­kei­ten im Handling machte keiner. Auch in Sachen Qualität zeigten die Fahrradhalter – bis auf die Blechkonstruktion von Fabbri – kaum Schwächen. Material und Ausfertigung hinterließen generell einen guten Eindruck. Der Diebstahlschutz ebenfalls. Schlös­ser gehören zur Grundausstat­tung, wobei Atera und Thule obendrein den Träger extra sichern – und nicht nur die Kralle für die Räder. Die Aus­nahme im Test: Mercedes. Die Stuttgarter lassen sich den Dieb­stahlschutz extra honorieren.

Und wie sicher sind die Räder auf dem Dach? Bei den Fahr­prüfungen schwächelten drei Kandidaten. Vor allem schnelles Ausweichen vertragen offensichtlich nicht alle Systeme. Bei Atera brach der untere An­lenk­punkt des Stützrohrs, bei d.frey verbog sich die Grund­platte, bei Fabbri gab die ganze Kon­stru­ktion in sich nach. In allen drei Fällen blieben die Räder trotz Schieflage auf dem Dach.

Der absolute Härtetest für die Fahrradhalter ist aber der Crash mit 30 km/h. Wichtigstes Kri­terium: Die Räder dürfen auch bei einer solchen Extrem­be­lastung nicht vom Auto fliegen. Diese Anforderung erfüllten alle Testteilnehmer. Aller­dings mit Unterschieden im De­tail. Fest standen die Räder auf dem Mercedes-Träger und bei d.frey. Die Träger verformten sich trotz der hohen Belastun­gen wunschgemäß. Bei Thule löste sich dagegen die Grund­platte aus der Halterung am Trä­ger. Bei Atera riss ein Riemen, mit dem der Reifen in seiner Po­sition ge-halten wird, und die Kralle war so extrem verbogen, dass man das Rad anschließend nur mit Gewalt lösen konnte. Bei Mont Blanc rutschte der Radholm aus der Kralle. Am härtesten traf es das Produkt von Fabbri: Der Kopf des Stütz­rohrs mitsamt Kralle war gebrochen.

Fazit
Das Gros der Träger hinterlässt einen guten Eindruck. Vor allem beim Crash gibt es aber noch deutliches Verbesse­rungspotenzial. Wirklich überzeugen konnten in diesem wichtigen Kapitel nur zwei.

ACE-Tipp

In Extremsituationen treten hohe Belastungen auf. Deswegen sollte man, wenn es zu einem Auffahrunfall oder einem abrupten Ausweichen gekommen ist, die Träger auf Schäden untersuchen – auch wenn auf Anhieb nichts sichtbar ist. Lassen sich die Krallen nur noch schwer öffnen oder klemmt der Fahrradhalter bei der Demontage, dann ist die Kon­struktion unter Umständen in Mit­leidenschaft gezogen worden. Da hilft nur noch eines: austauschen!



So haben wir getestet

Die sechs Radträger für das Dach mussten sich in drei Disziplinen be­währen: Handhabung und Montage, Fahr- und Crashtest. Beim ersten Punkt achtet das Testteam beispielsweise auf die Logik der Anleitung. Unter anderem auf folgende Kriterien: grafischer Aufbau, Verständlichkeit, Ausführlichkeit und das Vorhandensein von Sicherheitshinweisen. Auch der Zusammenbau selbst wird unter die Lupe genommen. Dabei steht die Einfachheit im Vordergrund. Grundsätzlich gilt: Zusammenbau sowie die Montage des Trägers auf dem Dach und das Beladen mit den Rädern müssen auch Ungeübte ohne Schwierigkeiten und ohne Gefahr von Fehlern umsetzen können. Bei den Fahrtests wiederum werden Gefahrensituationen simuliert. Dazu zählen die Vollbremsung aus 100 km/h, das scharfe Bremsen in einer Kurve bei 100 km/h und das als "Elchtest" bekannt gewordene definierte Ausweichen in einer Pylonengasse. Die Mindestanforderung: Bei allen Tests, die jeweils mehrfach absolviert werden, müssen die Räder auf dem Dach bleiben. Kommt es zu Schäden an den Trägern, gibt es Punktabzug. Den absoluten Härtefall stellt der Crashtest dar. Hierbei wird ein Frontalaufprall mit 30 km/h nachgestellt – also eine typische Stadtszene. Fällt das Rad vom Dach, ist der Kandidat durchgefallen. Ergebnis: null Punkte. Bleiben die Räder oben, wird geprüft, wie schwer die Träger und die Verbindung zum Grundträger beschädigt wurden. Und letztlich geht auch der Preis (Träger für ein Rad) in die Wertung ein. 

Info-Grafik: Alle getesteten Fahrrad-Dachträger im Überblick



Kommentare
 
 
12.02.2010

Großartig, dass Sie die Fahrradträger testen, wenn man den Kauf vorbereitet.

Mein Vorschlag testen Sie doch auch einmal einen Träger von unitec - Räder liegend auf dem Dach transportieren.

Mit einer Bandscheibenfreundlichen Hebeeinrichtung.

 

Freundliche Grüße

Horst Jürgen

Horst Jürgen
15.05.2010

Die Testsieger des Tests können Sie auch noch nach 10 Jahren erfolgreich, d.h. mit gleichen Ergebnissen testen. Anders dagegen beim unitec Fahrradträger mit horizontaler Fahrradlage. Auch ist es fraglich ob dieser wirklich so "bandscheibenfreundlich" ist. Auch ist die Befestigung u. Einstellung der Räder auf den unitec Träger nicht halb so einfach wie bei den Testsiegern.

Und verlieren Sie bloß keine Schraube vom Träger o.a., dann wird es aufregend was die Ersatzteilbeschaffung betrifft.

Testen Sie selbst! alles einfach aus...!

Frank Bromber
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