Produkttest: Sommerreifen
Rutschpartie
Sommerreifen-Test
Bis zur Haftgrenze: Erst wenn die Reifen den Bodenkontakt verlieren, ist der Queraquaplaning-Test beendet
Sommerreifen-Test
Eine wichtige Umwelt-Disziplin ist die Messung des Vorbeifahrgeräusches mit einem Mikrofon
Die Kraftstoffpreise steigen unaufhörlich, damit rückt auch ein wichtiges Reifen-Kriterium in den Fokus: Etwa 20 bis 25 Prozent des Verbrauchs werden durch den Rollwiderstand der Reifen verursacht. Leider verhindert ein klassischer Zielkonflikt, dass Pkw-Pneus konsequent in Richtung ihrer Leichtlauf-Eigenschaften optimiert werden können: Spritsparen durch niedrigen Rollwiderstand und hohe Sicherheitsreserven bei Nässe stellen völlig gegensätzliche Anforderungen an die Zusammensetzung der Gummimischung.
Die Reifenhersteller stehen bei diesem Thema unter großem Druck der Pkw-Industrie. Die Autobauer müssen mit dem Kraftstoffverbrauch ihrer Fahrzeugflotten runter – das ist politischer Wille und kommt nicht zuletzt der Umwelt zugute. Also fordern die Auto-Ingenieure von den Reifenherstellern Pneus mit besonders niedrigem Rollwiderstand – und verlieren dabei bisweilen die Sicherheit aus den Augen. Die spannende Frage: Wie viel Sicherheit kann, wie viel Sicherheit darf dem Sparzwang geopfert werden?
ACE und GTÜ haben die führenden Marken-Pneus zum Spezial-Test "Ökologie versus Haftung" geordert. Zu den Fahr- und Bremsprüfungen auf nasser Straße fahren wir in die Eifel. Das gemütliche Wittlich ist Heimat des kompakten Testgeländes von Dunlop. Hier müssen die Reifen zunächst ihre Qualitäten im Aquaplaning unter Beweis stellen. Bei welcher Geschwindigkeit verliert der Reifen bei überfluteter Fahrbahn, wie sie beispielsweise in Spurrillen auf Autobahnen vorkommen, den Bodenkontakt?
Die Unterschiede sind gering. Den Reifen mit höchster Aquaplaningsicherheit stellt Bridgestone. Er verliert erst bei 80 km/h den Kontakt zur Fahrbahn. Goodyear und Michelin, beide als Rollwiderstandskünstler angepriesen, rangieren am Ende des Feldes und geraten rund vier km/h eher ins Schwimmen.
Ein Grund dafür findet sich sicher auch in der geringeren Profiltiefe des Neureifens – zumindest Michelin verzichtet auf die maximale Profilierung. Für große Sicherheitsreserven bei Aquaplaning sind breite und tiefe Profilrillen erforderlich, die viel Wasser aufnehmen können. Grund: Flache Profilblöcke walken weniger, verbrauchen so weniger Energie beim Rollen. Das ist günstig für einen niedrigen Rollwiderstand. Hier wurden eindeutig Nässeeigenschaften zugunsten des Rollwiderstands geopfert. Auch im Aquaplaningtest in der Kurve zeigt der Bridgestone maximale Sicherheit. Schlusslicht ist erneut Michelin.
Weniger auf das Profil und mehr auf die Zusammensetzung des Gummis im Laufstreifen kommt es beim Bremsen auf nassem Asphalt an. Hier zeigt der Conti seine Stärken. Seine Gummimischung ist nicht auf Rollwiderstand optimiert. Bei Nässe bremst der mit den Conti-Pneus bestückte Testwagen knapp drei Meter kürzer als der Goodyear. Auch hier bestätigt sich die Formel: Rollwiderstandsgewinn gleich Sicherheitseinbuße.
Im Handling finden wir die Antwort auf die Frage: Wie verändert sich das Fahrverhalten durch die einzelnen Reifenmarken? Weit vorn und anhand der Bremswerte zu erwarten: der Conti. Dicht gefolgt von Pirelli, der dem Testwagen ein sehr harmonisches Fahrverhalten verleiht. Der bei diesen Prüfungen eingesetzte VW Golf umrundet die Strecke mit diesen Marken sehr neutral, ohne direkt über die Vorderachse zum Kurvenaußenrand zu rutschen – vorbildlich! Geringe Abzüge in der subjektiven Bewertung erhalten Dunlop und Bridgestone. Abgeschlagen hingegen liegen Goodyear und Michelin auf den letzten Plätzen. Ihnen fehlt schlicht der Grip. Das Nässekapitel entscheiden Conti und Pirelli eindeutig für sich. Sie bieten die Sicherheitsreserven, die sich jeder Autofahrer in kritischen Situationen wünscht. Achtbar schlägt sich der Nokian, der sich in keiner Disziplin eine wirkliche Schwäche leistet und so den dritten Platz belegt. Bridgestone punktet nur beim Aquaplaning, Dunlop gibt sich auf Nässe ausgewogen – aber nicht auf hohem Niveau. Goodyear und Michelin hinken abgeschlagen hinterher.
Auf trockener Straße haben es alle leichter – nicht nur der Fahrer. Zunächst steht ABS-Bremsen aus 100 km/h auf dem Programm. Die Unterschiede sind knapp. Die Bremswege aller Reifen variieren um weniger als zwei Meter. Zum Handling auf trockener Straße zieht die Testkarawane weiter ins benachbarte Luxemburg. Auf dem schnellen Kurs von Colmar-Berg überzeugt der Bridgestone. Exaktes Einlenken in die Kurve, gleichmäßige Lenkkräfte – mit Bridgestone bereift mausert sich der Test-Golf zum Sportler. Aber auch Dunlop und Michelin überzeugen durch ein ausgewogenes Handling – im Kapitel "Sicherheit trocken" präsentiert sich das Feld auf gleichmäßig hohem Niveau. Auch die Geräuschmessung zeigt kaum Unterschiede bei den Testreifen: Alle rollen leise ab. Schon ein Blick auf die Profile zeigt viele Ähnlichkeiten. Große Überraschung bei der Messung der Rollwiderstände. Hier haben Goodyear und Michelin die Nase vorn, dicht gefolgt vom Nokian, der trotz befriedigender Nässeergebnisse einen niedrigen Rollwiderstand aufweist. Obwohl der Pirelli Cinturato und der Bridgestone Turanza als rollwiderstandsoptimierte "grüne Reifen" beworben werden, liegt ihr Messergebnis nur knapp unter bzw. sogar deutlich über dem Niveau des Conti, der nicht als rollwiderstandsoptimiert deklariert wird.
Fazit
Die Reifenindustrie hält Pneus am Start, die entweder ihr Versprechen als Energiesparreifen nicht halten, dafür aber größere Sicherheitsreserven bei Nässe bieten. Oder sie liefern rollwiderstandsverbesserte Exemplare, die den Segen der Automobilindustrie in der Erstausrüstung haben, dafür aber nicht mehr Spitze bei Nässe sind.
Den Spagat zwischen Rollwiderstand und Sicherheit meistert der Nokian am besten. Michelin und Goodyear verschieben die Gebrauchseigenschaften zu sehr in Richtung Spritsparen. Sie opfern zu viele sicherheitsrelevante Eigenschaften auf dem Altar der Ökologie. Die als Öko-Reifen angebotenen Pneus von Bridgestone und Pirelli sparen keinen Sprit – sie sind aber sichere Allrounder. Die Reifen von Continental und Dunlop verdienen als "ehrliche Haut" den Sieg bzw. einen respektablen dritten Platz.
Info-Grafik: Alle getesteten Sommerreifen im Überblick
So haben wir getestet
Teststrecke: Goodyear/Dunlop-Gelände in Wittlich. Fahrzeug: VW Golf VI. Bremswegmessung bei Nässe: Fensterbremsung von 80 auf 5 km/h. Aquaplaning auf gerader Strecke: Der Fahrer beschleunigt im Wasserbecken, bis die angetriebenen Vorderräder die Haftung verlieren. Wassertiefe 8 mm. Aquaplaning in der Kurve: bewässertes Kreissegment mit 6 mm Wassertiefe. Der Fahrer steigert die Kurvengeschwindigkeit von Runde zu Runde in Stufen von fünf km/h, bis die Reifen den Bodenkontakt im Wasserbecken verlieren. Das Handling auf nasser Straße erfolgt auf einem bewässerten Rundkurs, die Wertung erfolgt nach Zeitmessung und subjektiv. Die Bremswegmessung auf trockenem Asphalt erfolgt ebenfalls als Fensterbremsung (100 auf 5 km/h). Analog zum Fahrverhalten bei Nässe erfolgt auch die Trockendisziplin auf einem kurvenreichen Handlingkurs mit schnellen und langsamen Kurven in Colmar-Berg. Hierbei erfolgt eine subjektive Bewertung des Fahrverhaltens. Die Messung des Außengeräuschs erfolgt auf Normasphalt, das Fahrzeug rollt mit 80 km/h antriebslos an den Mikrofonen der Schallpegelmesser vorbei. Der Rollwiderstand wird auf einem Rollenprüfstand in kg/t ermittelt.
Die Reifengröße ist sicher wichtig , aber sind die Ergebnisse übertragbar auf kleinere Größen?
Auto neu ,Reifen neu,(205/60 R16) in Ihrem Test Platz 7,was tun ?. Kann diese neuen
Reifen ab Werk doch nicht einfach entsorgen.
Der Test verrät leider nicht die qualitativen Missstände der Hersteller. Ich bin von BRIDESTONE abgekommen, obwohl immer in den Tests vorne platziert und ich die Pneus deswegen auch aufgezogen hatte. Das aber bei Bridgestone erhebliche Herstellungsmängel auftauchen, sollte das ganz groß geschrieben werden. Einmal hat sich die Lauffläche eines neuen Bridgestonpneus zahnradartig abgenutzt, das ander mal hat sich die Lauffläche bei einem Pneu extrem nach innen abgefahren. Was will ich mit solcher Schrottbereifung!!!!
Hallo liebes ACE Team,
wann werden mal Reifein für die Oberklasse Limosinen getestet oder werden wir hier diskriminiert?
Ich fahre einen Audi mit Serienbereifung der Größe 255/35-19 und finde keinen Test für diese Fahrzeuge und Reifen.
Uwe Hanschmann







Ist öko drinn wo öko draufsteht?
Verwundert habe ich gelesen, dass Goodyear und Michelin den Rollwiderstand durch einen Verzicht auf Profil vermindern. Weniger Profil bedeutet, dass die Reifen früher ersetzt werden müssen. Eine Verminderung des Kraftstoffverbrauchw wird möglicherweise dadurch aufgebraucht, dass mehr neue Reifen hergestellt werden müssen.
Im Sinne eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen sollten Reifen auch auf Langlebigkeit und Alterungsbeständigkeit getestet werden.