Vergleichstest: Audi A6 2.0 TDI vs. Mercedes E 220 CDI

Masse nach Maß

01.01.2012 11:35

In der oberen Mittelklasse teilen sich die drei süddeutschen Hersteller den Markt fast komplett unter sich auf. Im Duell: der älteste und der jüngste Vertreter des Segments.


Audi A6 2.0 TDI vs. Mercedes E 220 CDI

Durch das optionale Xenon-Licht entfallen bei beiden Limousinen die Nebelscheinwerfer in der Frontschürze.

Audi A6 2.0 TDI vs. Mercedes E 220 CDI

Das, im Vergleich zur E-Klasse, flacher abfallende A6-Dach schränkt die Kopffreiheit auf der Rückbank ein.

Audi A6 2.0 TDI

Mit seiner Außenlänge von 4,92 Metern überragt der Audi A6 die Mercedes E-Klasse um fünf Zentimeter.

Audi A6 2.0 TDI

Das Navigationsdisplay ist nicht nur hochauflösend, es lässt sich bei Nichtgebrauch auch elegant versenken.

Audi A6 2.0 TDI

Durch die deutlich auf zwei Personen zugeschnittene Rückbank fällt der mittlere Sitz eher unkomfortabel aus.

Audi A6 2.0 TDI

Der 2,0-l-Diesel leistet in seiner aktuellen Ausbaustufe 177 PS und besticht mit einer sonoren Klangkulisse.

Audi A6 2.0 TDI

Wer das Häkchen an der richtigen Stelle der Preisliste vergisst, muss auf einen variablen Laderaum verzichten.

Mercedes E 220 CDI

Obwohl der Mercedes einen – um vier Zentimeter – kürzeren Radstand hat, ist er der bequemere Fünfsitzer.

Mercedes E 220 CDI

Im direkten Vergleich zum A6 wirken die Materialien und deren Verarbeitung im E-Klasse-Cockpit einfacher.

Mercedes E 220 CDI

Trotz der voluminösen Multikontur-Vordersitze (1523 Euro) bleibt auf der Rücksitzbank mehr als genug Platz.

Mercedes E 220 CDI

Der 2,2-l-Diesel nutzt seinen Hubraumvorteil gegenüber dem Audi-TDI durch ein bulligeres Drehmoment.

Mercedes E 220 CDI

Der Boden des Mercedes-Laderaums ist aufgrund der aufwendigen Hinterachskonstruktion nicht komplett eben.

Ob Propeller, vier Ringe oder ein Stern, mehr als 95 Prozent aller Fahrzeuge der gehobenen Mittelklasse tragen eines dieser Logos am oder auf dem Kühlergrill – so sieht Massenfertigung nach Maß aus. Die Konkurrenten von Lexus, Jaguar oder Volvo haben (zumindest hierzulande) kaum eine Chance.

Seit März 2009 markiert die aktuelle E-Klasse das Stuttgarter Revier in der automobilen Business-Klasse. Erst zwei Jahre später erfolgte die Markteinführung des aktuellen A6 von Audi. Doch nutzt dem Ingolstädter die spätere Entwicklungszeit im direkten Vergleich?

Zu unserem Test sind die Selbstzünder mit rund 175 PS und jeder Menge Drehmoment angetreten.  


Karosserie und Innenraum
Hier wie dort gibt es Platz in Hülle und Fülle. Der Größenvorteil des Audi, fünf Zentimeter länger, zwei breiter und vier Zentimeter mehr Radstand, spielt im Vergleich des Platzangebots so gut wie keine Rolle. Eher im Gegenteil, denn der Mercedes bietet nicht nur den größeren Kofferraum (zehn Liter mehr), sondern lässt sich – dank der weniger stark ausgeformten Einzelsitze auf der Rückbank – auch besser als Fünfsitzer nutzen. Nur in der ersten Reihe profitiert der A6 von der größeren Innenbreite. Hier lassen rund drei Zentimeter mehr nahezu Oberklasse-Feeling aufkommen. Auch bei der Materialwahl und Verarbeitung hängt der Bayer den Schwaben ab. Dabei scheint schon die E-Klasse volle Punktzahl zu verdienen, bis man in den Audi steigt und feststellt: Es geht doch noch einen Tick edler und präziser.

Bei der Übersichtlichkeit der Karosserien stellt sich ein Unentschieden ein: Während im Audi die flach abfallende Heckscheibe den richtigen Überblick vereitelt, stört bei der E-Klasse die massive C-Säule die Sicht.

Die Variabilität der Basisvarianten krankt an der Aufpreispflicht für umklappbare Rücksitzlehnen (Audi: 310, Mercedes: 517 Euro). Wer öfter einen Trailer ziehen möchte, wird zur heckgetriebenen E-Klasse neigen – sie bietet mit 1,9 Tonnen 300 Kilo mehr Anhängelast als der Audi.


Sicherheit und Bedienung
Die Bedienung geht in beiden Limousinen leicht von der Hand. Kleine Vorteile verschafft sich der A6 aufgrund der höher platzierten Klima-Regler und durch das schneller zu steuernde Navigationssystem. Auch wenn sich die zusätzliche Bedienung über das Touchpad erst nach einiger Gewöhnung erschließt, so können die Eingabezeiten bei trainierten Nutzern verkürzt werden. Ungeübte werden sich dagegen an dem extremen Blickwinkel stören, der vonnöten ist, um die Eingabe mit dem Auge zu verfolgen.

Beim Thema der passiven Sicherheit hat dagegen der Mercedes die Sternen-Nase vorn, nicht zuletzt wegen des zusätzlichen Airbags für das Fahrer-Knie. Zusätzliche Seitenairbags für die Fondpassagiere kosten sowohl bei Audi (360 Euro), als auch bei den Stuttgartern (452 Euro) extra. In puncto Assistenzsysteme herrscht Gleichstand: Ob aktiver Abstandsregler mit Notbrems-System, Überwachung des toten Winkels oder der Einhaltung der Fahrspur – gegen die entsprechende Bezahlung ist nahezu alles möglich. Sogar mit Nachtsichtgeräten lassen sich diese Limousinen der gehobenen Mittelklasse ausstatten.

Eine aktive Verkehrszeichenerkennung gibt es dagegen nur für den A6, dafür entschädigt die E-Klasse mit der Option auf einen Müdigkeitssensor.


Antrieb und Fahrwerk
Die Abstimmung der Fahrwerke ist den Ingenieuren sehr markengerecht gelungen. Hier der sanfte und sich stärker zur Seite neigende Stuttgarter, dort der sportlichere Herr der Ringe. Allerdings leidet der A6 an seiner etwas digital reagierenden Lenkung, die häufiger Korrekturen erfordert. In der E-Klasse erfolgt der Richtungswechsel nicht nur präziser, er ist auch frei von jeglichen Antriebseinflüssen. Außerdem punktet der Schwabe mit einem, um knapp 70 Zentimeter, kleineren Wendekreis.

Seinen Hubraumvorteil von rund 200 Kubik kann der E 220 CDI nicht in der nominellen Leistung umsetzen. Dafür bietet er mit seinem Drehmoment-Plus von 20 Newtonmetern (400 Nm ab 1400 U/min zu 380 Nm ab 1750 U/min) mehr Durchzug aus dem Drehzahlkeller. Jedoch lässt sich die Verwandtschaft der Geräuschkulisse zu seinen alten Taxi-Kollegen erahnen. Ganz anders der Audi: Er benötigt zwar höhere Touren, klingt dabei aber deutlich sonorer, ja nahezu sportlich.


Umwelt und Kosten
Im Umweltkapitel kann sich der A6 – mithilfe seines gezügelten Trinkverhaltens – nur leicht absetzen. Während sich der Audi mit 6,8 Litern begnügte, schlürfte der E 220 CDI alle 100 Kilometer 0,2 Liter mehr aus dem Tank. Dennoch sind auch sieben Liter im Testschnitt aller Ehren wert, schließlich bringen die beiden Luxus-Liner jeweils rund 1,7 Tonnen Leergewicht auf die Waage. Sein Übergewicht von knapp 90 Kilo gegenüber dem A6, macht die E-Klasse durch die etwas bessere Aerodynamik wett. Wobei auch der cw-Wert des Audi (0,26) absolut gesehen sehr gut, doch das Bessere ist des Guten Feind: Der Mercedes stellt dem Fahrtwind nur einen Widerstandsbeiwert von 0,25 entgegen. Ungleich deutlicher fallen die Unterschiede beim Vergleich der Kosten aus. Der Ingolstädter ist nicht nur deutlich günstiger in der Anschaffung, auch im Unterhalt verweist er den Schwaben auf den zweiten Platz. So müssen Mercedes-Eigner bei einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern mit Gesamtkosten von 16.360 Euro rechnen, während der A6 auf deutlich schlankere 15.022 Euro kommt.


Fazit
Der neue Audi A6 ist der E-Klasse von Mercedes mehr als ebenbürtig und entscheidet dieses Duell, wenn auch knapp, für sich. Respekt verdienen jedoch beide, vereinen sie doch puren Luxus mit hoher Effizienz.


1. Platz: Audi A6 2.0 TDI

Audi hat mit dem A6 ein wahres Allround-Talent im Angebot: Er ist nicht unkomfortabel, fährt sich sportlich, bietet Platz im Übermaß und geizt zudem mit Sprit. Im Vergleich ist er sogar relativ preiswert.

Plus: enormes Platzangebot, kultivierter und sparsamer Diesel, außergewöhnliche Verarbeitung, agiles Fahrverhalten, hoher Bedienkomfort, gute Sitze

Minus: nach hinten unübersichtlich, beengter Fond-Zustieg, magere Serienausstattung


2. Platz: Mercedes E220 CDI
Die fast drei Jahre alte E-Klasse schlägt sich beachtlich gegen den ambitionierten Newcomer. Den hohen Grundpreis rechtfertigt die etwas bessere Serienausstattung jedoch nur zum Teil.

Plus: sehr gutes Raumangebot, kräftiger Diesel, hohes Sicherheitsniveau, komfortables Fahrwerk, präzise Lenkung

Minus: ausgeprägte Seitenneigung, relativ hohe Unterhaltskosten, selbstbewusste Preisgestaltung


Technische Daten

Motor
  Audi A6 2.0 TDI Mercedes E 220 CDI
Hubraum cm³ 1968 2143
Zylinder/Schadstoffklasse   4/Euro 5 4/Euro 5
Leistung kW (PS) 130 (177) 125 (170)
bei Motordrehzahl min-1 4-türig 3000
Max. Drehmoment Nm 380 400
bei Drehzahl min-1 1750 1400
Kohlendioxid-Ausstoß g/km 130
Fahrleistung
  Audi A6 2.0 TDI Mercedes E 220 CDI
Max. Geschwindigkeit km/h 228 228
0 bis 100 km/h sek 8,7 8,7
Karosserie / Innenraum
  Audi A6 2.0 TDI Mercedes E 220 CDI
Karosserie   4-türig 4-türig
Kofferraumvolumen l 530 540
Reifendimension   225/60 R16 205/60 R16
Fahrzeuglänge mm 4915 4868
Fahrzeugbreite mm 1874 1854
Fahrzeughöhe mm 1455 1471
Radstand mm 2912 2874
Spurweite vorne mm 1627 1598
Spurweite hinten mm 1618 1614
Leergewicht kg 1650 1735
Zuladung kg 505 535
Anhängerlast ung. kg 750 750
Anhängerlast gebr. kg 1600 1900
Dachlast kg 100 100
Stützlast kg 85 84
Verbrauch
  Audi A6 2.0 TDI Mercedes E 220 CDI
Verbrauch EG-Mix l/100 km 4,9 D 5,0 D
ACE-Testverbrauch l/100 km 6,8 D 7,0 D
Tankinhalt l 65 59
Reichweite km 1326 1180
Preise und Kosten
  Audi A6 2.0 TDI Mercedes E 220 CDI
Preis ab Werk Euro 38.500 42.691
Kfz-Steuer Euro/Jahr 208 229
Vers.-Klasse KH   18 18
Vers.-Klasse TK   26 27
Vers.-Klasse VK   24 25
Haftpflichtvers. Euro/Jahr 1336 1336
Vollkaskovers. Euro/Jahr 1705 1871
Variable Kosten* Cent/km 26,0 26,5
Feste Kosten** Euro/Jahr 11.130 12.387
Feste Kosten** Cent/km 74,2 82,6
Gesamtkosten Euro/Jahr 15.022 16.360
Gesamtkosten*** Cent/km 100,2 109,07
Kosten bei 15.000 km/Jahr, 60 Monate Nutzungsdauer, berechnet von DEKRA.
* für Kraftstoff, Reifen, Reperatur, Wartung und Pflege.
** für Verzinsung, Werteverlust, Kfz-Steuer, Versicherung und Unterstellungskosten.
*** Variable plus feste Kosten.

Kommentare
 
 
23.01.2012

Warum werden Verbrauch, Emissionen und Spritsparmaßnahmen getrennt gewertet?

Es gibt einen linearen Zusammenhang (unterschiedlich für Diesel und Benziner) zwischen Verbrauch und CO2. Weitere Emissionen sind in den Euro-Stufen subsummiert. Spritsparmaßnahmen sind kein Selbstzweck ... ist mir also nicht klar, was die Differenzierung soll - könnte das bitte erläutert werden?

Reitter
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