Vergleichstest: Dacia Lodgy vs. Renault Grand Scénic

Für Kids und Kisten

01.11.2012 23:00

Ob Großeinkauf oder Freizeitspaß im Grünen – Kompaktvans vereinen das Praktische mit dem Angenehmen. Wie schick das aussehen kann, zeigt Renault – wie günstig das sein kann, beweist Dacia mit dem preiswerten Lodgy.


Dacia Lodgy DCI 90 vs. Renault Grand Scénic DCI 110

Der Renault ist sicherlich der unterhaltsamere Kompaktvan. Doch auch die minimalistische Vernunftslösung von Dacia kann Freude bereiten

Dacia Lodgy DCI 90 vs. Renault Grand Scénic DCI 110

Die Stunde der Kompaktvans schlägt beim Großeinkauf. Quadratische Ausschnitte und niedrige Ladekante sind dabei sehr willkommen

Dacia Lodgy DCI 90 vs. Renault Grand Scénic DCI 110

Die Stunde der Kompaktvans schlägt beim Großeinkauf. Quadratische Ausschnitte und niedrige Ladekante sind dabei sehr willkommen

Dacia Lodgy DCI 90

Sport ist seine Sache nicht, dafür passen jede Menge Sportgeräte in den Kofferraum

Dacia Lodgy DCI 90

Ein verstellbares Lenkrad wäre auch für die Basisversionen wünschenswert und kann eigentlich nicht so viel mehr kosten

Dacia Lodgy DCI 90

Statt eines offenen und eines kleinen, geschlossenen Handschuhfachs wäre ein großes abschließbares sicher besser

Dacia Lodgy DCI 90

Simpel aber ausgesprochen großzügig geht es auch in der zweiten Reihe zu

Dacia Lodgy DCI 90

In den unendlichen Weiten des Kofferraums kann so manches Gepäckstück verloren gehen

Dacia Lodgy DCI 90

Für den Tankdeckel wird der Zündschlüssel benötigt. Zum Glück ist Tanken nicht so oft nötig

Dacia Lodgy DCI 90

Bei gemäßigtem Tempo reichen dem leichten Lodgy weniger als fünf Liter Diesel auf 100 Kilometer

Renault Grand Scénic DCI 110

Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung lässt den Scénic handlich und agil wirken

Renault Grand Scénic DCI 110

Futuristisch geht es im Cockpit zu. Die Funktionalität leidet zum Glück nicht darunter

Renault Grand Scénic DCI 110

Das farbenfrohe Info-Center ist für die Fülle an Informationen fast etwas klein geraten

Renault Grand Scénic DCI 110

Jede Menge praktische Staufächer lassen den Renault stets aufgeräumt erscheinen

Renault Grand Scénic DCI 110

Wegen der relativ stark konturierten Einzelsitze kann sich die Montage von manchen Kindersitzen schwierig gestalten

Renault Grand Scénic DCI 110

Die hinteren Sitze sind einzeln klappbar und werden bei Bedarf am Stück nach vorne gekippt

Renault Grand Scénic DCI 110

Eine saubere Sache ist der im Tankdeckel integrierte Verschluss

Renault Grand Scénic DCI 110

Flott, wenn auch nicht übertrieben sparsam schiebt der kleine 1,5 Liter-Diesel den relativ schweren Scénic an

Kindermund tut Wahrheit kund. "Papa, du bist nicht angeschnallt", tönt es kurz nach dem Anrollen im Duett von der Rücksitzbank des Renault Grand Scénic, während von vorne aus dem Bereich der Armaturentafel spacige, synthetische Töne erklingen. Doppelt ertappt! Noch vor dem Hochschalten ist der Gurt angelegt, der sich so sanft an den Körper legt, als wäre er nicht vorhanden. Neugierig beobachten zwei Paar Kinderaugen das Farbenspiel der bunten Anzeigen. Die digitale Geschwindigkeitsanzeige klettert schneller, als die beiden zählen können, die animierte Drehzahlmessernadel zieht einen bunten Schweif hinter sich her. Festhalten, liebe Kinder: das Raumschiff Renault startet!

Zugegeben, nicht alles an Bord dieses Grand-Scénic-Testwagens gehört zur Grundausstattung, doch es zeigt, wie nett und spannend die Fortbewegung in einem eher praktisch orientierten Van der Kompaktklasse heutzutage sein kann. Und nicht nur für Kinderaugen. Auch Erwachsene haben ihre Freude am sauber verarbeiteten Interieur. Dazu gibt es bei Renault sinnvolle Extras wie Kurvenlicht, eine Berganfahrhilfe oder ein Family-Paket mit zahlreichen Staufächern und Sonnenschutz-Jalousien.

Der Umstieg in den Dacia Lodgy beginnt dagegen mit einer Ernüchterung. "Papa, ist da was kaputt?", kommt diesmal von der Rückbank. "Nein, das ist auch nur der Gurtwarner", beruhigt der Herr Papa. Das unangenehme Tröten des Mini-Lautsprechers steht symbolisch für den sehr anderen Anspruch eines Dacia: Billige Materialien, offene Schraubverbindungen und karge Instrumentierung reichen zum Fahren, für Erlebnisse müssen die Insassen selber sorgen. Im Testwagen mit der Ambience-Ausstattung, also der günstigsten Version mit Dieselmotor für 13.490 Euro, gibt es vier Airbags vorn, zwei elektrische Fensterheber und eine geteilt umlegbare Fondbank. Das war es auch schon. Halt, einen Bordcomputer mit allen wesentlichen Funktionen gibt es noch, doch es fehlt die Außentemperaturanzeige.

Auch technisch gibt es nicht viel Beeindruckendes: Nebelscheinwerfer? Ja, gern – für 200 Euro extra. Elektrische Fensterheber oder eine Einparkhilfe hinten, Sitzheizung für vorne? Leider nein, erst bei der nächsthöheren Ausstattungsvariante Laureate ab Werk möglich. Für die erst einmal 1100 Euro mehr überwiesen werden müssen, was dann wiederum ziemlich genau den Gegenwert der dann eingebauten manuellen Klimaanlage, des MP3-fähigen Radios und der Nebelscheinwerfer repräsentiert. Fairerweise sollte die Preisliste eigentlich hier, bei 14.690 Euro, beginnen.

Der nominell nur 90 PS starke Diesel tritt kräftig an und bring das leer nur 1280 Kilo schwere Dacia-Gehäuse schnell auf Trab. Verzicht kann also auch sein Gutes haben, denn sowohl im Temperament als auch im Kraftstoffverbrauch steht der Lodgy dem schmucken Scénic in nichts nach.

Dort arbeitet prinzipiell derselbe 1,5-l-Common-Rail-Diesel unter der Haube, hier allerdings 106 PS stark und im Falle des Testwagens mit einer Start-Stopp-Automatik verfeinert. Erwartungsgemäß läuft der Diesel im Scénic etwas leiser, aber trotz Sechsgang-Getriebe nicht flotter oder sparsamer. Kein Wunder, wiegt doch der aufwendiger gedämmte und mit vielen Extras beladene Scénic von Hause aus rund 200 Kilo mehr.

Davon profitiert aber der Fahrkomfort. Kurze Stöße und lange Wellen werden viel besser geschluckt als im Lodgy, der vor allem unbeladen etwas hölzern abrollt. Dazu sorgt die geschwindigkeitsabhängige Lenkung im Scénic für deutlich mehr Fahrvergnügen: Leichtgängig beim Rangieren und angenehm straff auf der Autobahn. Da kann der Lodgy mit seiner stoßempfindlichen Lenkung nicht mithalten, zumal sein Lenkrad und der Fahrersitz erst ab der nächsthöheren Variante höhenverstellbar ausgeführt sind. Apropos Sitze: Die Dacia-Sitze sind etwas klein geraten und relativ dünn gepolstert. Lange Strecken sind für große und schwere Insassen kein wirkliches Vergnügen. Für längere Reisen ist der Scénic eindeutig die bessere Wahl, allein aufgrund der komfortablen Sitze.

Anders sieht es hinten aus: Beim Scénic sind die äußeren Plätze stärker ausgeformt, sodass auf dem mittleren Platz für Erwachsene nur eine Art Sitzbrötchen bleibt, dessen Gurt zu allem Überfluss weit hinten in der Dachmitte befestigt ist. Doch dieses Detail ist beim Dacia auf dieselbe Art gelöst. Die durchgehende Bank bietet hier allerdings auch mal drei Erwachsenen Platz – oder auch drei Kindersitzen. Die Gurtschlösser sind leider schwerer zu erreichen und die äußeren Gurte werden beim Aufrichten der Lehnen gerne eingeklemmt.

Womit wir beim Kapitel Gepäckabteil angekommen sind – der wirklichen Stärke eines Kompaktvans. Da die hintere Bank weit vorne montiert ist, bietet der Lodgy ein gigantisches Ladevolumen von 827 Litern. Selbst bei der Montage der gegen Aufpreis erhältlichen Sitzbank für zwei zusätzliche Plätze bleibt noch genügend Raum für Gepäck. Bei knapp 600 Kilo Zuladung bleiben hier wahrlich keine Wünsche offen. Getränkekisten verlieren sich im Gepäckabteil, die Kinderdrachen oder anderes Spielgerät können getrost zusammengebaut bleiben. Ähnlich verhält es sich beim Scénic, der es als Fünfsitzer jedoch bei 678 Liter Volumen bewenden lässt. Das ist durchaus ausreichend, auch für Kinderwagen und Co.

Noch reichlich unbeeinflusst von ökonomischen Zwängen oder marktschreierischen Werbekampagnen gelingt es Kindern immer wieder, die Dinge auf den Punkt zu bringen. So auch in diesem Fall: "Wenn es geht, mit dem Schönen", lautet das einhellige Urteil auf die Frage, mit welchem der beiden Kompaktvans die Fahrt denn nun fortgesetzt werden soll. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. 

1. Platz: Renault Grand Scénic DCI 110
Eindeutiger Sieg – alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. Der Scenic ist das innovativere und stilsichere Auto. Nur leisten muss man ihn sich können – und auch wollen.

2. Platz: Dacia Lodgy DCI 90
Der geräumige Lodgy fährt genauso schnell, verbraucht eine Spur weniger – und es gibt fast zwei davon zum Preis eines Scénic. Dafür  ist der zweite Platz fast undankbar.


Technische Daten

Motor
  Dacia Lodgy dCi 90 Renault Scénic Grand dCi 110
Hubraum cm³ 1461 1461
Zylinder/Schadstoffklasse   4/Euro 5 4/Euro 5
Leistung kW (PS) 66 (90) 78 (106)
bei Motordrehzahl min-1 3750 4000
Max. Drehmoment Nm 200 240
bei Drehzahl min-1 1750 1750
Kohlendioxid-Ausstoß g/km 109 105
Fahrleistung
  Dacia Lodgy dCi 90 Renault Scénic Grand dCi 110
Max. Geschwindigkeit km/h 169 180
0 bis 100 km/h sek 12,4 12,4
Karosserie / Innenraum
  Dacia Lodgy dCi 90 Renault Scénic Grand dCi 110
Karosserie   5-türig 5-türig
Kofferraumvolumen l 827-2617 678-2083
Reifendimension   185/65 R 15 H 205/60 R 16 V
Fahrzeuglänge mm 4498 4560
Fahrzeugbreite mm 1751 1845
Fahrzeughöhe mm 1714 1675
Radstand mm 2810 2770
Spurweite vorne mm 1492 1538
Spurweite hinten mm 1478 1539
Leergewicht kg 1280 1485
Zuladung kg 590 636
Anhängerlast ung. kg 640 740
Anhängerlast gebr. kg 1400 1300
Dachlast kg 80 80
Stützlast kg 75 75
Verbrauch
  Dacia Lodgy dCi 90 Renault Scénic Grand dCi 110
Verbrauch EG-Mix l/100 km 4,2 D 4,1 D
Tankinhalt l 50 60
Reichweite   1190 1224
ACE-Testverbr. Schnitt l/100 km 7,1 D 8,1 D
ACE-Testverbr. Minimal l/100 km 4,6 D 4,8 D
Preise und Kosten
  Dacia Lodgy dCi 90 Renault Scénic Grand dCi 110
Preis ab Werk Euro 13.490 23.950
Kfz-Steuer Euro/Jahr 143 143
Vers.-Klasse KH   21 17
Vers.-Klasse TK   17 19
Vers.-Klasse VK   19 22
Haftpflichtvers. Euro/Jahr 2491 2030
Vollkaskovers. Euro/Jahr 1769 2200
Variable Kosten* Cent/km 19,03 21,6
Feste Kosten** Euro/Jahr 7474 9680
Feste Kosten** Cent/km 49,82 64,54
Gesamtkosten Euro/Jahr 10.302 12.913
Gesamtkosten*** Cent/km 68,86 86,09
Kosten bei 15.000 km/Jahr, 60 Monate Nutzungsdauer, berechnet von DEKRA.
* für Kraftstoff, Reifen, Reparatur, Wartung und Pflege.
** für Verzinsung, Werteverlust, Kfz-Steuer, Versicherung und Unterstellungskosten.
*** Variable plus feste Kosten.

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Kommentare
 
 
01.01.2013

Warum werden hier Äpfl mit Birnen verglichen?

Es gibt doch auch ein Lodgy mit 110PS cDi ...

MfG

Lodgy
07.01.2013

Aus organisatorischen Gründen war es nicht möglich, einen gemeinsamen Testtermin mit beiden Modellen als „dCi 110-Diesel“ zu finden. Das deutlich höhere Gewicht des Renault Grand Scénic gleicht die etwas höhere Leistung teilweise aber wieder aus, so dass wir diese Test-Konstellation für durchaus machbar angesehen haben.

Ihr Redaktions-Team

Redaktion ACE LENKRAD
09.09.2013

Ich weis zwar nicht wo ihr die Testberichte herhabt, aber fahrt einmal selber einen Lodgy dann

könnt ihr fernüftig urteilen.

Roland Deike
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