Fahrbericht: Opel Insignia Sports Tourer

Doppeltest

01.07.2010 00:00

Nachfolger des Vectra in der Opel-Modellpalette – dies ist kein einfacher Job! Unser Test klärt die Frage, ob der Insignia Sports Tourer ein echter Kombi ist – und ob er besser mit dem 140 PS-Benziner oder dem 160-PS-Diesel harmoniert.


Opel Insignia Sports Tourer

Der Kombi ist sieben Zentimeter länger als die Limousine – entsprechend gestreckt wirkt die Linie

Opel Insignia Sports Tourer

Der Insignia-Innenraum ist hochwertig, die Bedienung im Großen und Ganzen simpel

Opel Insignia Sports Tourer

Das 540 Liter-Ladeabteil lässt sich durch Umlegen der Fondbank auf 1530 Liter vergrößern

Opel Insignia Sports Tourer

Opel Insignia Sports Tourer

Große Klappe, aber betont schräges Heck – dies schränkt das Ladevolumen deutlich ein

Bieder geht nicht. Wer heute einen Kombi verkaufen möchte, sollte nicht von Ladevolumen und sperrigen Gütern sprechen, sondern wie Opel "von Freiräumen für das aktive Leben" dozieren. Lifestyle ist eben auch bei den Rüsselsheimern angesagt. Zum angestrebten Image passt da natürlich nicht mehr das Traditionslabel Caravan, das bei Opel schon seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Verwendung findet und im wahrsten Sinne des amerikanischen Wortes für eine Mischung aus "Car and Van" stand – also für ein Auto und Lieferwagen. Moderne Kombis heißen Sports Tourer. Doch ist der Nachkomme des Car-A-Van auch so praktisch wie die oftmals als "Handwerkerautos" verspotteten Kombis aus der goldenen Opel-Ära? Im Test: der Opel Insignia Sports Tourer 1.8 Ecotec (ab 26.590 Euro).


Karosserie und Innenraum
Der Vectra Caravan war als Vorgänger des Insignia eine echte Größe. Das letzte Modell mit diesem Namen (Typ C/2002 bis 2008) verfügte dank seiner 4,84 Meter Außenlänge über erstklassige Platzverhältnisse und einen großen Laderaum (530-1850 Liter). Ein Kombi, der besonders bei Familien und Unternehmen hoch im Kurs stand.

Der liebevoll verarbeitete und hochwertige Insignia Sports Tourer ist sogar noch einmal sechs Zentimeter länger als der Vectra und stößt damit deutlich in Oberklasseformate vor. Sein Ladeabteil fasst zwischen 540 und 1530 Litern. Die fehlenden 320 Liter bei der maximalen Auslastung gehen auf das Konto des betont schrägen Hecks – mit einer geradezu gewaltigen Heckklappe und -schürze als Abschluss. Der riesige Stoßfänger stellt beim Beladen ein echtes Manko dar. Das lackierte Kunststoffteil ragt soweit aus dem Laderaum, dass stetig Gefahr läuft, alles zu verkratzen, wenn sperrige Gegenstände rein- oder rausgewuchtet werden müssen. Wenigstens bildet die niedrige Ladekante keine zusätzliche Hürde. Das fein ausgeschlagene Abteil selbst ist großflächig und breit. Störende Radkästen gibt es nicht und die Rücklehnen (mit Durchlademöglichkeit) fallen bei Bedarf im Verhältnis 60:40 nach vorne. Die Gesamtlänge beträgt dann stramme 1908 Millimeter – die maximale Innenraumbreite knapp über einen Meter. 555 Kilo darf der Sports Tourer im Ernstfall schleppen. Einer Urlaubsfahrt mit fünf Personen steht dank üppigem Gepäckabteil und guten Platzverhältnissen also wenig im Weg. Unser Tipp: Eine gute Investition stellen Niveauregulierung (635 Euro) und Organizer-Paket mit seitlichen Schienen, dazugehörigen Stangen und einem Gepäcknetz (150 Euro) dar. Warum allerdings das Sicherheitstrennnetz (305 Euro) bei einem Kombi Geld kosten soll, erschließt sich dem Tester nicht.

Auf zwei Details sollte der Käufer bei der Bestellung auf keinen Fall verzichten: die elektrische Heckklappe mit programmierbarer Höhe (390 Euro/ab Sport-Version) und die Parkpiepser (520 Euro). Zu den übersichtlichen Autos gehört der fast fünf Meter lange Insignia nämlich mit Sicherheit nicht. 


Sicherheit und Bedienung
Tritt der Super-GAU ein, sind die Passagiere bestens geschützt. Im renommierten Euro-NCAP-Crashtest holte der Mittelklässler volle fünf Sterne. Abzug gab es bei der Kindersicherheit für die nicht immer ganz verständliche Beschriftungen und Warnhinweise. Den guten Gesamtauftritt schmälert das aber in keiner Weise. Und die Rüsselsheimer haben sich nicht nur bei der passiven Sicherheit etwas einfallen lassen. Auch aktiv wird der Fahrer unterstützt. Gute Beispiele sind die Frontkamera (525 Euro/ab Edition), die Tempo- und Überholverbotsschilder erkennt oder das adaptive Licht (1250 Euro/ab Edition), das für fast jede Verkehrsituation die passende Ausleuchtungen der Fahrbahn bereit hält. Somit kann sich der Fahrer auf das Wesentliche konzentrieren. Die schlüssige Ergonomie tut ihr Übriges dazu. Kritik verdient höchstens die Vielzahl der Drehknöpfe, deren logische Zuordnung sich einem erst erschließen muss. Und eine kosmetische Anmerkung: Die mattgrauen Oberflächen in der Mittelkonsole reagieren extrem empfindlich auf fettige Finger – ein einfaches Reinigungstuch schafft allerdings auch schnelle Abhilfe. Das spricht wiederum für die gehobene Materialqualität. 


Antrieb und Fahrwerk
Opel setzt beim Insignia bewusst auf Handlichkeit und Fahrspaß. Trotz seiner stattlichen Größe und einem Lebendgewicht von 1,6 Tonnen bewegt sich der Insignia Tourer alles andere als schwerfällig. Die Lenkung ist sehr direkt, die Fahrwerksauslegung auf Agilität getrimmt, ohne dabei in irgendeiner Form den Komfort zu vernachlässigen. Neutral und gutmütig durcheilt der Sports Tourer durch Kurven – die Rückmeldung des Fahrwerks ist feinfühlig und vermittelt viel Vertrauen ins Auto. Erstaunlich, dass diese fast schon sportliche Auslegung den Fahrkomfort nicht negativ beeinflusst. Der Insignia reagiert alles andere als spröde auf schlechte Fahrbahnen. Ruhig und ausgeglichen eilt der Rüsselsheimer über Rillen, Schächte und Löcher hinweg. Nur die eine oder andere derbe Querfuge sorgt für kleine Zuckungen in der Lenkung.

Leider passt der schlappe und kernige Vierzylinder des Testwagens mit seinen 140 PS nicht so recht zum aktiven Lebensstil des Autos. Der nach Euro 5 eingestufte 1,8-Liter-Benziner setzt den Insignia nur widerwillig in Bewegung und im mittleren Drehzahlbereich ist der Vierventiler einfach nur schlapp. Bei rund 4000/min stehen lediglich 175 Nm zur Verfügung. Auf Kraftschübe für Zwischenspurts wartet der Fahrer also vergeblich, wenn er das Gaspedal durchtritt. Nachdrückliches Beschleunigen in den oberen Gängen ist gar nicht möglich. Da hilft nur, die präzise rastenden Gänge fleißig zu nutzen und den Vierzylinder kräftig zu drehen. 


Umwelt und Kosten
Die Konsequenz: Dem trägen Motor werden ständig Leistungsreserven abverlangt – und das bekommt dem Verbrauch nicht. 9,5 Liter Super waren es im Testdurchschnitt. Wobei bei forcierter Fahrweise durchaus über zehn Liter aus dem Tank gesaugt wurden. Als Alternative bietet sich der 1.6 Turbo mit 180 PS an. Der Dynamiker konsumiert laut Werksangabe keinen Tropfen mehr – und das bei beachtlichen Fahrleistungen und Kraftreserven. Das hat aber seinen Preis: Der Turbo kostet mindestens 31.645 Euro (Version Edition), während der 1.8 Ecotec bereits für 26.590 Euro in der Liste steht – in der Basisausführung Selection. Wobei die höhere Ausstattungsstufe (Edition) durchaus Sinn macht, auch wenn sie knapp über 3000 Euro zusätzlich verschlingt. Dafür erhält der Käufer aber auch eine automatische Klimaanlage, eine Radio-Navigationseinheit, eine elektrische Parkbremse, Tempomat sowie weitere Annehmlichkeiten.  


Fazit
Der hochwertige Insignia macht auch als Kombi eine gute Figur. Die Kapazitäten eines Vectra Caravan kann der Sports Tourer zwar nicht aufweisen, aber für eine Familie ist der Rüsselsheimer mit Sicherheit ein interessantes Auto. Der getestete 1,8-Liter-Benziner passt leider gar nicht zum dynamischen Charakter eines so genannten Sports Tourers. 

Plus: großer Kofferraum, gute Platzverhältnisse, sehr gute Sitze vorn, ausgewogener Federungskomfort, sehr agil und handlich, hohe Sicherheitsreserven, angemessener Einstiegspreis

Minus: schlapper Benziner, ausladende Ladekante, schlechte Übersichtlichkeit vor allem nach hinten


Opel Insignia 2.0 CDTi ecoFLEX Sports Tourer

Opel bietet für den Insignia einen munteren Diesel mit Spritspartechnologie. Die richtige Alternative für Vielfahrer, denen der 1,8-Liter-Benziner zu schlapp und durstig ist.

Der 140 PS-Benziner im Insignia ist mit Sicherheit, das hat unser Test oben gezeigt, nicht die erste Wahl. Anders sieht es beim 2,0-Liter-Diesel aus. Das 160 PS starke Common-Rail-Aggregat macht zwar nach dem Kaltstart durch leichtes Nageln auf sich aufmerksam, aber der typische Dieselsound schwindet mit jedem Kilometer. 350 Newtonmeter mobilisiert der Turbomotor zwischen 1750 und 2500/min, seine maximale Leistung steht bei 4000/min zur Verfügung. Für Elastizität ist also gesorgt. Die weiche Kraftentfaltung des modernen Euro-5-Selbstzünders gefällt, das Ansprechverhalten ebenfalls – nach einer kurzen Gedenksekunde zieht der Insignia aus dem Stand munter los. In Kombination mit dem leichtgängigen und exakt agierenden Sechsganggetriebe bildet der Antrieb eine gelungene Mischung. Positiv: Der höchste Gang ist trotz des Sparwillens - im ecoFLEX wird die Übersetzung des Getriebes angepasst – nicht zu lang übersetzt. Der Fahrspaß wird also nicht getrübt; häufiges Runterschalten an Steigungen oder beim Überholen entfällt.

Beschleunigungswerte (9,9 Sekunden von null auf 100 km/h) und Höchstgeschwindigkeit (215 km/h) belegen zudem, dass der Diesel im Insignia mit Sicherheit alles andere als phlegmatisch ist. Im Verbrauch schlägt sich das Temperament nicht nieder. Trotz der kalten Jahreszeit konsumierte der Mittelklässler auch dank rollwiderstandsarmer Reifen und Feinschliff an der Aerodynamik lediglich 6,7 Liter auf 100 Kilometern. Eine Anzeige animiert obendrein zum frühen Hochschalten. Damit verpasst der Rüsselsheimer den angegebenen Zyklus-Wert von 5,1 Litern zwar deutlich, doch der Testdurchschnitt kann sich für ein Auto dieser Größenordnung dennoch sehen lassen.

Fazit
Der 160-PS-Diesel ist mit Sicherheit eine Empfehlung wert. Ob sich der Mehrpreis (ab 28.690 Euro für den Insignia Sports Tourer Selection)  allerdings rechnet, ist eine Frage der abgespulten Kilometer pro Jahr. Doch wie sieht die Alternative aus? Drehmoment und Leistungsentfaltung in dieser souveränen Manier bietet im Benziner-Programm höchstens der 2,0-Liter-Turbo mit 220 PS. Und der kostet als Tourer mindestens 33.745 Euro.


Technische Daten

Motor
  Opel Insignia 1.8 Ecotec
Hubraum cm³ 1796
Zylinder/Schadstoffklasse   4/Euro 5
Leistung kW (PS) 103 (140)
bei Motordrehzahl min-1 6300
Max. Drehmoment Nm 175
bei Drehzahl min-1 3800
Fahrleistung
  Opel Insignia 1.8 Ecotec
Max. Geschwindigkeit km/h 202
0 bis 100 km/h sek 12,2
Karosserie / Innenraum
  Opel Insignia 1.8 Ecotec
Karosserie   5-türig
Kofferraumvolumen l 540-1530
Reifendimension   215/60 R 16
Fahrzeuglänge mm 4908
Fahrzeugbreite mm 1856
Fahrzeughöhe mm 1520
Radstand mm 2737
Spurweite vorne mm 1585
Spurweite hinten mm 1587
Leergewicht kg 1610
Zuladung kg 555
Anhängerlast ung. kg 750
Anhängerlast gebr. kg 1350
Dachlast kg 100
Stützlast kg 85
Verbrauch
  Opel Insignia 1.8 Ecotec
Verbrauch EG-Mix l/100 km 7,8 S
ACE-Testverbrauch l/100 km 9,5 S
Tankinhalt l 70
Reichweite km 897
Preise und Kosten
  Opel Insignia 1.8 Ecotec
Preis ab Werk Euro 26.590

Kommentare
 
 
02.08.2010

Die Heckklappe ist ein echtes Manko!

Ich fahre selbst den Astra Kombi und würde nicht tauschen wollen.

 

Die Spitzen der Heckleuchten müssten mit Warnbaken versehen werden,

schier unglaublich, dass so was vor der Serienfertigung nicht auffiel.

Auf Design wird mehr Wert gelegt, als auf praktische Auslegung der Fahrzeugdetails.

 

Vielleicht sollte OPEL jedem Fahrzeug einen Schutzhelm beilegen,

oder all denen, die eine böse Schwiegermutter haben, zum Kauf raten.

Die Klappe geht auch als Killerhaube durch.

 

Gruß vom CDTI Fahrer

Rolf Kierstein
12.10.2010

Ich fahre schon seid Jahren Opel (Corsa Astra Vectra Signum) und habe den Wechsel nicht bereut. Mann sollte nur darauf achten eine gehobene Ausstattung zu wählen. Ich habe fast jegliches Extra in der 2,0 Lieter Dieselvariante. Die im Kommentar von R. Kierstein erwähnte Klappe ist bei mir so eingestellt, dass sie bei kräftiger Berührung in den Ausgangszustand zurück geht. Auch kann ich nicht feststellen, dass die Heckleuchte zusätzliche Warnaccessoirs benötigt. Was ich feststellen konnteist, dass sich die Opelaner richtig mühe gegeben haben und die Technik dem neuesten Stand angepasst wurde. Im Winter sind die Ledersitze in 3 Stufen warm und im Sommer werden sie gekühlt. Lichtautomatik, Parkplatzautomatik, alles super. Es fehlt nur die Bar auf dem Rücksitzen. Nun dent nichts falsches, denn ich fahre auch noch BMW und auch nicht ganz ohne Ausstattung.

Jürgen Thiele
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