Produkttest: Trägersysteme
Die Rad-Geber
Im Frühjahr locken die ersten warmen Sonnenstrahlen. Viele Autofahrer nehmen dann ihre Räder mit auf den Tagestrip oder gar die Wochenendtour. Doch der Transport der Bikes gestaltet sich nicht immer ganz so einfach. Werden die Räder auf das Dach "geschnallt", muss man in der Regel umständlich hantieren und viel Kraft aufwenden, bis die Fuhre richtig sitzt. Einfacher zu handhaben sind Ausführungen, die an der Heckklappe befestigt werden. Nachteil: Die Karosserie kann bei Unachtsamkeiten schnell verkratzen. Die dritte Variante setzt zwar eine Anhängerkupplung voraus, doch hat sie klare Vorteile: Der Träger ist in den meisten Fällen einfach zu montieren und die Räder lassen sich mit relativ wenig Kraftaufwand aufladen.
ACE LENKRAD hat zusammen mit der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) sechs Kupplungsträger einem Test unterzogen.
Wichtig: Bereits beim Kauf muss der Interessent abwägen, ob er Zeit in den eigentlichen Zusammenbau investieren möchte. Und nicht nur das. Beim "James" von Eufab sind zudem handwerkliches Geschick und ein gutes Vorstellungsvermögen gefragt. 90 Minuten benötigte das Test-Team, um den Träger komplett aufzubauen. Leider ist die in Schwarz-Weiß gehaltene Anleitung dabei keine echte Hilfe. Bilder und Texte sind in der Blattsammlung reichlich verstreut – ein Zusammenhang ist kaum zu erkennen. Das provoziert unnötige Fehler. Auch die Montage der zwei Fahrradhalter ist kompliziert, da die gesamte Konstruktion erst umständlich zerlegt werden muss, bevor sie an den Bügel montiert werden kann.
Besser: der Atera "Strada DL". Nach zwei Minuten ist alles erledigt. Nur den Bügel für die Räder gilt es, noch in Position zu bringen. Eine feine Sache. Auf diesem Niveau bewegen sich mehr oder weniger auch die übrigen Kandidaten. Die beste Anleitung liefert übrigens Thule bei seinem "EuroClassic G5" mit. Auf jedes Detail, bis hin zur Auflistung der Stützlasten und der Räderposition auf dem Träger, wird punktgenau eingegangen. Vorbildlich!
Qualitativ sind alle sechs Träger gut. Lediglich der Eufab "James" fällt ab, weil einige Teile – das merkt man beim Zusammenbau – recht scharfkantig sind und in der Hand-habung Schwächen auftreten. Das Prinzip ist eigentlich simpel: Träger auf den Kugelkopf aufsetzen und anschließend durch Drücken eines Spannhebels fest verankern.
Das Problem beim Eufab-Träger: Damit sich die Konstruktion auf der Kugel nicht sofort verdreht, muss zusätzlich eine Schraube so justiert werden, dass sie den Kugelkopf fest einklemmt. Das ist alles andere als einfach. Wenn nicht sogar ein Risiko! Wer damit nämlich keine Erfahrung hat, tut sich schwer, genau den richtigen "Punkt" zu treffen.
Mehr Funktionalität beweisen der Al-Ko "Bike pack Plus" und der "P 21" von Uebler – dicht gefolgt vom Thule-Träger. Beim "Bike pack Plus" stört lediglich, dass der korrekte Sitz durch zwei Sechskantmuttern an der Unterseite nachjustiert werden kann – das erfordert etwas Übung. Die Befestigung der Räder geht indes leicht von der Hand. Und: Die Bikes stehen absolut sicher. Zudem schützt ein Schloss vor Langfingern. Richtig durchdacht: Das Abklappen des Trägers erfolgt über ein leicht zu bedienendes Fußpedal. Der "P 21" (baugleich mit VW-Originalteilen) von Uebler könnte noch besser abschneiden, wenn der Klappmechanismus etwas einfacher wäre. Zum Absenken müssen Schnellverschlüsse geöffnet werden, die auf der "Rückseite" sitzen. Das erschwert den Vorgang, da man sich erst einmal verrenken muss. Ansonsten macht die Konstruktion einen sehr hochwertigen Eindruck. Das gilt auch für die ordentliche Diebstahlsicherung.
Auch der Thule "EuroClassic G5" überzeugt im Handling. Sein Spannhebel verfügt sogar über farbliche Markierungen, die zeigen, ob der Hebel in seiner Endposition ist. Das Schloss wiederum lässt sich nur abschließen, wenn alles passt und richtig sitzt. Nicht ideal sind die Führungen für die Räder beim Mont Blanc "Explorer 2". Die "Schuhe" sind knapp bemessen. Bei großen Rädern reicht die an sich hochwertige Führung nicht aus, das Rad des Bikes steht dann etwas über und schwankt leicht in der Halterung.
Dass alles fest sitzen muss, zeigen die Fahrversuche. Bikes, die sich bei einer Vollbremsung aus 100 km/h beispielsweise aus ihrer Verankerung lösen, werden unter Umständen zu tödlichen Geschossen. Im Test bestanden alle Kandidaten diese Übung. Kein Bike zuckte in seiner Halterung. Deutlich anspruchsvoller: der so genannte Elchtest. Mit maximal 65 km/h durcheilte der Testwagen die enge Ausweichgasse. Eine extreme Belastung, aber realitätsnah. Und hier zeigten sich die ersten Schwächen. Einige Träger zappelten und wankten bei den schnellen Richtungswechseln – blieben aber in ihrer Position. Nur der "James" von Eufab verdrehte sich auf der Kupplung und berührte leicht die Karosserie, ohne allerdings Schäden zu verursachen. Keine Blöße gab sich der Träger von Eufab bei der simulierten Autobahnausfahrt. Diese Übung absolvierten alle sechs Testteilnehmer ohne jegliche Beanstandungen. Ein beruhigendes Gefühl.
Fazit
Die Qualität der Radträger für Anhängerkupplungen ist durchweg gut, wenn man den preiswerten Eufab "James" mal ausnimmt. Seine Schwächen sind einfach zu groß, um ein Top-Ergebnis zu erzielen. Das gilt für die Verarbeitung, die Handhabung und die Sicherheit. Etwas mehr Mühe könnten fast alle Hersteller auf die Erstellung einer ordentlichen und logischen Bedienungsanleitung verwenden.
So haben wir getestet
Der Radträger-Test umfasste drei Disziplinen: Montage, Handhabung und Fahrtest. Letzterer ist besonders wichtig, schließlich müssen die Räder in jeder Fahrsituation sicher halten. Deswegen mussten alle Kandidaten mehrere Vollbremsungen aus 100 km/h klaglos meistern. Ein Verrutschen auf der Kupplung oder gar Anschlagen an der Karosserie führt zu einem deutlichen Punktabzug. Gleiches gilt für den sogenannten "Elchtest", ein fest definiertes Ausweichmanöver in einer engen Pylonengasse. Gefahren wurde der Elchtest mit 55, 60 und 65 km/h. Auch bei diesem extremen Fahrmanöver darf nichts verrutschen. Letzte Disziplin: eine zu schnell angefahrene Autobahnausfahrt. Dabei wird in einer Kurve aus 100 km/h massiv abgebremst.
Produkt-Innovation
Spezialist Uebler bietet ab sofort ein neues Trägersystem an. Der innovative iSF nutzt eine in das Fahrzeug integrierte Halterung. Sie wird hinter dem Stoßfänger angebracht.
Diese Lösung eignet sich für Fahrzeuge, an denen sich weder ein Heck- noch ein Dachträger richtig anbringen lassen (Coupé, Cabrio). Der Träger selbst ist leicht zu montieren, da er einfach in die passende Führung – zwei stabile Aufnahmepunkte – geschoben wird. Hebel umlegen, fertig. Ein Verrutschen, Wackeln oder gar Verdrehen der gesamten Konstruktion ist damit unmöglich. Darüber hinaus lässt sich der iSF mit einem Handgriff wegklappen, sodass man ungehindert an den Kofferraum kommen kann. Der Träger kann allerdings nur bei der Bestellung eines Neuwagens mitgeordert werden; eine Nachrüstung ist aus technischen Gründen nicht möglich. Derzeit bietet Uebler den iSF für VW-Modelle an (Passat). Der Preis: rund 750 Euro.
Info-Grafik: Alle getesteten Trägersysteme im Überblick






