Produkt-Test: Sommerreifen
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ACE-Sommerreifen-Test
ACE LENKRAD hat gemeinsam mit der GTÜ zwölf Sommerpneus des Größe 205/55 R 16 getestet
ACE-Sommerreifen-Test
Aquaplaning-Test: Gemessen wird, bei welcher Geschwindigkeit die Reifen aufschwimmen
ACE-Sommerreifen-Test
Leises Abrollen ist gewünscht: das Vorbeifahrgeräuschs wird in den in dB(A) gemessen
ACE-Sommerreifen-Test
Beim Nasshandling führen Fahrzeit und subjektive Bewertung des Fahrverhaltens zum Ergebnis
ACE-Sommerreifen-Test
Auf dem anspruchsvollen Trocken-Handlingskurs wechseln sich schnellen und langsamen Kurven ab
Ab Herbst 2012 verlangt die EU eine Kennzeichnung von Reifen, wie sie von Kühlschränken oder Wasch-maschinen bekannt ist. Dieses Label beschränkt sich dabei auf wenige Kriterien, die stark auf Umweltverträglichkeit abzielen. Wichtige Reifenparameter für mehr Sicherheit im Straßenverkehr fehlen dagegen im Label. Für den Autofahrer ist ein ausgewogener Reifen, der unter allen Alltagsbedingungen optimale Fahrsicherheit bietet, jedoch unerlässlich. Unter dieser Prämisse haben ACE und GTÜ ihren aktuellen Sommerreifentest durchgeführt – und auch das künftige Label auf den Prüfstand gestellt: Hilft die Kennzeichnung beim Reifenkauf?
Aber der Reihe nach: Zunächst stehen die Nässedisziplinen auf dem Testprogramm. Bremsen aus 80 km/h auf bewässertem Asphalt. Die Ergebnisse sind teils erschreckend. Das Billigprodukt aus China, der Wanli, will scheinbar überhaupt nicht anhalten. Der Golf rutscht und rutscht, kommt erst nach 44,4 Metern zum Stillstand. Alle anderen bleiben im Nassbremsen unter der 40-Meter-Marke. Der beste im Test, der Conti Premium Contact 2, steht schon nach 31,5 Metern. Was das im Alltag bedeuten kann, zeigt eine einfache Rechnung. An der Stelle, wo der Conti-bereifte Golf steht, rutscht der Wanli-bestückte noch mit mehr als 50 km/h vorbei. Ein Auffahrunfall mit schwersten Verletzungen für die Insassen wäre die Folge.
Wie stellt sich diese Situation für den Kunden an der Theke des Reifenfachhandels dar? Wie sieht das Label für den gefährlichen China-Import aus? Vergeben werden sieben "Noten": Von A für die beste bis G für die schlechteste Leistung in dieser Disziplin (siehe unten). Nach den Kriterien des EU-Labels erhält der Wanli für diese indiskutable Leistung immerhin noch ein "E". Dies ist zwar eine klare Abwertung, reicht nach Überzeugung unserer Reifen-Experten aber nicht als unmissverständliche Kauf-Warnung, die angesichts dieses Sicherheitsdefizits angebracht wäre!
Auf dem bewässerten Handlingkurs müssen die zwölf Pneus beweisen, dass sie das ausgesprochen gutmütige Fahrverhalten eines VW Golf nicht nachteilig verändern. Hier kann der Dunlop überzeugen, der, obwohl im Nassbremsen nur als "B" eingestuft, im Handling durch angenehme Fahrzeugreaktionen auftrumpft. Dafür gibt es beim ACE-Test die gleiche Punktzahl, die der Beste im Nassbremsen, der Conti, erhält. Überraschen kann der Reifen von Sava, der hier trotz des günstigen Preises mithalten kann. Er zieht in dieser Disziplin mit den viel teureren Reifen gleich und besticht durch weiche, jederzeit kontrollierbare Reaktionen auf kritische Fahrzustände.
Aquaplaning, eine für die EU-Labeling-Kommision nicht kennzeichnungswürdige Reifeneigenschaft, ist für die Sicherheit auf unseren Straßen von erheblicher Bedeutung. Wer kennt sie nicht, die Längsrinnen auf der der Autobahn? Schnell sammelt sich hier, auch bei leichtem Regen, das Wasser zu einer durchgehenden, langen Pfütze. Im Test schwimmt der mit Wanli bereifte Golf schon bei 66 km/h unlenk- und unbremsbar auf einem Wasserkeil dahin. Erschreckend, würde jetzt ein Lkw von hinten mit 80 km/h herandonnern. Debica und GT Radial schwimmen bei etwas mehr als 70 km/h auf – kaum besser. Die meisten Teilnehmer folgen bei etwa 80 km/h. Die Pneus von Goodyear und Uniroyal fühlen sich im Wasserbecken besonders wohl und räumen die volle Punktzahl ab.
Nicht nur auf der Geraden, sondern auch in Kurven lauert die Aquaplaningfalle. Beispiele hierfür gibt es in der Praxis genug. Die zügig gefahrene Autobahnausfahrt mit kleinem Wasserlauf nach einem Unwetter. Auch in diesem Kapitel sind der Goodyear und der Uniroyal spitze. Die Konstrukteure trimmten diese beiden Produkten speziell auf diese Wetterbedingungen hin. Sie bieten große Sicherheitsreserven bei Nässe. Der preiswertere Sava schafft ebenfalls den Sprung in die Premier League. Er erreicht gute Werte, fällt kaum hinter die beiden deutlich teureren Reifen zurück.
Kann der Billigreifen auch im Trockenen mithalten? Naturgemäß und der Physik folgend müssen die Sieger auf nassem Parcours im Trockenen Federn lassen und umgekehrt erleben "wasserscheue" Pneus hier oft eine Auferstehung. Den Spagat schaffen Dunlop und Conti. Ihre Bremswege sind auch auf trockener Straße sehr kurz. Der billige GT Radial bremst mit 37,1 Metern so kurz wie der Uniroyal. Ausrutscher leisten sich Debica und Wanli.
Im Handling auf trockenem Rundkurs stellen die Premiumprodukte ihre Ausgewogenheit unter Beweis. Keine Regel ohne Ausnahme. Der Goodyear muss seiner offenen Profilgestaltung – spitze im Aquaplaning – hier Tribut zollen und verliert. Sava, bei Nässe fast auf dem Niveau der Premiummarken, fällt deutlich zurück. Besonders in schnellen Kurven ist der Golf mit dem Sava kaum in der Spur zu halten.
Diese Ergebnisse interessieren die EU-Kommision für das Reifenlabeling allerdings nicht. Und der Schalldruck des Vorbeifahrgeräuschs, gemessen in dB(A), präsentiert sich eher als abstrakter Zahlenwert denn als wirkliche Lebenshilfe. Was bedeutet es, wenn ein Reifen – wie der GT Radial – mit 69,9 dB(A) abrollt? Oder wie störend sind die 72,8 dB(A) des schlechtesten Reifens in dieser Disziplin? Je höher der Zahlenwert, desto lauter empfindet der Mensch das Rollgeräusch. Zehn dB(A) mehr entsprechen dabei einer empfundenen Verdoppelung des Lärms.
Beim Rollwiderstand, der Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch hat, wollte die EU-Kommission bewusst "Spielraum nach oben" lassen – und hat dabei die Messlatte zu hoch angelegt: Selbst auf leichtes Abrollen optimierte Pneus wie der Michelin erreichen nur eine Einstufung in die Klasse "E". Der schlechteste im Test, der Sava, hat einen um 22 Prozent höheren Rollwiderstand und verbraucht damit etwa sechs Prozent mehr Sprit. Trotzdem erhält er noch die Klassifizierung "F".
Fazit
Das neue Reifenlabel beschreibt die Reifeneigenschaften nur annähernd und vernachlässigt wichtige Reifeneigenschaf-ten wie beispielsweise das Aquaplaning völlig. Genaue Informationen bieten nur ausführliche Reifentests.
Info-Grafik: Alle getesteten Sommerreifen im Überblick
Meinung: Eigen-Zertifizierung ersetzt keine unabhängigen Tests
Neues Reifenlabel der EU ab 2012
Die Europäische Union verpflichtet alle Hersteller, ab 2012 ihre Reifen in puncto Rollwiderstand, Nässehaftung und Abrollgeräusch zu kennzeichnen. Bekannt ist diese Art Label für den Endverbraucher hauptsächlich durch die Kennzeichnung der "weißen Ware": Bei Kühlschränken und Waschmaschinen sind sie schon lange Standard. Im Falle der Reifen zertifizieren die Hersteller ihre Produkte selbst. Die Messungen werden auf firmeneigenen Testgeländen rund um den Globus durchgeführt und in Relation zu den Werten eines Referenzreifens gesetzt. Die Abweichungen, die durch Unterschiede bei Fahrbahnbeschaffenheit, Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei den Messungen entstehen, versucht man durch ein Rechenmodell auszugleichen.
ACE und GTÜ haben zwölf Reifenfabrikate "gelabelt" und präsentieren hier die Ergebnisse. Eine gezielte Kaufentscheidung, die mehr Sicherheit im Straßenverkehr verspricht, scheint danach kaum möglich. Die von der EU gewählten Klassen und Werte für die Gebrauchseigenschaften der Pneus beschreiben den Reifen nicht umfassend. Viele sicherheitsrelevante Reifeneigenschaften werden dabei überhaupt nicht berücksichtigt. Beispielsweise gerät die Aquaplaningsicherheit vollständig ins Hintertreffen.
Das Reifen-Label der EU, das erst ab 2012 vorgeschrieben, feiert bereits beim ACE-Reifentest des Jahres 2010 Premiere: Wir haben die zwölf Sommerprofile "gelabelt" und präsentieren hier erstmals die offiziellen Bewertungen.
So haben wir getestet
Die Testfahrten absolvieren wir auf dem "Contidrom" der Conti AG. Als Testfahrzeuge dienen verschiedene VW Golf VI. Der Rollwiderstand wird unter exakt definierten Bedingungen von Temperatur und Luftdruck auf einem Rollenprüfstand in kg/t ermittelt.
Zur Ermittlung des Bremsweges wird das Messfahrzeug an einer Schiene geführt. Damit ist sichergestellt, dass die Bremsung auf immer exakt demselben Asphaltabschnitt erfolgt. Die Messgenauigkeit wird so stark erhöht. Die Bremsweglänge bezieht sich auf die Strecke die das Fahrzeug zwischen 80 km/h und 20 km/h zurücklegt.
Die kurvenreiche Nasshandlingstrecke des Testgeländes ist permanent bewässert und gleichmäßig mit Wasser benetzt. Neben der reinen Fahrzeit gehört die subjektive Bewertung des Fahrverhaltens zur Ergebnisfindung. Änderungen des Fahrverhaltens führen zur Abwertung.
Die Messung der Aquaplanigsicherheit auf der Geraden und in der Kurve erfolgt in Wasserbecken von jeweils sechs Millimetern Wassertiefe.
Auf der Geraden wird jene Geschwindigkeit gemessen, bei der der jeweilige Reifen den Bodenkontakt verliert. Der Fahrer beschleunigt im Wasserbecken bis die angetriebenen Vorderräder die Haftung verlieren.
In der Kurve ist der Abfall der Zentrifugalkraft bei der Durchfahrt des Wasserbeckens der Bewertungsmaßstab. Ein Abschnitt einer Kreisbahn ist dazu mit Wasser gefüllt. Der Fahrer steigert die Kurvengeschwindigkeit von Runde zu Runde in Stufen von fünf km/h bis der Reifen den Bodenkontakt im Wasserbecken verlieren und die Querbeschleunigung zusammenbricht.
Analog zum Fahrverhalten bei Nässe erfolgt auch die Trockendisziplin auf einem kurvenreichen Handlingkurs mit schnellen und langsamen Kurven. Auch hierbei zählen die Fahrzeit und eine subjektive Bewertung des Fahrverhaltens. Die Bremswegmessung auf trockenem Asphalt erfolgt aus 100 km/h. Die Messung des Außengeräuschs erfolgt auf einer mit Normasphalt beschichteten Strecke. Das Fahrzeug rollt mit 80 km/h antriebslos an den Mikrofonen der Schallpegelmesser vorbei. Je höher der Wert je lauter ist der jeweilige Reifensatz.









Hallo Albert,
wie habt Ihr die Nassrutschwerte in das Nassrutschlabel umgerechnet. Seit Ihr Uniroyal Tiger Paw als Nulllinie (und Bezugspunkt) für das Label mitgefahren
MfG
Holger