Vergleichstest: Honda Accord vs. Hyundai i40

Asia-Kombination

01.12.2011 04:14

Der unlängst überarbeitete Honda Accord trifft auf den komplett neuen i40 von Hyundai. Dem Vergleich stellen sich die asiatischen Kombis mit Diesel und Automatik-Getriebe.


Honda Accord vs. Hyundai i40

Beim Schlagabtausch der beiden Asiaten setzt Hyundai zum Überholen an

Honda Accord

Die Bedienung des 2400 Euro teuren Honda-Navis ist umständlich

Honda Accord

Aus einem Hubraum von 2,2 Li-tern stemmt der i-DTEC-Motor 350 Newtonmeter

Honda Accord

Durch den hohen Mitteltunnel ist die Rücksitzbank nur bedingt für drei Personen tauglich

Honda Accord

Mit 406 bis 1252 Litern ist das Ladeabteil des Accord unterdurchschnittlich

Hyundai i40

Die Automatik kostet im i40 1400 Euro extra, Honda verlangt 500 Euro mehr

Hyundai i40

Die Luftdüsen im Fond sind bei der Style-Ausstattung serienmäßig

Hyundai i40

Der 1,7 Liter kleine Hyundai-Diesel ist im i40 kein Temperamentsbolzen

Hyundai i40

Maximal 1719 Liter schluckt das i40-Heck und gehört damit zu den Größten im Segment

Honda Accord vs. Hyundai i40

Dank seiner größeren Heckscheibe ist der Honda nach hinten übersichtlicher

"Mercedes aus Japan" – über diese Charakterisierung in Tests der Fachpresse konnten sich die Verantwortlichen der Marke Honda über Jahre hinweg freuen. Inzwischen haben nicht nur die Wettbewerber aus Nippon mächtig aufgeholt – auch die Koreaner wissen längst, wo es im Automobilbau lang geht. Bestes Beispiel: der neue Mittelklasse-Kombi i40 von Hyundai, der in der Berichterstattung nach der Präsentation jede Menge Vorschusslorbeeren erntete. Umso spannender ist nun, wie sich der neue Koreaner gegen die etablierte Konkurrenz – der Honda Accord ist immerhin schon in seiner achten Generation am Start – aus Japan schlägt. Produziert wird der Mittelklasse-Wagen für den europäischen Markt jedoch im englischen Swindon. Und auch bei Hyundai kommt nicht alles aus Korea: Zwar wird der i40 im fernen Osten gebaut, zu großen Teilen entwickelt wurde er jedoch im Rüsselsheimer Forschungszentrum. In unmittelbarer Nähe entstand auch das Design, für das der Ex-BMW-Gestalter Thomas Bürkle hauptverantwortlich zeichnet.

Trotz nahezu identischer Abmessungen könnten die Platzverhältnisse beider Kombis unterschiedlicher kaum sein. Bis auf das vergleichbare Raumangebot vorn, hat der Koreaner in der zweiten Reihe und vor allem im Kofferraum (Hyundai: 553 l, Honda: 406 l) deutlich mehr zu bieten. Die Fondpassagiere stören sich im Accord schnell am wuchtigen Mitteltunnel, besonders wenn die Rückbank zu dritt besetzt wird. Doch auch an Kopffreiheit mangelt es dem Japaner.

Im Innenraum sind es hier wie dort die Zierleisten, die an den Übergängen – beispielsweise zum Handschuhfach – nicht 100-prozentig passen. Sonst befindet sich die Verarbeitung beider Asiaten auf sehr hohem Niveau, ein qualitativer Unterschied zwischen den Konkurrenten nicht mehr auszumachen. Auch die verwendeten Materialien lassen kaum Wünsche offen. Diese kommen jedoch bei der Bedienung des 2400 Euro teuren Navigationssystems im Honda auf. Der fummelige Dreh-Drück-Steller lässt sich nicht sehr präzise betätigen und ist zu weit oben platziert. Zwar auch nicht perfekt, aber deutlich besser geht die Touchscreen-Bedienung des Hyundai-Navis (1510 Euro) von der Hand. Aber auch Details, wie der einzeln und links vom Lenkrad platzierte Lichtschalter, geben im i40 Grund zur Freude – damit hat das Gedrehe am Blinkhebel, wie im Honda, ein Ende.

Auch beim Thema Sicherheit kann der Hyundai kräftig punkten: Neben den mittlerweile schon zum Standard gehörenden sechs Airbags (Fahrer-, Beifahrer-, Seiten- und Kopfairbags) bietet der Koreaner einen Knieairbag für den Fahrer und optionale, hintere Seitenairbags. Leider sind die zusätzlichen Luftsäcke für die Fondpassagiere nur im umfangreichen Plus- bzw. Relax-Paket für mindestens 1140 Euro Aufpreis zu haben.

Lediglich der Abstandsregler mit Notbremssystem  bleibt dem Japaner vorbehalten.

Die Fahrwerksabstimmung des Honda leidet an den recht harten Federn und den relativ soften Dämpfern. Die Folge ist ein hohes Nickmoment beim Bremsen und Beschleunigen. Außerdem neigt der Accord auf schlechten Fahrbahnen zum Poltern. Hier zeigt sich der Hyundai deutlich besser konditioniert. Er lässt sich nicht nur präziser steuern, sondern bietet vor allem auf der Autobahn mehr Komfort.

Das Antriebskapitel kann der Honda knapp für sich entscheiden. Seinem 2,2-l-Diesel reichen die fünf Stufen des Automatikgetriebes, dank des hohen Drehmoments von 350 Newtonmetern, völlig aus. Dagegen schaltet die Sechsgang-Box im Hyundai fast hektisch hoch und runter. Vor allem im unteren Geschwindigkeitsbereich reagiert der Automat teilweise über. Dort wo man eigentlich noch gemütlich im zweiten Gang dahin rollen würde, ist schneller die erste Fahrstufe eingelegt als die Gaspedalstellung vermuten lassen würde. Auch die Fahrleistungen erreichen nicht ganz das Niveau des Hondas, der auf einen guten halben Liter mehr Hubraum vertrauen darf. Der Hauptgrund für die relative Durchzugsschwäche des Koreaners liegt im deutlich niedrigeren Drehmoment, wobei der Hyundai in der Automatik-Version auch nur 320 Newtonmeter leistet, während der Schalter mit zehn Newtonmeter mehr aufwartet. Doch bei der Effizienz dreht sich das Blatt wieder um und der i40 profitiert von seinem kleinen Hubraum. Mit einem halben Liter mehr im Testschnitt verliert der Japaner das Umwelt-Kapitel. Auf der Kostenseite haben uns beim i40 die reichhaltige Ausstattung und der vernünftige Grundpreis, vor allem in der Kombination des Diesels mit Automatik beeindruckt. Aber auch die Garantie und Wartungskostenübernahme, die Hyundai fünf Jahre lang gewährt, sprechen für den Koreaner; ebenso wie die niedrigere Steuerbelastung.


Fazit
Mit dem i40 präsentiert Hyundai einen ernstzunehmenden Familienkombi, der dem etablierten Honda Accord klar den Rang abläuft und für viel frischen Wind in der Mittelklasse sorgen dürfte.

 

1. Platz: Hyundai i40
Der i40 ist ein großer Wurf der koreanischen Autoindustrie. Er verkörpert den europäischen Geist und das zugehörige Know-how. Ob Design, Raumangebot oder Fahrwerk: Hier ist alles zeitgemäß.

Plus: sehr gutes Raumangebot, genügsamer Diesel, viel Ausstattung, hohe passive Sicherheit, agiles und komfortables Fahrwerk, 5 Jahre Garantie/Wartung

Minus: hohe Sitzposition, unübersichtliche Karosserie, teils hektische Automatik


2. Platz: Honda Accord
Trotz der jüngsten Frischzellenkur gelingt es dem Honda Accord nicht, seinem neuen Gegner aus Korea Paroli bieten zu können. Er ist zwar genau so groß, bietet innen jedoch deutlich weniger Platz.

Plus: Platzangebot vorn, kräftiger Diesel, unauffällige Fünf-Gang-Automatik, gute Verarbeitung, viele Assistenzsysteme

Minus: Einstiegspreis, relativ hoher Verbrauch, wenig harmonisches Fahrwerk, knappes Fond, sehr kleiner Kofferraum


Technische Daten

Motor
  Honda Accord Tourer 2.2 iDTEC "S" Hyundai i40 cw 1.7 CRDi "Style"
Hubraum cm³ 2199 1685
Zylinder/Schadstoffklasse   4/Euro 5 4/Euro 5
Leistung kW (PS) 110 (150) 100 (136)
bei Motordrehzahl min-1 4000 4000
Kohlendioxid-Ausstoß g/km 167 149
Karosserie / Innenraum
  Honda Accord Tourer 2.2 iDTEC "S" Hyundai i40 cw 1.7 CRDi "Style"
Karosserie   5-türig 5-türig
Kofferraumvolumen l 406-1250  
Fahrzeuglänge mm 4750 4770
Fahrzeugbreite mm 1840 1815
Fahrzeughöhe mm 1470 1470
Verbrauch
  Honda Accord Tourer 2.2 iDTEC "S" Hyundai i40 cw 1.7 CRDi "Style"
Verbrauch EG-Mix l/100 km 6,3 D 5,6 D
ACE-Testverbr. Schnitt l/100 km 7,5 D 7,1 D
ACE-Testverbr. Minimal l/100 km 6,6 D 6,2 D
Preise und Kosten
  Honda Accord Tourer 2.2 iDTEC "S" Hyundai i40 cw 1.7 CRDi "Style"
Preis ab Werk Euro 32.150 30.390
Kfz-Steuer Euro/Jahr 297 220
Vers.-Klasse KH   17 19
Vers.-Klasse TK   24 22
Vers.-Klasse VK   23 21
Haftpflichtvers. Euro/Jahr 1268 1429
Vollkaskovers. Euro/Jahr 1617 1361
Variable Kosten* Cent/km 24,9 24,1
Feste Kosten** Euro/Jahr 10.061 9.673
Feste Kosten** Cent/km 67,1 64,5
Gesamtkosten Euro/Jahr 13.800 13.290
Gesamtkosten*** Cent/km 92,0 88,6

Bewertung

Gesamtergebnis
  Honda Accord Tourer 2.2 iDTEC "S" Hyundai i40 cw 1.7 CRDi "Style"
Karosserie / Innenraum (235) 138 186
Sicherheit / Bedienung (250) 168 208
Antrieb / Fahrwerk (200) 132 142
Umwelt / Kosten (315) 170 203
Gesamtergebnis (1000) 608 739

Kommentare
 
 
04.01.2012

Ich bin eigentlich der Überzeugung, dass ich Tabellen lesen und interpretieren kann. Aber bei der Gesamtergebnisbewertung sind für mich weder die Klammerwerte, noch die Daten für den Honda nachvollziehbar, da diese rechnerisch und logisch nicht erklärbar sind. Hier ist sicherlich eine Ergebniskorrektur notwendig.

Bernd Ükermann
23.02.2012

Ich bin den Accord mal Probe gefahren. Wie man mit dem Auto 7.5l/100km verbrauchen kann ist mir schleierhaft. Wenn die "Tester" allerdings ständig um die 200 gefahren sind, mag das möglich sein. Das schafft der i40 mit seinem Motörchen und dem beuligen Design a la Opel nicht. Meine Teststrecke ist in Berlin einmal ab Schönefelder Kreuz quer durch über A100 bis Stolpe und dann über den Ring zurück bis Schönefeld. Stadtautobahn plus Stau und auf dem Ring bis 200: 6.5 l/100km.

Wo sind bei diesem angeblichen Test Werte wie Bremsen, Höchstgeschwindigkeit, tatsächliche innere Abmaße (der Accord ist innen so breit wie ein 5er BMW), Kniefreiheit etc.?

Das Auto ist einfach eine Klasse höher als der i40 angesiedelt und hat nicht umsonst den "red dot design award" bei seinem Erscheinen erhalten.

Allerdings ist der Tourer wohl eher in die Kategorie "Lifestyle" als "Packesel" einzuordnen. Da tun's dann Passat und i40 sicher besser.

Hans Bach
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