Wellness: Bad Füssing

Heiss & kalt

01.01.2012 10:24

Eine Winterkur in Europas größtem Thermalbad in Niederbayern hat viele Vorteile – wenig Trubel und hohen Abhärtungsfaktor.


Winterkur in Bad Füssing

Wohlige Temperatur im Wasser, überm Kopf weht ein kühles Lüftchen, und das Thermalbecken ist in Nebel gehüllt – die Kur bei Schnee hat ihre besonderen Reize.

Winterkur in Bad Füssing

Winterkur in Bad Füssing

Winterkur in Bad Füssing

Winterkur in Bad Füssing

Winterkur in Bad Füssing

Winterkur in Bad Füssing

Winterkur in Bad Füssing

Winterkur in Bad Füssing

Gelobt sei die Winterkur, denn sie härtet ab. Gemächlich lässt man sich im Strömungskanal dahintreiben, versucht im Nebel menschliche Hindernisse zu umgehen, rückt ihnen dann aber ungewollt doch zu nahe.

Doch es meckert keiner! Bad Füssing ist eine Wohltat, denn hier geht es allen gut. Entspannt lehnt man sich zurück im wohligen Wasser der Therme, plaudert oder lässt sich einfach treiben.

Das niederbayerische Heilbad ist der Kurort mit den meisten Übernachtungsgästen in ganz Europa. Angelockt werden sie von schwefel- und mineralienhaltigem Wasser, das mit der ungewöhnlich hohen Quelltemperatur von 56 Grad Celsius an die Oberfläche kommt.

Therapiert werden in Füssing vor allem Gelenk-, Wirbelsäulen-,  Herz- und Kreislauferkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Neurodermitis. Viele Gäste spüren bereits nach sieben Tagen eine deutliche Linderung der Schmerzen.

Im Ruheraum, beim Topfentascherl und einem großen Braunen, wie der Kaffee hier österreichisch genannt wird, tauschen die Kurgäse ihre Veranstaltungstipps für den Abend aus. Und da bleibt der "Haslinger Hof" alternativlos – ein Bauernhof mit Stadel, Volksmusikscheune, Disco, Schrammerlmusik und Schnapsbrennerei. Sonst lässt einen der Kurort auf fast provozierende Weise in Ruhe. Diejenigen jedenfalls, die nicht von Ärzten und Kassen vorgeschrieben bekommen, was sie wann zu tun haben. Die anderen reden von Anwendungen wie Skiläufer von Pisten. Wer aber freiwillig kommt, wer Wellness-Bedürfnisse befriedigen und gesellschaftlichen Zwängen aus dem Weg gehen will, findet sein Auskommen.

Mittlerweile sind die meis­ten Füssing-Kurgäste Selbst­­zah­­ler; sie wohnen in der 25-Euro-Pension oder im Vier-Sterne-Hotel. Aber alle entdecken die Langsamkeit des Seins: Es ist angenehm, frühmorgens aufzustehen und sich zuallererst in heißen Mineralschlamm (vulgo: Fango) zu legen. Mit anschließender Massage. Dem Frühstück danach. Und wie einst die Väter vom Nutzen des Schläfchens am Mittag schwärm­ten, kann hier der Gast sogar ungeniert von der heilsamen Wirkung des Vormittagsschlafes erzählen. Der Körper holt sich, was er braucht! Voraussetzung für das Wohlbefinden hier ist es, sich zur eigenen Faulheit zu bekennen. Aktionismus würde ins geistig-körperliche De-saster führen.

Füssing ist ein Kurort ohne Geschichte. Gekrönte Häupter sind hier nie abgestiegen. Alte Grandhotels – Fehlanzeige! Selbst die Spielbank ist eigentlich fehl am Orte. Bad Füssing ist auch nichts für junge Leute, und der Altersdurchschnitt der Menschen auf den Wegen und in den Bädern zeigt schon jetzt das Bild der deutschen Gesellschaft in dreißig Jahren auf.

Nur die Stadt ist jung. Nichts scheint älter als 30 Jahre zu sein. Eine Ansiedlung, wie auf dem Reißbrett gezeichnet. Die Straßen sind rechtwinklig angelegt, als Alleen mit breiten Fuß- und Radwegen. Autos sind unter die Erde verbannt. Nur in Safferstetten, ganz am Rande von Füssing, sind dörfliche Strukturen zu erkennen, Bauernhof, Gasthaus, Bach und Friedhof.

Ende der 1930er-Jahre zählte Füssing gerade mal 38 Einwohner, als man anfing, in der Pockinger Heide nach Erdöl zu bohren. Statt Öl fand man eine heiße Quelle, die gleich wieder versiegelt wur­de. Erst nach dem Krieg wurde das Bohrloch erneut geöffnet.

Der Bauer Franz Ortner, auf dessen Grund und Boden sie sprudelte, wurde zum Bade­meister. Für zehn Pfennig durfte bei ihm im Zuber gebadet werden. Weil das Wasser viel zu heiß war, eilte der Bauer mit kaltem Wasser zwischen den Kabinen hin und her. 1952 reisten im Schnitt fünfundzwanzig Badegäste pro Tag auf schlammigen Feldwegen an und verbrachten die Nächte in baracke­nähnlichen Behausungen. Erst ein Jahr später wurde die erste Asphaltstraße zwischen Füssing und Pocking eingeweiht. 1955 verfügte ganz Füssing über 230 Gästebetten.

Dann erfasste das Inntal Goldgräberstimmung. Hotels, Pensionen, Gasthäuser und Zulieferbetriebe entstanden. Bei einer zweiten Bohrung der heutigen Europa-Therme sprudelte wiederum heilendes Wasser aus dem Boden. 1963 verfügte man über tausend Gästebetten. Allerdings waren damals die Badebecken der Gründerzeit schon so veraltet, dass sie dem Massenansturm nicht mehr gewachsen waren. Aus hygienischen Gründen mussten sie geschlossen werden.

1963 wurde Quelle II gebohrt – die heutige Europa-Therme. Und dann kam Dr. Eduard Zwick. Der Mediziner investierte in ein erstes ärztlich geleitetes Sanatorium, gefördert vom damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Zwick veranlasste erneut Bohrungen abseits von Therme I  und II und im August 1964 sprudelte Heilwasser aus der "Johannesquelle", so genannt nach dem Sohn von Eduard Zwick.

Fünf Jahre später wurde eines der modernsten Kurbäder Deutschlands, die Therme III – das Johannesbad – in Betrieb genommen. Und der ehemalige Weiler durfte sich daraufhin mit dem Attribut "Bad" Füssing schmücken. 


Infos

Millionen Deutsche haben Anspruch auf eine Kur, für die sie einen Zuschuss ihrer Krankenkasse bekommen. Denn nahezu alle gesetzlichen Krankenkassen zahlen ihren Versicherten einen Zuschuss, wenn sie im Urlaub aktiv etwas für ihre Gesundheit tun. Voraussetzung ist die Teilnahme an qualitätsgeprüften und zertifizierten Gesundheitskursen (zum Beispiel Nordic Walking, Yoga etc.). Die meisten Krankenkassen erstatten bei Teilnahme an zwei Kursen bis zu 150 Euro.

Grundlage hierfür sind die entsprechenden  Bestimmungen im Sozialgesetzbuch (§ 20 SGB V) und jeweiligen Satzungen der Krankenkassen sowie die gesetzliche Verpflichtung, Versicherten Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge anzubieten.

Viele Veranstalter, wie "Neckermann Care" und "Thomas Cook Wellness & Mehr" haben Hotels im Angebot, die Gesundheitsprogramme bieten, die von Krankenkassen bezuschusst werden. Sie sind mit dem Hinweis "Gesundheitstipp" gekennzeichnet.

Alle von Spezialveranstalter Dr. Holiday angebotenen Präventionsreisen entsprechen den strengen gesetzlichen Vorschriften, sind von mindes- tens einer oder mehreren Krankenkassen geprüft und damit von allen Krankenkassen bezuschussungsfähig. Mehr unter www.dr-holiday.de, www.neckermann-reisen.de/hotel/ wellness/_und beim ACE-Reisebüro 0 18 02/33 66 79*, www.ace-reisen.de

Auskünfte: Gästeservice,  94072 Bad Füssing, Rathausstr. 8, Telefon 0 85 31/97 55 80; www.badfuessing.de

* Gebühr: 6 Cent aus dem deutschen Festnetz/Mobilfunk ggf. mehr



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