Rundreise: Luxemburg
Grenzenloser Genuss
Mit Burgen, Weinbergen, grenzenlosen Wanderwegen und französischem Savoir-vivre ist Luxemburg ein Land für Grenzgänger und Genießer.
"So schmeckt Europa." Henri Ruppert schenkt "Esprit de Schengen" ein. Die Trauben für die Cuvée wachsen auf luxemburgischen, deutschen und französischen Böden. "Bei uns gibt es den wohl europäischsten Wein", sagt der Winzer. Wir sind im Dreiländereck. Die Menschen ziehen zwischen Schengen, dem deutschen Perl und dem französischen Apach hin und her wie die Wolken über die Mosel. Die Deutschen kommen zum Tanken, die Luxemburger kaufen im deutschen Supermarkt ein. Dass sich die Winzer der drei Länder nun auch noch zusammengetan haben, um ihren Wein gemeinsam zu vermarkten, dürfte europaweit wohl einmalig sein. Ruppert, Weinbauer in der achten Generation, lässt den Geist von Schengen aus der Flasche. Mild schäumt der Crémant, der luxemburgische Schampus. Er ist Nationalgetränk und Lebensgefühl.
Rupperts Handwerk ist so alt wie der Traum von Freiheit, sein Weinhaus so neuzeitlich wie dessen Verwirklichung. Das Haus aus Beton und Glas steht hoch über dem Moseltal. Unten gleitet "Princesse Marie-Astrid" vorüber, Nachfolgerin jenes Schiffes, auf dem vor 25 Jahren der erste Vertrag von Schengen unterzeichnet wurde. Die Fahrgäste auf dem Sonnendeck schlürfen Moselwein und lassen die Hügel des 42 Kilometer langen Weinanbaugebietes an sich vorüberziehen, in dem sich schon die Römer vor 2.000 Jahren berauschten.
Immer mehr Europa-Touristen kommen nach Schengen. Drei sternendurchlöcherte Stahlstelen am Moselufer, ein Gedenkstein für das "Europa ohne Grenzen" am Dorfplatz, der sich etwas großspurig "Place de l’Europe" nennt, und ein Raum voller Fotos im barocken Gemeindehaus – das war bislang alles, womit das berühmteste Dorf der Welt aufwarten konnte. Schengen, das klingt nach Europa und ist doch nur ein Winzernest mit gerade mal 530 Einwohnern. Hier ist man noch immer zuerst Winzer, dann luxemburgischer Moselaner und schließlich Europäer. Trotzdem hat man zum Schengen-Jubiläum ein neues Informationszentrum gebaut. So modern wie Rupperts Weinhaus. Francois Valentiny, der Architekt des Luxemburger Pavillons auf der Weltausstellung in China, setzt futuristische Akzente in Weinbergidyllen. Auch das Restaurant "Mathes" an der Moselstraße bei Ahn – ein echter Valentiny. Bei Mathes bekommt man fast jeden Moselwein. Auf Muschelkalk- oder Tonmergelböden gereiften Rivaner, Auxerrois und Pinot Blanc. Der Maitre empfiehlt vollmundigen Pinot Gris zu Foie gras und eleganten Riesling zu gebackenen Moselfischen. Na dann, "Bon appetit" oder "Gudden", wie hier "Guten Appetit" auf Letzebuergisch heißt. Nicht nur im Dreiländereck, im ganzen Land hört man diese melodische Sprachmelange. Der kulinarische Kosmos Luxemburgs aber ist vor allem französisch inspiriert. Savoirvivre auf allen Wegen. Nach einem guten Essen ist das Wandern des Luxemburgers ganz besondere Lust. Nördlich der sanften Moselhügel beginnt das Mullerthal, die wilde Gegend des Landes. Die Kleine Luxemburgische Schweiz. Hier haben die Schwarze Ernz und ihre Zuflüsse tiefe Schluchten in den Sandstein geschnitten. Zickzackschluff, Keltenhöhle, Adlerhorst – die Namen der Felsen, Höhlen und Abgründe sind so fantastisch wie die bizarren Formen des Sandsteins. Und die Luft ist so feucht, dass den Bäumen ein dickes, grünes Fell aus Moos und Flechten gewachsen ist. In der Grotte Hollay stoßen wir auf geheimnisvolle, kreisrunde Spuren: "Schon die Römer nutzten die Höhle, als Steinbruch für Mühlsteine", erzählt Alain, der Wanderführer, der zufällig Muller heißt.
Einst drehten sich viele Wassermühlen in dieser Region. Seit wenigen Jahren bewegt sich das Rad der Mühle in jenem Ort wieder, der dem Tal den Namen gab. Museumschef Robi Baden knetet Sauerteig und schiebt die Rohlinge in den Holzbrandofen. Nach 40 Minuten kommen die "Kärebommel" auf den Tisch, ofenheiß und duftend.
Mit 13 Michelin-Sternen kann sich das 500.000-Seelen-Land Luxemburg der höchsten Pro-Kopf-Dichte an derart erleuchteten Gourmettempeln rühmen, doch geht auf Wanderwegen nichts über luxemburgische lukullische Erdverbundenheit, frankophil verfeinert, wie im "L’Ernz Noire" in Grundhof. Chefkoch David Albert hat die Pilze selbst gesammelt, mit denen er nun die Bachforelle füllt. Sein Champagner, pardon Crémant, mit einem Schuss Cassero, erweist sich als wahrhaft süffiger Aperitif. Der Johannisbeer-Likör wurde unweit von hier von der Herrin des Schlosses Beaufort erfunden.
Statistisch gesehen, so heißt es, brauche man in Luxemburg nur acht Kilometer zu fahren, um von einer Burg zur nächsten zu gelangen. In dem Land, das von Nord nach Süd nur 82 Kilometer und von Ost nach West 57 Kilometer misst, sind alle Wege kurz. Sie führen durch Wälder und Wiesen, Berg und Tal, durch immer neue Landschaftsbilder, gerahmt von schönen alten Buchen. Cabrio-Alleen, Motorrad-Pisten, Old-Timer-Strecken. "Luxemburg ist das, was sich die Amerikaner unter ‚Old Europa’ vorstellen", Jean-Pierre Dichter holt sein grünes Cabriolet MGVA, Jahrgang 1939, aus der Garage. Auch den 8-Zylinder-Buick, mit dem einst die großherzogliche Familie fuhr, bewegt er drei Mal im Jahr über die Straßen. Großherzog Henri, das regierende Staatsoberhaupt, hat es erlaubt. "Schließlich muss ein Auto fahren, sonst rostet es", sagt der Präsident des Oldtimer-Museums in Diekirch und rollt durch die Luxemburger Ardennen. Frei schweift der Blick von der Hochstraße zum Horizont, an dem sich Regenwolken zusammenballen. Wie gut, dass die tausendjährige Burg von Vianden ein dichtes Dach überm Kopf bietet. Als Burgführer Meik Hut Kind war, konnte er hier beim Spielen noch vom Keller bis in den Himmel sehen. Bis in die 1970er Jahre war diese gewaltige Festung eine "finstere Ruine", wie Victor Hugo sie nannte. Heute ist sie das meistbesuchte historische Museum Luxemburgs. Auch die engen Gassen der Stadt, das Kopfsteinpflaster, die Kirchtürme haben Museumswert. An der Flussbrücke der Bronzekopf Victor Hugos. "Vianden, in dieser herrlichen Landschaft gelegen, die einst ganz Europa besuchen wird …", schrieb der französische Dichter. Ein Visionär des vereinten Europas.
Grenzübergreifendes Denken ist in diesem Land überall präsent. In Küchen, in Weinkellern, sogar in der Gartenkunst. Bei Heinerscheid, wenige Kilometer weiter nördlich, wehen weiße Kreuze auf dünnen Stängeln wie Blumen im Wind. Die "Kreuze des Windes", Symbol für Werden und Vergehen, sind Teil der Gärten im Naturpark Our, die seit sechs Jahren von europäischen Künstlern gestaltet werden, grenzübergreifend in luxemburgischen, lothringischen und wallonischen Landschaften. Wir sind nun im Dreiländereck Luxemburg-Deutschland-Belgien. Am Ende des Weges steht bei Lieler das Symbol für den Anfang: das Europadenkmal, gewidmet den "Vorkämpfern für ein vereintes Europa".
Informationen
Infografik: Landkarte Luxemburg
Anreise
Mit dem Auto über die Autobahn Saarbrücken-Luxemburg. Schengen ist die erste Ausfahrt und somit Eingangstor ins Großherzogtum. Rückfahrt aus dem Norden des Landes (Ardennen) über die Landstraßen der Eifel bis zum deutschen Autobahnnetz oder über die Autobahn durch Belgien: Wiltz–Bastogne–Lüttich und weiter nach Aachen.
Mit dem Zug
Über Koblenz und Trier nach Wasserbillig an der Weinstraße und weiter nach Luxemburg-Stadt.Es fahren Busse nach Schengen. www.mobiliteit.lu.
Mit dem Flugzeug
Luxair fliegt ab Berlin, München, Hamburg, Frankfurt/Main und Wien nach Luxemburg. www.luxair.lu
Unterkunft
Die Preise für Hotelzimmer sind sehr flexibel an den jeweiligen Bedarf angepasst. In der Woche ist es über Land erfahrungsgemäß wesentlich preiswerter als am Wochenende.
Camping
Campingplatz "Birkelt", kinderfreundlicher 5-Sterne-Platz mit überdachtem Schwimmbad. www.camping-birkelt.lu. Toodlermillen, mitten im Naturpark Obersauer direkt am Fluss Sauer, mit Heuhotel und Biobauernhof. www.toodlermillen.lu
Unterwegs
Der neue Mullerthal Trail führt gut ausgeschildert insgesamt 110 Kilometer durch die Kleine Luxemburgische Schweiz.
Wandern
ohne Gepäck über: www.trailhotels.lu, www.hotels-ardennes.lu, www.wandelvakantie.lu, www.youthhostels.lu
Mit dem Mountainbike
Die Ardennen bieten ein Streckennetz von 300 km. 16 ausgeschilderte Routen aller Schwierigkeitsgrade führen durch dichte Wälder und tief eingekerbte Flusstäler.
Mit Kanu und Kajak
Die Jugendherberge Lultzhausen Rue du village, 9666 Lultzhausen, steht am Stausee im Naturpark Obersauer. Touren und Ausrüstungen. Tel. 00352-26889201, www.youthhostels.lu
Mit dem Schiff
Eine Moseltour zwischen Schengen und Wasserbillig (55 km) mit der eleganten "Princesse Marie-Astrid" ist auch ein kulinarisches Vergnügen, man sollte sich vorher anmelden. www.marie-astrid.lu
Lektüre
Marco Polo Luxemburg, 128 Seiten, 9,95 Euro, MairDumont-Verlag
ACE-Tipp
Mit der LuxembourgCard kann man für 10 Euro pro Person/Tag 56 Sehenswürdigkeiten im Land sowie Bus und Bahn benutzen, Familien bis zu 5 Personen 20 Euro.
Auskfünfte
Office National du Tourisme, 68-70 boulevard de la Pétrusse, P.O. Box 1001, 1010 Luxemburg, Tel: 0 03 52/42-82 82 10. www.visitluxembourg.lu






Hallo !
Der Luxemburg-Bericht hat mir gut gefallen ! Aber ich habe auch noch eine Frage :
Um welchen wunderbaren Ort handelt es sich bei Bild 8 (online-Version) bzw. Seite 31 (unten) in der Magazin-Version ? Das stand bei dem Bild nicht dabei.
Viele Grüße ! Michael D.