Fernreise: Aktiver Urlaub

Diesseits von Afrika

01.01.2012 08:54

Einmal im Jahr werden im privaten Wildreservat in Südafrika die tierischen Bewohner gezählt – manche Tiere müssen auch betäubt werden und an anderer Stelle wieder ausgesetzt. Ein dramatischer Job!


Südafrika mit dem Tierdoktor

Zebras, Gnus, Giraffen, Rhinos - in Südafrika ist jeder für die Population auf seiner eigenen Farm verantwortlich.

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

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Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Südafrika mit dem Tierdoktor

Für Europäer klingt das seltsam: In Südafrika kann man Wildtiere besitzen, man ist für die Population auf der eigenen Farm verantwortlich – eine große Verantwortung, die eben auch Arterhaltung bedrohter Spezies beinhaltet und genetische Selektion. In einem von hohen Zäunen abgeschlossenen – wenn auch für europäische Maßstäbe riesigen – Areal käme es zu Inzucht und Krankheiten, würden die Tiere nicht reguliert. Vorher aber muss erst einmal klar sein, wie viele der tierischen Bewohner da sind! Wie aber bitteschön zählt man Wildtiere? Die stellen sich ja nicht in einer Reihe auf und warten brav. Die Tiere sind die verwegenen offenen Safari-Fahrzeuge zwar gewohnt, bei Ant Baber, dem Inhaber des Wildtier-Reservats, aber zählt man vom Pferderücken aus.

"Mit dem Auto bist du ein lauter Eindringling, auf dem Pferd bist du ein sanfter Insider", sagt Ant. Seine Pferde leben mit den Wildtieren auf Du und Du. Die Pferde laufen frei, verbringen ihre Nächte im Busch, da wo sich Zebra und Giraffe, Njalla und Gnu gute Nacht sagen, und arbeiten sich über Nacht langsam bis zur Farm vor, wo es in der Frühe Heu gibt …

5.30 Uhr: Es ist unsittlich früh, kühl und klar. Die knatschgelben Webervögel, die sonst in den Morgen hinein lärmen, schlafen noch. Wir Menschen aber sind wach, es liegt Anspannung in der Luft, es ist der erste Tag des "game census" (Wildtierzählung). Mein Pferd heißt Puzzle, Puzzle hat Ponygröße, ist gescheckt und keck und hoch motiviert. Mit von der Partie ist Guide Moses. Moses hat eine Sektion zugeteilt bekommen, wir studieren die Karte, legen den Weg fest, haben Block und Bleistift parat. Unbeschlagene Hufe klappern, wir biegen vom Weg ab, hinein in den Busch und da steht eine Herde. Alberne lange Nasen haben sie. "Wilderbeasts", Moses strahlt. "Gnus" heißt man die bei uns und sie machen das Zählen einfach. In Reih und Glied marschieren sie vorbei, 19 "adults", vier Babys. Gänsehautgefühle – und weiter: Zebras, vier Stuten, etwas entfernt ein Hengst mit zwei weiteren Stuten. Ein schwarz-weiß gestreifter Zebrahengst starrt ein schwarz-weiß geflecktes Pony an und prustet. Das Puzzle-Pony gibt grummelnd Antwort. Könnte man die Welt jetzt anhalten!

Sie ziehen weiter. Moses erinnert daran, dass wir einen Job haben: Aufschreiben. Von links kleine Antilopen: acht Impalas. Dann betreten neun riesengroße Eland-Antilopen das Terrain. Aber dann: Lange Hälse ragen aus dem Buschwerk. Giraffen sind die wohl erhabensten Tiere, voller Eleganz, sie scheinen sich in Zeitlupe zu bewegen. 14 sind es, sie äsen in den Bäumen und stehen still. Zeit und Raum zerfließen, bis Moses mal an den Job erinnert. Und daran, dass es gegen halb zwölf geht. Alle Arbeit muss "before lunchtime" getan sein, es wird zu heiß. Unsere Liste, die wir später präsentieren, ist beeindruckend. Wir haben fast 80 Tiere gesehen.

Am nächsten Tag wird’s richtig dramatisch: Der Mann des Tages heißt Dr. Paul Huber, hat einen österreichischen Urgroßvater und ist die Ruhe selbst. Die nächsten Tage stehen im Zeichen des Dartens. Das ist nun nicht das launige Kneipen-Pfeilspiel – hier bedeutet es, Tiere mit dem Betäubungsgewehr zu schießen. Das Fahrzeug holpert und scheppert über staubige Buschpisten, die Tiere rennen kreuz und quer. Biologin Helen knüppelt das Auto rückwärts, dann in immer üblere Hohlwege, Paul grinst. "Die Kleine in der Mitte", ruft Helen und macht eine vage Handbewegung, "die brauchen wir." Paul schießt. Zack, rechte Arschbacke, das Tier flüchtet in Panik. Der Cruiser hinterher, ein zweiter Jeep von der andern Seite. Das Tier jetzt bloß nicht aus den Augen verlieren! Es liegt, ein wunderschönes Tier mit riesigen Augen liegt wehrlos im struppigen Gras.

Menschen stürmen heran, Helen ist als Erste da, dann Lyann, die Pferdefrau. Sie halten die Hörner fest, jemand verbindet dem Tier die Augen. Paul hat ein paar Spritzen gezückt, Impfungen, Entwurmungen, Zeckenprophylaxe, "wenn die Lady grad mal da ist". Eine Plane wird ausgerollt, das Tier vorsichtig draufgehoben. "Achtung auf die Hinterbeine", zärtlich arrangiert Helen das Bein. Wir alle heben an. Acht Menschen wuchten, Himmel ist diese zarte Antilopendame aber schwer! Sie kommt in einen Trailer und schon verlässt die erste tierische Fracht das weiträumige Areal.

Der Helikopter kommt anderntags zum Einsatz. Heute brennt die Luft, alle leiden mit. Es ist so wenig Zeit! Paul muss eine Giraffe darten und hat dann genau sieben Minuten Zeit. Wir flankieren das Ganze zu Pferd. Der Heli kommt so halsbrecherisch herein, als würde er abschmieren, der goldene Giraffenbulle rennt. Schuss, 2,5 Minuten, dann geht er nieder. "Lasst den Hals nirgendwo aufschlagen", heißt das Stoßgebet aller. Bitte! 

Das erste gewaltige Risiko ist, dass die Giraffe unglücklich fällt. Alles ist gut gegangen, ab jetzt ist Countdown: In lächerlichen sieben Minuten müssen die Augen verbunden sein, ein Gegenmittel verabreicht, das Tier in Seilen vertäut und dann wieder stehen. Sieben Minuten sind ein Wimpernschlag! Jede Minute später kann das Tier wegen seines speziellen Stoffwechsels und des Herzens aber schon tot sein.

Keiner redet mehr, bis zum Moment, wo Ant ruft: "Zieht!" Der goldene Bulle wankt wacklig auf den Trailer. Klappe zu, nur der Hals schaut raus. Ein Blick auf die Uhr: 6,5 Minuten. Wir Mädels verdrücken ein paar Tränchen, nur das Puzzle-Pony ist unbeeindruckt und grast. Ant haut Paul erst auf die Schultern, dann eine Umarmung. Harte Männer ganz soft, weil Tiere schützen Tiere lieben bedeutet! 


Aktiver Urlaub in Südafrika

Südafrika hautnah erleben: Es gibt eine ganze Reihe großartiger Projekte, um als Urlauber aktiv dabei zu sein, um Naturschutz zu unterstützen, um die lokale Bevölkerung zu stärken. Ökologie und Nachhaltigkeit statt Cluburlaub!

The Ant’s Collection: Einmal im Jahr findet die Wildtierzählung statt; sanfte Safaris vom Pferderücken aus gibt es aber das ganze Jahr über. In Deutschland buchbar über Aeroski Outdoor Passions, Tel. 0 60 81/20 82, www.aoeroski.com. Mehr Infos: www.waterberg.net

Bulungula Lodge: An der Wild Coast mit Blick aufs Meer liegen zehn Cottages mit einem kleinen Restaurant. Die Lodge gehört zu 40 Prozent den Bewohnern des Nqileni-Dorfs. Aktivitäten vor Ort: reiten, wandern, Kanu fahren, schwimmen oder im Dorf helfen. Alle Aktivitäten werden zu 100 % von der Kommune durchgeführt. www.bulungula.com

Knysna Living Local: Frauen aus elf verschiedenen Communities an der Garden Route und Klein Karoo mitten im Western Cape laden Besucher in ihr Zuhause ein und teilen mit ihnen ihre Geschichte, ihr Essen und ihre Hoffnungen. www.knysnalivinglocal.co.za

Voluntours: Mit dem neuen Trend "Voluntourism" vereinen Urlauber Arbeit für ein gemeinnütziges Projekt in Südafrika mit einer Reise durchs Land. Für zwei Wochen wird das Wildreservat, die Marine-Beobachtungsstation oder das Forschungsboot Mittelpunkt eines einmaligen Naturerlebnisses. www.voluntours.co.za

Become a Ranger: Ranger in Südafrika auf Zeit erfahren mehr über die Arbeit der Ranger, wie man am besten die Tiere des Busches aufspürt, wozu Bäume nützlich sein können und in welche Richtung Elefanten gelaufen sind. Mehrere Organisationen bieten Ranger-Kurse von unterschiedlicher Dauer an. Mindestaufenthalt sind in der Regel vier Nächte. www.ecotraining.co.za

WESSA – wildlife and enviro society of SA: Teil der WESSA Conservation-Strategie ist es, die natürlichen Ressourcen Südafrikas zu schützen, auch hier gibt es Freiwilligenarbeit. www.wessa.org.za

Wild Life Act: Wild Life ACT engagiert sich für die vom Aussterben bedrohten Tierarten in Afrika.

Freiwillige Helfer sind eingeladen, die professionellen Teams vor Ort tatkräftig zu unterstützen. Wild Life Act wird vom internationalen World Wildlife Fund (WWF) unterstützt und beobachtet überwiegend Geparden, den afrikanischen Wildhund, Nashörner, Löwen, Elefanten und Leoparden. www.wildlifeact.com



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